Stand: 10.10.2017 10:21 Uhr  | Archiv

Hüft-Prothese: Wenn das Ersatzteil fehlt

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Wegen Verschleiß oder Lockerung müssen einige Hüft-Prothesen ausgetauscht werden.

Mehr als 400.000 Hüftgelenk-Prothesen werden in Deutschland jedes Jahr eingesetzt. Der häufigste Grund ist Gelenkverschleiß (Arthrose) im Alter, nach Verletzungen oder Fehlstellungen. Auch wenn sich die Qualität der Implantate im Laufe der Jahre verbessert hat, müssen jedes Jahr rund 35.000 Kunstgelenke ausgewechselt werden, weil sie nicht so lange halten wie geplant.

Wann ein Wechsel der Hüft-Prothese nötig ist

Kunstgelenke sollen mindestens 20 Jahre halten. Je nach Material kommt es früher oder später zu Oberflächenverschleiß oder Lockerungen. Ein Wechsel wird nötig, wenn ...

  • die alte Hüftprothese Schmerzen verursacht und Bewegungen zur Qual werden.
  • die Prothese auskugelt, zerbricht oder eine Infektion auftritt.

Prothese oder Inlay wechseln

Bei der Wechsel-OP kann die ganze Prothese oder Einzelteile wie das Inlay, die Pfanne oder der Hüftkopf erneuert werden:

  • Im besten Fall ist nur das sogenannte Inlay abgenutzt, das bei älteren Modellen aus Polyethylen besteht. Es lässt sich relativ leicht auswechseln. Dazu wird das defekte Inlay entfernt, die Gelenkpfanne aufgeraut und das neue Inlay einzementiert. Nach dem Eingriff sind Betroffene in der Regel relativ schnell wieder fit.
  • In einigen Fällen ist eine neue Prothese einschließlich Pfanne und Schaft nötig. Die Operation ist aufwendiger als der Austausch des Inlays, Knochensubstanz geht verloren. Die Reha dauert in der Regel länger.

Bei einigen Betroffenen wird die komplette Prothese ausgetauscht, weil keine Ersatzteile für das Inlay verfügbar sind.

Warum Ersatzteile für Hüft-Prothesen fehlen

Anders als in anderen europäischen Ländern wird in Deutschland eine Vielzahl unterschiedlicher Hüftmodelle verwendet. Wenn sich ein Modell am Markt nicht durchsetzen kann, muss der Hersteller nur für kurze Zeit Ersatzteile vorhalten. In einigen Fällen gibt es den Hersteller nicht mehr, wenn nach Jahren ein Ersatzteil gebraucht wird. Weder die Hersteller noch die Krankenhäuser sind gesetzlich verpflichtet, Ersatzteile für Hüft-Prothesen vorzuhalten. Für Autos gibt es diese Pflicht - für Prothesen nicht.

Sonderanfertigung: Teuer und lange Wartezeit

Gibt es den Hersteller der Hüft-Prothese noch, kann man das defekte Teil als Sonderanfertigung bestellen. Allerdings muss man mit sechs bis zwölf Wochen Wartezeit rechnen, bis das Modell fertig ist. Eine Sonderanfertigung ist teuer und übersteigt das Budget der Fallpauschale, die von den Krankenkassen gezahlt wird. Viele Kliniken lehnen den Einsatz einer Sonderanfertigung ab, weil sie die Mehrkosten tragen müssten. Juristisch und medizinisch heikel ist es, statt des Original-Inlays das Inlay eines anderen Herstellers einzusetzen. Trotzdem ist in manchen Fällen diese Variante die beste Alternative.

Hüft-Prothese oder Inlay austauschen?
Hüftgelenk tauschenInlay tauschen
Prothese kostet ca. 800 EuroInlay kostet ca. 100 Euro
Kosten durch Fallpauschale nicht gedecktKosten durch Fallpauschale gedeckt
Längere RehaRasch wieder fit

Infektionsrisiko vor Hüft-OP minimieren

Bei jeder Gelenkoperation besteht die Gefahr einer Infektion. Um es gar nicht erst so weit kommen zu lassen, können Patienten schon vor dem Eingriff einiges dafür tun, das Risiko zu senken:

  • Übergewicht vermeiden

  • nicht rauchen

  • Diabetes gut einstellen

  • auf Eintrittspforten für Krankheitserreger achten, zum Beispiel offene Stellen

  • Zähne untersuchen lassen

  • Nasennebenhöhlen untersuchen lassen

Hüft-Prothese kontrollieren lassen

Nach einer Wechseloperation ist viel Bewegung wichtig. Empfehlenswert sind vor allem Sportarten wie Radfahren, Schwimmen oder Walken. Betroffene sollten ihr künstliches Gelenk regelmäßig beim Orthopäden überprüfen lassen. Der Arzt kann Infektionen oder Lockerungen erkennen, die das Gelenk und den Knochen schädigen können.

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Visite | 10.10.2017 | 20:15 Uhr

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