Stand: 09.02.2017 11:44 Uhr  | Archiv

Hanf - die Wunderpflanze?

von Simona Dürnberg

Seit März 2017 können Krankenkassen die Kosten für Cannabis auf Rezept übernehmen. Schwerkranken Patienten wird damit ermöglicht, Hanf als Medizin zu erhalten - zuvor war dafür eine Ausnahmegenehmigung notwendig.

Haschisch, Cannabis und Co.: Eine Begriffserklärung

Wer von Cannabis und Hanf spricht, der meint dasselbe. Doch was ist mit Haschisch und Marihuana? Die folgende Übersicht erklärt die Unterschiede.

Cannabis und Hanf

Cannabis ist der botanische Name von Hanf und gehört zu den ältesten Nutzpflanzen der Welt. Bereits vor 12.000 Jahren wurde Hanf in Persien und China als Getreide angebaut. Neben dem Gebrauch der weiblichen Hanfpflanze als Rausch- und Arzneimittel wird Cannabis für die Herstellung von Kleidung, Seilen, Tee oder Kosmetika verwendet.

Hanf als Medizin: Wie wirkt die Pflanze?

Cannabis wird eine schmerzlindernde, muskelentspannende, entzündungshemmende und stimmungsaufhellende Wirkung nachgesagt. Wenn Patienten an chronischen Schmerzen leiden, zum Beispiel Nervenschmerzen, spastischen Lähmungen bei Multipler Sklerose, Krebs oder Aids, und ohne Therapiealternative sind, können sie in bestimmten Fällen Cannabis auf Rezept erhalten. Die therapeutische Dosierung löst keinen Rausch aus, doch bei vielen Krebsarten verringert Hanf die Übelkeit während einer Chemotherapie. Patienten der Palliativmedizin können durch Cannabis die Einnahme von Schmerzmitteln verringern oder vollständig einstellen. Hanf wird künftig durch eine staatliche Cannabisagentur kontrolliert angebaut. Der Eigenanbau bleibt verboten.

Cannabis ist in der Lage, viele Beschwerden zu lindern. Doch als Heil- oder Wundermittel sollte die Pflanze nicht betitelt werden. Hanf bleibt in der Medizin umstritten, da es bisher zu wenige aussagekräftige Studien gibt. Noch ist nicht geklärt, ob eine längere Behandlung mit Cannabis irreversible Auswirkungen auf die kognitive Leistungsfähigkeit eines Menschen haben kann. Aufgrund dessen raten Ärzte davon ab, Jugendliche mit Hanf zu behandeln.

Die häufigsten Nebenwirkungen einer Cannabis-Therapie sind Schwindel, Mundtrockenheit, Müdigkeit und Herzrasen. Hanf kann aber auch Psychosen und schizophrene Schübe auslösen.

Hanf als Droge: Vor allem für Jugendliche eine Gefahr

Ein Joint liegt auf einem Cannabisblatt.  Foto: CHROMORANGE / Christian Ohde
Der Konsum von Cannabis unter Jugendlichen nimmt zu.

Immer mehr junge Menschen greifen in Deutschland zum Joint. Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) berichtet, dass der Anteil Jugendlicher im Alter von 12 bis 17 Jahren, die Cannabis konsumieren, von 4,6 Prozent (2011) auf 6,6 Prozent (2015) angestiegen ist.

Beim Rauchen von Marihuana wird das Gehirn in Sekundenschnelle mit dem berauschenden Wirkstoff THC durchflutet. Zwar ist weltweit noch kein Konsument an einer Überdosis Cannabis gestorben, doch wer regelmäßig kifft, riskiert Krebserkrankungen im Mund- und Rachenraum. Während für Erwachsene das Abhängigkeitspotenzial von Hanf unter dem von Alkohol und Tabak liegt, besteht für Jugendliche ein höheres Sucht- und Gesundheitsrisiko: Studien haben gezeigt, dass bereits ein mäßiger Konsum von Cannabis im jungen Alter die sich noch in der Entwicklung befindenden Hirnstrukturen dauerhaft schädigen können. Das Kiffen im Jugendalter begünstigt ebenso das Auftreten von psychischen Krankheiten. Eine verkannte Gefahr durch Cannabis ist das Rauchen: Durch das Verbrennen von Tabak und Papier gelangen giftige Stoffe in die Lunge.

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Blatt einer Hanfpflanze in Nahaufnahme. © Pier 53/NDR

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Dieses Thema im Programm:

Mein Nachmittag | 10.02.2017 | 16:20 Uhr

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