Sendedatum: 25.02.2014 20:15 Uhr  | Archiv

Hüftschmerzen durch ein Impingement-Syndrom

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Verdickungen des Oberschenkelkopfes können Schmerzen auslösen.

Führt jeder Schritt zu Schmerzen im Hüftgelenk, liegt die Erklärung dafür für die meisten Patienten und auch Ärzte auf der Hand: Es muss sich um eine Coxarthrose, also einen Knorpelverschleiß, im Hüftgelenk handeln. Mit dieser Diagnose ist auch oft bereits die Behandlungsmethode klar: der Einsatz einer Hüftprothese. Doch Experten halten diesen Schluss in vielen Fällen für voreilig, denn nicht immer ist tatsächlich bereits ein Knorpeldefekt vorhanden und für die Beschwerden verantwortlich.

Gelenkkopf und -pfanne stoßen aufeinander

Auch winzige Verdickungen des Oberschenkelkopfes oder ein Überstand am Rand der Gelenkpfanne können solche Schmerzen verursachen. Diese angeborenen oder durch einen Unfall entstandenen Unregelmäßigkeiten führen dazu, dass Gelenkkopf und -pfanne bei bestimmten Bewegungen schmerzhaft aufeinander stoßen. Deshalb sprechen die Experten dabei auch von einem Impingement (englisch: Zusammenstoß). Sie unterscheiden das häufiger bei Frauen auftretende Pincer- oder Beißzangen-Impingement, bei dem die Schäden von der Gelenkpfanne ausgehen, und das eher bei Männern und Leistungssportlern anzutreffende Cam- oder Nockenwellen-Impingement.

Hier liegt die Ursache in einer Verbreiterung des normalerweise kugelrunden Hüftkopfs, die bei jeder Bewegung in die Gelenkpfanne gepresst wird. Bei besonders starker Belastung, zum Beispiel beim Sport, kann dadurch der Knorpel in der Gelenkpfanne von außen nach innen abreißen.

Erschwerend für eine frühe Diagnose des Impingement-Syndroms sind die oft unspezifischen Symptome. Die Schmerzen können über zwei in der Lendenwirbelsäule zusammenlaufende Nerven, den Nervus femoralis und den Nervus obturatorius, sogar bis in die Leiste, den Rücken, den Oberschenkel und das Knie ausstrahlen. Auf Dauer führt ein Impingement schließlich zum Knorpelverschleiß, also zur Arthrose.

Impingement: Diagnostik schwierig

Die Diagnostik eines Impingement ist nicht immer einfach, denn die Unregelmäßigkeiten sind meist so fein, dass sie auf einer normalen Röntgenaufnahme nicht zu sehen sind. Dafür werden spezielle Röntgen- oder Kernspinaufnahmen benötigt. Einen Hinweis auf ein Impingement gibt ein spezieller Test: Das Hüftgelenk kann sechs Bewegungen ausführen, Beugung und Streckung, zur Körpermitte und von der Körpermitte weg sowie die Drehung nach innen und außen.

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Für die Diagnose des Impingement-Syndroms gibt einen speziellen Test.

Der typische Impingement-Schmerz tritt auf, sobald zwei dieser Bewegungen gleichzeitig schnell ausgeführt werden. Das können zum Beispiel Beugung und schnelle Drehung nach innen oder Streckung und schnelle Drehung nach außen sein. Der Patient liegt auf dem Rücken während der Arzt das Bein entsprechend bewegt. Ein dabei in die Leiste einschießender Schmerz ist ein Zeichen für ein Impingement.

Überschüssiges Gewebe muss entfernt werden

In frühen Stadien kann eine gezielte Physiotherapie Entlastung schaffen. Auch eine Hüftgelenkspiegelung (Arthroskopie) kann sinnvoll sein. Dabei führt der Operateur feine optische Instrumente ins Gelenk, ohne das Muskelgewebe der Hüfte zu verletzen.

So kann er Schäden an der Gelenklippe erkennen, überschüssiges Gewebe entfernen und die Engstelle beseitigen. Ein Anschlagen des Schenkelhalses an der Gelenklippe wird somit vermieden. Gelingt der Eingriff, kann sich das Gelenk nach einer mehrwöchigen Heilungsphase wieder frei und schmerzfrei bewegen.

Hüft-Prothese bei fortgeschrittenem Verschleiß

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Das Zusammenspiel von Muskeln und Gelenk muss mit einer Hüftprothese neu erlernt werden.

Hat das Impingement-Syndrom bereits zu Knorpelverschleiß geführt, muss im fortgeschritten Stadium das Hüftgelenk durch eine Prothese ersetzt werden. Nach der Operation ist die Rehabilitation wichtig. Auch wenn im Prinzip nur ein neues Gelenk eingesetzt wird, das genauso funktioniert wie das alte, muss das Zusammenspiel von Muskeln und Gelenk neu erlernt werden. Der Grund: Durch die Schonhaltung mit dem alten, schmerzenden Gelenk haben sich die Muskeln verkürzt. Auch das Gehirn muss sich erst auf die neuen Möglichkeiten beim Stehen, Gehen oder Sitzen einstellen.

Interviewpartner:

Im Studio:
Antje-Kathrin Naujoks
Leitung Physiotherapie
Zentrum für Endoprothetik, Fußchirurgie, Kinder- und allgemeine Orthopädie
Roland-Klinik gGmbH
Niedersachsendamm 72-74
28201 Bremen
Tel. (0421) 877 81 77
E-Mail: pt(at)roland-klinik.de

Im Beitrag:
Dr. Bertram Regenbrecht
Chefarzt
Zentrum für Endoprothetik, Fußchirurgie, Kinder- und Allgemeine Orthopädie
Roland-Klinik gGmbH
Niedersachsendamm 72-74
28201 Bremen
E-Mail: orthopaedie(at)roland-klinik.de

Prof. Dr. Karl-Dieter Heller
Facharzt für Orthopädie, Orthopädie und Unfallchirurgie, Rheumatologie, Chirotherapie, Physikalische Therapie, Balneologie, Sportmedizin, Kinderorthopädie, spezielle orthopädische Chirurgie
Chefarzt Orthopädische Klinik im Herzogin Elisabeth Hospital
Leipziger Straße 24
38124 Braunschweig
Tel. (0531) 699 20 01
Fax (0531) 699 20 90

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