Stand: 27.05.2014 22:15 Uhr  | Archiv

Schonende Hüft-OPs: Für wen sind sie geeignet?

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Nicht selten müssen vorschnell minimalinvasiv implantierten Prothesen frühzeitig wieder ausgetauscht werden.

Pro Jahr werden in Deutschland mehr als 180.000 Hüftgelenke durch Prothesen ersetzt. Mit sehr guten Langzeitergebnissen ist der künstliche Gelenkersatz die erfolgreichste orthopädische Operation.

Doch wer eine neue Hüfte bekommen hat, braucht meist Wochen und Monate, um Kraft und Beweglichkeit vorsichtig wieder aufzubauen. Das liegt vor allem daran, dass beim klassischen Verfahren mit bis zu 30 Zentimeter langen Schnitten mehrere Muskeln vorübergehend abgelöst werden. Und diese brauchen Zeit, bis sie wieder zusammengewachsen sind.

Minimalinvasive OP: Muskeln werden beiseite gedrückt

Anders ist dies bei den minimalinvasiven OP-Verfahren: Hier werden die Muskeln durch spezielle Instrumente nur beiseite gedrückt und nicht durchtrennt. So bleibt die Muskulatur weitgehend unbeschädigt und die Patienten kommen schneller wieder auf die Beine. Es gibt mehrere minimalinvasive Verfahren, die sich vor allem durch die verwendeten Prothesen und den Zugangsweg des Operateurs durch die Muskulatur unterscheiden.

 

Allen minimalinvasiven Methoden ist gemeinsam, dass sie eine hohe Geschicklichkeit und Erfahrung des Operateurs erfordern. Denn bei der OP kann es zu Quetschungen der beiseite gedrückten Muskeln kommen, die die Heilungsphase verlängern können. Da es lange dauert, diese Methoden ausreichend sicher zu beherrschen, sollten sie nur von Spezialisten durchgeführt werden, die bereits viele dieser Eingriffe erfolgreich durchgeführt haben.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Der im Vergleich zum klassischen Verfahren deutlich kleinere Zugang erschwert die Übersicht und Arbeit des Operateurs, zudem muss der Patient bestimmte Voraussetzungen mitbringen: Er darf nicht zu dick und nicht zu muskulös sein, sonst lassen sich die Muskeln nicht ausreichend beiseite drücken. Und der Knochen muss stabil genug sein, um der oft kleineren Prothese perfekten Halt zu bieten. Denn der perfekte Sitz der Prothese hat oberste Priorität. Gerade bei jüngeren Patienten sind die anatomischen Voraussetzungen häufig problematisch und es ist deutlich schwieriger zu operieren, sodass ein minimalinvasives Verfahren für sie meist nicht infrage kommt.

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Experten warnen deshalb davor, bei nicht optimalen Voraussetzungen das Risiko einer auf Dauer schlecht sitzenden Prothese einzugehen, nur um schneller wieder mobil zu sein. Nicht selten müssen solche vorschnell minimalinvasiv implantierten Prothesen frühzeitig wieder ausgetauscht werden.

 

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Interviewpartner

Im Studio:
Prof. Dr. Henning Windhagen
Orthopäde, Chirurg
Leitender Arzt Department Endoprothetik und Rekonstruktive Gelenkchirurgie Hüfte/Knie
Ärztlicher Direktor Orthopädische Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH)
Diakonische Dienste Hannover, Annastift
Anna-von Borries-Straße 3
30625 Hannover
Tel. (0511) 535 43 40
Fax (0511) 535 46 82
Internet: www.annastift-departments.de

Im Beitrag:

Dr. Bernd Hinkenjann
Chefarzt
Abteilung für Orthopädie und Unfallchirurgie
Krankenhaus Buchholz
Steinbecker Straße 44
21244 Buchholz
Tel. (04181) 13 12 52
Fax (04181) 13 12 45
Internet: www.krankenhaus-buchholz.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 27.05.2014 | 22:15 Uhr

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