Stand: 16.05.2014 15:54 Uhr  | Archiv

Herzpatienten: Gesunde werden für krank erklärt

Rauchen, Übergewicht, zu wenig Bewegung und Stress: Das sind einige Faktoren, die einen Herzinfarkt oder Schlaganfall begünstigen können. Um sie zu verhindern, nehmen Millionen Menschen in Deutschland oft sogar eine ganze Reihe von Arzneimitteln ein.

Es gibt fünf Medikamentengruppen:
1. Betablocker: Die Wirkstoffe hemmen die Wirkung von Stresshormonen wie Adrenalin und Noradrenalin.
2. ACE-Hemmer: Diese Stoffe hemmen ein bestimmtes Enzym, das den Blutdruck reguliert.
3. Sartane: Diese Wirkstoffe werden bei Herzschwäche, Nierenerkrankungen und Bluthochdruck eingesetzt. Sie wirken unter anderem gefäßerweiternd.
4. Diuretika: Diese Entwässerungsmittel sollen helfen, die Blutdruckwerte insgesamt zu senken.
5. Kalziumantagonisten: Sie sollen dafür sorgen, dass das Herz nicht so schnell und angestrengt schlägt.

Liegen die Grenzwerte für Blutdruck zu hoch?

Bluthochdruck gilt als Volkskrankheit. Angeblich sind 30 Prozent aller Erwachsenen davon betroffen. Jeder zweite über 50-Jährige in Deutschland nimmt Blutdrucksenker. Die meisten Ärzte hierzulande halten das für nötig. Und es entspricht auch den Behandlungsleitlinien für ganz Europa. Doch einige Mediziner kritisieren, dass massenhaft Herzmedikamente verschrieben werden. Eine Hauptkritikerin dieser Praxis ist Dr. Iona Heath. Die streitbare Ärztin im Ruhestand war bis vor Kurzem Präsidentin des britischen Hausärzteverbands. "Das Problem ist der ständige Druck die Grenzwerte zu senken - und damit die Definition für Bluthochdruck", sagt die Allgemeinmedizinerin. "Und das bedeutet, dass eine immer größere Zahl von Menschen in diese Gruppe einbezogen wird."

Noch bis in die 80er-Jahre galt ein Blutdruckwert, der weit über dem heutigen lag, als normal: maximal 160 zu 100. Für ältere Menschen lag dieser Wert sogar höher. 1983 senkte die Weltgesundheitsorganisation die Grenzwerte. Das geschah auf Druck der Pharmaindustrie, sagen Kritiker wie Iona Heath. Die Behandlungsleitlinien wurden in ganz Europa angepasst und damit die Grenzwerte für die gesamte Bevölkerung gesenkt: von 160 zu 100 auf 140 zu 90.

Kritikerin: Millionen haben keinen Nutzen von ihren Medikamenten

Doch eine Auswertung vieler Medikamenten-Studien zeigt: Bei leicht erhöhtem Blutdruck nützen Medikamente in der Regel nichts. Iona Heath fordert deshalb, die Grenzwerte wieder heraufzusetzen. "Keine einzige Kontrollstudie nach Zufallsauswahl hat Vorteile gezeigt. Es gab weder weniger Erkrankungen noch weniger Todesfälle. Das ist wirklich besorgniserregend", findet Iona Heath. Die Ärztin vermutet: "Millionen Menschen weltweit nehmen Medikamente, haben aber keinerlei Nutzen davon, doch ziemlich sicher einigen Schaden."

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