Stand: 27.06.2018 12:30 Uhr  | Archiv

Zerkarien und Amöben trüben den Badespaß

An warmen Sommertagen gehört der Sprung ins kühle Nass des nächsten Sees oder Flusses zu den beliebtesten Freizeitaktivitäten. Doch nicht selten lauern in solchen Gewässern gesundheitsgefährdende Keime. An offiziellen Badestellen oder -seen überwachen Mitarbeiter der Hygiene- und Umweltämter regelmäßig die Wasserqualität. Doch in allen natürlichen Gewässern kommen Keime und Parasiten vor - etwa Zerkarien, Amöben oder krank machende Darmbakterien. Im Sommer vermehren sie sich massenhaft im warmen Wasser. Vor allem in nicht kontrollierten Gewässern außerhalb der offiziellen Badestellen besteht das Risiko, sich einen solchen Keim einzufangen.

Zerkarien verursachen Juckreiz, sind aber harmlos

Eine etwa einen Millimeter große Zerkarie unter dem Mikroskop © http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/ Foto: Chb
Zerkarien sind etwa einen Millimeter groß und die Verursacher der sogenannten Badedermatitis.

Zerkarien sind die Larven von Saugwürmern. Als Parasiten befallen sie normalerweise Wasservögel, in deren Darm sie sich zu den erwachsenen Saugwürmern entwickeln. Steht aber ein Mensch im Wasser, durchbohren die Larven nicht selten irrtümlich dessen Haut und sterben darin innerhalb weniger Tage ab. An der befallenen Stelle verursachen sie starken Juckreiz und Schwellungen, die sogenannte Badedermatitis. Gefährlich ist der Parasitenbefall nicht, er wird erst problematisch, wenn die Stellen aufgekratzt werden und sich entzünden. Mitunter stecken auch noch die Larven in der Haut. Eine spezielle Behandlung gegen Zerkarien gibt es nicht, nur lindernde Salben.

Amöben sind gefährlich für Linsenträger

Darstellung einer Amöbe. © fotolia Foto: Wire_man
Amöben können die Hornhaut angreifen.

Gefährlicher für den Menschen sind andere Parasiten: Amöben. Die Einzeller kommen in allen Süßwasserbereichen vor, mitunter sogar im Boden und Trinkwasser. Sie können das Augenlicht gefährden. Vor allem Kontaktlinsenträger sind beim Schwimmen gefährdet, da Amöben sich hinter den Kontaktlinsen festsetzen und die Hornhaut angreifen können. Die Therapie ist kompliziert und dauert Monate. Schlagen die speziellen Medikamente nicht an, bleibt nur eine Hornhauttransplantation. Um vorzubeugen, sollten Kontaktlinsenträger ihre Linsen nach dem Schwimmen säubern oder sie erst gar nicht einsetzen.

Ansteckungsrisiko durch Darmbakterien

Eine Nahaufnahme von Darmbakterien
Darmbakterien gelangen hauptsächlich durch Gülle oder Abwasser in die Badeseen.

Neben den Parasiten können auch Darmbakterien den Badespaß verderben. Regen kann Gülle und Schmutz von benachbarten Feldern in die Gewässer spülen - Seen und Flüsse werden so nicht selten zu Keimsammelbecken. Auch wenn die Keimbelastung der überwachten offiziellen Badestellen sehr gering ist, liegt sie doch höher als bei Schwimmbädern, die ständig gereinigt werden.

Generell raten Experten deshalb:

  • nicht mit offenen Wunden ins Wasser gehen
  • Seen mit vielen Wasservögeln meiden
  • sich möglichst wenig in schlammigen Uferbereichen aufhalten
  • beim Schwimmen keine Kontaktlinsen tragen
  • möglichst wenig Wasser schlucken

Experten zum Thema

Dr. Andreas Montag
Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten, Allergologie, Phlebologie
Schweriner Straße 17, 22143 Hamburg
(040) 677 80 18
www.praxis-dr-montag.de

Prof. Dr. Bernhard Fleischer
Facharzt für Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie
Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin
Nationales Referenzzentrum für tropische Infektionserreger
Bernhard-Nocht-Straße 74, 20359 Hamburg
www.bnitm.de

Priv.-Doz. Dr. Ulrich Schaudig
Chefarzt der Augenklinik
Asklepios Klinik Barmbek
Rübenkamp 220, 22291 Hamburg
(040) 18 18-82 20 00 (Augenambulanz)
www.asklepios.com

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