Stand: 24.11.2015 12:35 Uhr  | Archiv

"Hämorrhoiden-Behandlung darf nicht schmerzen"

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Hämorrhoiden haben eine wichtige Funktion, Dr. Gerd Kolbert klärt auf.

Hämorrhoiden hat jeder. Die schwammartigen Gefäßpolster im Enddarm dienen dazu, den After abzudichten. Normalerweise werden sie gar nicht wahrgenommen. Wenn sie aber ein Jucken oder Brennen verursachen, müssen sie behandelt werden. Dr. Gerd Kolbert, Proktologe am End- und Dickdarmzentrum in Hannover, im Interview.

Welche Aufgabe haben Hämorrhoiden?

Kolbert: Jeder Mensch braucht diese Hämorrhoidal-Polster, um den After und Darm dicht abzuschließen gegenüber der Schließmuskulatur der äußeren Haut. Und an dieser Grenze zwischen Darm und der äußeren Haut liegen die Hämorrhoidal-Polster als Dichtring, um den Feinverschluss zu gewährleisten.

Wie entstehen die Beschwerden?

Kolbert: Der Darm hat eine Schleimhaut und innen ist feucht. Die Afterhaut ist normale und trockene Haut. Wenn sich ein Hämorrhoidal-Polster vergrößert und nach außen tritt, trifft das feuchte Milieu von innen auf das trockene Milieu außen. Das sorgt auf der Haut für einen Juckreiz, aber auch ein Brennen und Nässen.

Warum bluten Hämorrhoiden?

Kolbert: Hämorrhoiden sind blutgefüllte Gefäßsysteme. Im Rahmen des sogenannten Endleerungsvorgangs kann es zu kleinen Verletzungen an der Oberfläche der Hämorrhoide kommen. Und da diese sehr gut und vor allem auch arteriell durchblutet sind, kommt es zu hellroten Blutungen.

Wie läuft die Untersuchung ab?

Kolbert: Die Untersuchung selber dauert nicht länger als eine Minute. Wichtig ist, dass der Patient entspannt ist, denn man muss das Untersuchungsinstrument durch die Schließmuskulatur führen. Die Untersuchung ist absolut schmerzfrei. Es ist vielleicht ein kleines Druckgefühl, welches der Patient spürt.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Kolbert: Die Hämorrhoiden-Behandlung darf nicht schmerzen, denn die Hämorrhoiden haben keine Schmerzfasern. Durch das Proktoskop, mit dem ich mir die Hämorrhoiden betrachten kann, wird eine ganz feine Nadel, mindestens so fein, wie die, die sie beim Zahnarzt kennen, eingeführt. Über diese Nadel wird eine Flüssigkeit in die Hämorriden eingespritzt, die dafür sorgen soll, dass an dieser Stelle eine lokale Entzündung entsteht und die Hämorrhoiden dadurch schrumpfen. Bei der Gummiband-Legatur wird ein circa erbsengroßer Anteil der Hämorrhoide mit einem winzig kleinen Gummibändchen regelrecht abgebunden. Dieses Teil stirbt in den nächsten sechs bis acht Tagen ab und wird einfach mit dem normalen Stuhlgang ausgeschieden.

Sind Zäpfchen sinnvoll?

Kolbert: Die Probleme, die der Patient spürt, sind meistens Probleme an der äußeren Haut, verursacht durch vergrößerte Hämorrhoiden. Wenn man ein Zäpfchen einführt, kann das nur im Enddarm wirken. Das Zäpfchen kommt also nicht unbedingt in die Region, wo es eigentlich wirken soll.

Welche Salben bringen Linderung?

Kolbert: Alle Salben helfen, da sie ja die Haut schützen sollen, wobei es sehr viele Inhaltsstoffe gibt, auf die der Patient auch allergisch reagieren könnte. Deswegen empfehlen wir als Alternative eine reine Zinkpaste oder eine Babycreme.

Können die Hämorrhoiden nicht einfach entfernt werden?

Kolbert: Viele Patienten, die langjährige Beschwerden haben, bitten uns, die Hämorrhoiden vollständig zu entfernen. Genau das wollen wir aber nicht, weil die Hämorrhoiden ja eine Funktion hat. Die normalgroße Hämorrhoide funktioniert als Dichtring. Das Veröden soll nur dafür sorgen, eine Hämorrhoide von dem vergrößerten Stadium in ein normal großes Stadium zurückzuführen, damit die Hämorrhoidal-Polster ihre Funktion weiter ausführen können. Wenn wir die nicht mehr hätten, also alle Hämorrhoiden entfernt wären, hätten die Patienten ein Dichtigkeitsproblem, ein Kontinenzproblem. Sie könnten dann zum Beispiel Luft oder Flüssigkeit nicht mehr halten.

Das Interview führte Madlen Zeller

Dieses Thema im Programm:

Visite | 24.11.2015 | 20:15 Uhr

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