Stand: 20.09.2016 14:28 Uhr  | Archiv

Hausstaubmilben-Allergie: Neue Tablette gegen Asthma

Hausstaubmilbe in extremer Vergrößerung
Bei rund fünf Millionen Menschen sorgen Hausstaubmilben für allergische Reaktionen.

Das Bett ist ihr Lieblingsort, hier tummeln sich Hausstaubmilben in Massen und genießen das feuchtwarme Milieu unter der Bettdecke und finden reichlich Nahrung, denn sie fressen besonders gern abgestorbene Hautschüppchen. Bis zu 10.000 der winzigen Spinnentiere leben in einem Gramm Staub, bis zu zwei Millionen in einer Matratze.

Allergene Angriffe auf die Atemwege

Für viele Menschen ist das eine Gefahr, auch wenn die Milben weder beißen noch stechen. Das Problem tritt vor allem in der Heizperiode auf, wenn die Luft trockener wird und viele Milben mangels Feuchtigkeit zugrunde gehen. Ihre Kotbällchen zerfallen und setzen Allergene frei, die durch die Heizungsluft verstärkt mit dem Staub aufgewirbelt werden. So verteilen sich die Allergene in der Luft und greifen die Atemorgane der Menschen an, die allergisch reagieren. Die größte Gefahr dabei ist der sogenannte Etagenwechsel. Dabei verlagert sich die allergische Reaktion von den oberen Atemwegen in die unteren, also in die Bronchien. Es kommt zu einem allergischen Asthma bronchiale. Um das zu verhindern, sollte die im Volksmund vereinfachend als Stauballergie bezeichnete Allergie unbedingt behandelt werden.

Gefriergetrocknete Hausstaubmilben helfen bei der Desensibilisierung

Dabei setzte man bisher meist auf eine Hyposensibilisierung, bei der die Patienten das Allergen in steigender Dosierung immer wieder gespritzt bekommen, bis sich ihr Körper daran gewöhnt hat. Bei akuten Beschwerden werden auch Antihistaminika und Kortison eingesetzt. Inzwischen ist ein neuer Therapieansatz auf dem Markt, der speziell entwickelt wurde, um das allergische Asthma zu lindern: Das Medikament Acarizax enthält ein standardisiertes Allergenextrakt aus der Hausstaubmilbe, genauer gefriergetrocknete Milben. Die Tablette wird einmal täglich und drei Jahre lang eingenommen, um die Betroffen zu desensibilisieren. Experten setzen Acarizax inzwischen auch bei Stauballergikern ein, die noch kein Asthma entwickelt haben, um ein Fortschreiten zu verhindern.

Interviewpartner im Beitrag:

Prof. Dr. Johann Christian Virchow, Direktor
Abteilung Pneumologie & Interdisziplinäre Internistische Intensivstation
Medizinische Klinik I im Zentrum für Innere Medizin
Universitätsmedizin Rostock
Ernst-Heydemann-Straße 6, 18057 Rostock
Tel. (0381) 494-74 61, Fax (0381) 494-73 92
Internet:www.pneumologie.med.uni-rostock.de

Dr. Volker Johannssen, Facharzt für HNO-Heilkunde
Beselerallee 63, 24105 Kiel
Tel. (0431) 56 69 25, Fax (0431) 579 69 83
Internet: www.hno-johannssen.de

Weitere Informationen:
Deutscher Allergie- und Asthmabund e.V.
An der Eickesmühle 15-19, 41238 Mönchengladbach
Tel. (02166) 64 78 820, Fax (02166) 64 78 880
Internet: www.daab.de/allergien/hausstaubmilbenallergie

Dieses Thema im Programm:

Visite | 20.09.2016 | 20:15 Uhr

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