Stand: 03.02.2015 11:20 Uhr  | Archiv

Chronische Schilddrüsenentzündung - was tun?

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Die Schilddrüse hat einen wichtigen Einfluss auf verschiedene Vorgänge im Körper.

Die Schilddrüse, das kleine, schmetterlingsförmige Organ im Hals, hat einen entscheidenden Einfluss auf das Herz-Kreislauf-System, die Verdauung und den Stoffwechsel sowie auf Nerven und Gehirn. Für die Bildung der lebenswichtigen Schilddrüsenhormone wird Jod benötigt, ein Spurenelement, das wir mit der Nahrung aufnehmen müssen. Ist die Funktion des sensiblen Organs gestört, kann der ganze Organismus aus dem Gleichgewicht geraten: Ständige Müdigkeit und Abgeschlagenheit, schlechte Stimmung, nächtliches Schwitzen, Gewichtszunahme, trockene Haut und Haarausfall können Zeichen einer chronischen Unterfunktion der Schilddrüse sein.

Die Diagnose

Ob eine Schilddrüsenerkrankung vorliegt, zeigt vor allem ein Laborparameter: TSH. Dieses von der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) ausgeschüttete Hormon stimuliert die Produktion der Schilddrüsenhormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4). Ein erhöhter TSH-Wert ist ein Hinweis auf eine Schilddrüsen-Unterfunktion. Bei einer Überfunktion des Organs ist der TSH-Wert dagegen niedriger als normal. Doch Vorsicht: Eine einmalige Bestimmung des TSH-Werts sagt nur wenig aus, denn dieses Hormon ist sehr schwierig zu messen und seine Konzentration im Blut hängt von vielen Faktoren wie der Tageszeit, akuten Krankheiten, eingenommenen Medikamenten, Körpergewicht und Alter des Patienten ab. Deshalb muss ein auffälliger Wert unbedingt nach einigen Wochen kontrolliert werden. In einigen Fällen hat sich der TSH-Wert bis dahin wieder normalisiert.

Hashimoto-Thyreoiditis: Eine Schilddrüsen-Unterfunktion

Bestätigt sich aber der Befund, folgen weitere Laboruntersuchungen. Dabei werden die Schilddrüsenhormone T3 und T4 bestimmt sowie die Antikörper MAK und TAK, die das Schilddrüsengewebe angreifen können. Außerdem wird eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt. Eine Ursache für die Schilddrüsen-Unterfunktion kann eine chronische Entzündung des Organs sein, die Hashimoto-Thyreoiditis. Dabei attackiert das körpereigene Immunsystem die hormonbildenden Zellen der Schilddrüse und zerstört sie nach und nach, bis sie nicht mehr genug der lebenswichtigen Schilddrüsenhormone produzieren kann.

Fehlende Schilddrüsenhormone als Tablette zuführen

Bei einer chronischen Unterfunktion müssen die Patienten daher lebenslang eine halbe Stunde vor dem Frühstück die fehlenden Schilddrüsenhormone in Form einer Tablette einnehmen, um den Mangel auszugleichen. Doch zuvor muss die Diagnose der Unterfunktion gesichert werden, denn eine unnötige Einnahme der Hormone ist gefährlich und kann zum Beispiel Herzrhythmusstörungen und Osteoporose verursachen. Deshalb muss bei der Dauertherapie einmal pro Jahr überprüft werden, ob die Hormondosis noch stimmt.

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Interviewpartner:

Im Studio:
Dr. Iris van de Loo
Fachärztin für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie
Endokrinologie Bremen
Alfred-Faust-Straße 11
28277 Bremen
Internet: www.endokrinologie-bremen.de

Im Beitrag:

Prof. Dr. Georg Brabant, Bereichsleiter
Medizinische Klinik I – Experimentelle und Klinische Endokrinologie
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
Ratzeburger Allee 160
23538 Lübeck
Internet: www.innere1.uni-luebeck.de/klinik/endokrinologie.html

 

Dieses Thema im Programm:

Visite | 03.02.2015 | 10:01 Uhr

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