Stand: 03.02.2015 13:53 Uhr  | Archiv

Hirntumor: Neue Therapie bei einem Glioblastom

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Ein Glioblastom ist nicht heilbar - ein neuer Behandlungsansatz soll das Wachstum aber verlangsamen.

Das Glioblastom ist ein aggressiver bösartiger Hirntumor, der vom Stützgewebe (Glia) des Gehirns ausgeht. Auch wenn Glioblastome keine Tochtergeschwülste außerhalb des Nervensystems bilden, kommt es nach der gängigen Behandlung mit operativer Entfernung, Chemo- und Strahlentherapie oft zu einem Wiederauftreten (Rezidiv) der Erkrankung innerhalb weniger Monate. Heilbar ist das Glioblastom nicht.

Behandlung mit elektromagnetischen Feldern

Mit einem neuartigen Behandlungsansatz, der sogenannten Tumorfeldtherapie, versuchen Spezialisten aber derzeit, die Überlebenszeit der Patienten deutlich zu verlängern. Dazu kleben sie den Patienten Keramik-Elektroden (Arrays) fest auf den rasierten Kopf. Diese senden permanent elektromagnetische Wechselfelder durch das Gehirn und den Tumor. Ziel ist es, die Zellteilung (Mitose) zu behindern, was zum Absterben (Apoptose) sich schnellteilender Tumorzellen führt.

Bei der Zellteilung wird das Erbgut zunächst verdoppelt und dann mithilfe einer sogenannten Teilungsspindel auf zwei identische Tochterzellen aufgeteilt. Die mit einer Frequenz von 200 Kilohertz (kHz) wechselnden elektromagnetischen Felder verhindern den Aufbau der für die korrekte Aufteilung der Erbsubstanz erforderlichen Mikrotubuli aus elektrisch geladenen Bausteinen, sodass die entstehenden Tochterzellen nicht überlebensfähig sind und absterben.

Betroffene sind mobil

Die Patienten sind trotz der permanenten Therapie mobil, den vier Kilogramm schweren Generator für die Magnetfelder führen sie in einem Rucksack immer mit sich. In einer internationalen Studie wurden 300 Patienten zusätzlich zur Chemo- und Strahlentherapie mit der Tumorfeldtherapie behandelt. Zwei Jahre später waren 43 Prozent von ihnen noch am Leben, in der nach dem Standardverfahren behandelten Vergleichsgruppe waren es nur 29 Prozent. Dieses Ergebnis war so überzeugend, dass die US-Aufsichtsbehörde FDA den vorzeitigen Abbruch der Studie empfahl, um allen Patienten die Therapie zu ermöglichen.

Kostenübernahme zurzeit Einzelfallentscheidung

Dennoch warnen Experten vor Euphorie, denn eine Heilung ist auch mit dem neuen Verfahren nicht möglich, es schlägt nicht bei allen Patienten an und viele Betroffene stören die Elektroden auf dem Kopf und das ständige Mitführen des Rucksacks so sehr, dass sie sich bewusst gegen die zusätzliche Therapie entscheiden. Auch ob die Krankenkassen die Kosten von 20.000 Euro pro Monat übernehmen, ist noch nicht geklärt und bislang eine Einzelfallentscheidung.

Links

Behandlungszentren

Überblick über die Ärzte, die bei einem Glioblastom die Tumorfeldtherapie anwenden. extern

Interviewpartnern im Beitrag:

Dr. Adrian Kinzel
Assistenzarzt
Sana-Klinikum Duisburg GmbH
Zu den Rehwiesen 9-11
47055 Duisburg
Tel. (0203) 733 24 01
Fax (0203) 733 24 02
Internet: www.klinikum-duisburg.de/unser-leistungsspektrum/fachabteilungen/neurochirurgie.html

Prof. Dr. Wolfgang Wick
Ärztlicher Direktor
Neurologische Klinik
Universitätsklinikum Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 400
69120 Heidelberg
Tel. (06221) 56 70 75
Fax (06221) 29 75 54
Internet: www.klinikum.uni-heidelberg.de/Neurologische-Klinik.106839.0.html

Prof. Dr. Manfred Westphal, Ärztlicher Direktor
Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Tel. (040) 741 05 37 50
Fax (040) 741 05 81 21
Internet: www.uke.de/kliniken/neurochirurgie

Dieses Thema im Programm:

Visite | 03.02.2015 | 20:15 Uhr

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