Sendedatum: 01.04.2014 20:15 Uhr  | Archiv

Herzschwäche: Pumpen unterstützen das Herz

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Ein Kunstherz ist eine mechanische Pumpe aus Titan.

In Deutschland warten zurzeit rund 11.000 Menschen auf ein Spenderorgan. Die Anzahl der gespendeten und transplantierten Organe deckt diesen Bedarf bei Weitem nicht. Die langen Wartezeiten von bis zu eineinhalb Jahren sind für die schwerstkranken Patienten oft zu lang. Sie sterben bevor ein passendes Organ zur Verfügung steht. Daher ist das Interesse an der Entwicklung und Optimierung von Herzunterstützungssystemen und Kunstherzen groß.

Kunstherz: Blut wird umgeleitet

Ein gesundes Herz pumpt mit jedem Herzschlag etwa 70 Milliliter Blut in den Köperkreislauf und versorgt die Organe so mit Sauerstoff.  Bei einer schweren Herzschwäche (Herzinsuffizienz) kann die Pumpfunktion bis auf 10 bis 15 Prozent reduziert sein. Die Folge ist eine Überbelastung des Herzens und der Lunge mit Flüssigkeit sowie eine Unterversorgung des Körpers mit Sauerstoff. Wassereinlagerungen in den Beinen, Luftnot, Kurzatmigkeit und deutlich reduzierte körperliche Leistungsfähigkeit sind die Folgen.

Ein Kunstherz kann helfen. Es ist eine mechanische Pumpe aus Titan. Sie unterstützt die Pumpfunktion des natürlichen Herzens, indem sie Blut in den großen Körperkreislauf pumpt. Dazu wird das Kunstherz über eine künstliche Ader mit der linken Herzkammer verbunden. Das Blut fließt aus der Herzkammer in die Pumpe und wird um das geschwächte Herz herumgeleitet und schließlich wieder in die Hauptschlagader eingespeist.

Akkus versorgen Kunstherz mit Strom

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Die Stromversorgung des Kunstherzen wird von außen mit Akkus gesteuert.

Die Stromversorgung der Pumpe erfolgt über ein Kabel, das unter der Haut aus dem Körper ausgeleitet wird und an zwei Akkus angeschlossen wird. Ein Akku hält etwa vier bis fünf Stunden. Zu jedem Kunstherzen gehören vier Akkus. Nachts kann die Stromversorgung auch über eine Steckdose erfolgen. Das Gewicht der Kunstherzen beträgt je nach Gerätetyp etwa zweieinhalb Kilogramm.

Die Implantation solcher Unterstützungssysteme ist spezialisierten Zentren vorbehalten. An der Medizinischen Hochschule Hannover werden zum Beispiel jedes Jahr etwa 100 Kunstherzen implantiert. Die Tendenz ist steigend. Der Eingriff erfolgt unter Vollnarkose und Einsatz der Herz-Lungen-Maschine. Er dauert etwa drei bis fünf Stunden. Nach der Versorgung mit einem Kunstherz ist die dauerhafte Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten notwendig.

Regelmäßige Medikamenteneinnahme nötig

Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus werden die Patienten ambulant durch spezialisierte Zentren betreut. Zu Beginn erfolgen monatliche Kontrolluntersuchungen, die Abstände verlängern sich bei einem komplikationslosen Verlauf. Eine erfolgreiche Kunstherztherapie ist auf die zuverlässige Mitarbeit des Patienten angewiesen.

Die regelmäßige Einnahme der notwendigen Medikamente und die Einhaltung strenger Hygienemaßnahmen müssen gewährleistet sein. Ansonsten drohen schwerwiegende Komplikationen wie Infektionen, Blutungen oder Schlaganfälle.

Interviewpartner im Beitrag:

Priv.-Doz. Dr. Jan D. Schmitto
Bereichsleiter Herzunterstützungssysteme und Herztransplantation
Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover
Tel. (0511) 532 33 73
E-Mail: schmitto.jan@mh-hannover.de
Internet: www.mh-hannover.de/lvad.html

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