Stand: 07.01.2019 16:19 Uhr

Gemeinsam abnehmen - das Zucker-Experiment

Bild vergrößern
Gemeinsam abnehmen fällt vielen leichter.

An Übergewicht leiden in Deutschland jede zweite Frau und mehr als 65 Prozent der Männer. Wenn Betroffene nachhaltig abnehmen möchten, brauchen sie großes Durchhaltevermögen. Denn mit einer Diät ist es nicht getan: Wichtig ist ein Lebensstil mit viel Bewegung und einer gesunden Ernährung. Doch die Umstellung fällt vielen Betroffenen schwer: Oft fallen sie nach einem hochmotivierten Beginn zurück in alte Verhaltensweisen und nehmen dann wieder zu (Jo-Jo-Effekt).

Erfolgreicher sind Menschen, die gemeinsam abnehmen. Die Gründe dafür sind wissenschaftlich belegt: Förderlich sind demnach gemeinsame Ziele und der Druck, sich vor anderen nicht blamieren zu wollen.

Zuckerwürfel und Streuzucker.

Gemeinsam abnehmen - das Zucker-Experiment

Visite -

In einer Gruppe fällt Menschen mit Übergewicht das Abnehmen oft leichter. In Schleswig-Holstein hat sich eine ganze Gemeinde auf Diät gesetzt. Warum ist gemeinsames Abnehmen so erfolgreich?

5 bei 3 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Zucker-Experiment in Berkenthin

Einwohnerinnen und Einwohner aus Ortschaften der Gemeinde Berkenthin in Schleswig-Holstein versuchten im Rahmen der Aktion "Tschüss Zucker", drei Monate lang gemeinsam auf Zucker zu verzichten. Wie viel Zucker in Nahrung enthalten ist, lässt sich bei vielen Lebensmitteln schwer erkennen, denn Zucker hat viele Namen. Er versteckt sich auch hinter Zutaten wie Ahornsirup und Malzextrakt, Isoglukose und Saccharose. Die Teilnehmer der Aktion "Tschüss Zucker" nahmen deshalb genau unter die Lupe, was sie essen.

Hoher Zucker-Verbrauch in Deutschland

Durchschnittlich isst jeder Bundesbürger pro Kopf fast 120 Gramm Zucker am Tag. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hält das für zu viel. Sie empfiehlt Erwachsenen, nicht mehr als 50 Gramm Zucker pro Tag zu essen - idealerweise sogar nicht mehr 25 Gramm. Das entspricht etwa sechs Teelöffeln Zucker oder acht Zuckerwürfeln. Gemeint ist zugesetzter Zucker in Speisen und Getränken und Zucker, der in Honig und Saft enthalten ist. Der natürliche Zuckergehalt in Milch, Obst und Gemüse hingegen wird nicht mitgezählt.

Körper speichert Zucker als Fettreserve

Zucker ist zwar wichtiger Energielieferant, aber wir verbrauchen zu wenig davon. Deshalb lagert der Körper den Stoff als eiserne Reserve für schlechte Zeiten in Form von Fett zum Beispiel in der Leber ein. Ein ständig hoher Zuckerspiegel im Blut schädigt alle gut durchbluteten Organe wie Nieren, Augen, Blutgefäße, Nerven. Das kann zur Erblindung, Durchblutungsstörungen, Nervenschmerzen bis hin zu einer Nierenschädigung führen.

Im Gespräch
04:53
Visite

Diät in der Gruppe: Worauf kommt es an?

Visite

In einer Gruppe fällt Menschen mit Übergewicht das Abnehmen oft leichter. Warum das so ist, erklärt die Ernährungsmedizinerin Dr. Songül Gräfendorf. Video (04:53 min)

Trainingsprogramm für Fußballfans

Obwohl gemeinsames Abnehmen meist erfolgreicher ist als im Alleingang, gibt es in Deutschland kaum Gruppentherapien für Menschen mit Übergewicht. Eine Ausnahme ist das Projekt Fußballfans im Training des Vereins Eintracht Braunschweig. Mit zwei zwölfwöchigen Kursen pro Jahr regt der Verein übergewichtige Fans zu einer gemeinsamen Veränderung ihres Lebensstils an.

Wie erfolgreich das Programm ist, zeigt eine Untersuchung aus Großbritannien. Dort verloren die Teilnehmer der Gruppentherapie innerhalb eines Jahres rund fünf Kilogramm Gewicht und fünf Zentimeter Bauchumfang mehr als andere Fans, die es auf eigene Faust versuchten. Außerdem lag der durchschnittliche Blutdruck in der Gruppe nach einem Jahr um 6,6 Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) niedriger. Inzwischen bieten auch andere Vereine ähnliche Gruppenprogramme an.

Dorf in Spanien auf Diät

In einem spanischen Dorf achten mehr als 4.000 Einwohner gemeinsam auf ihre Ernährung, machen Sportkurse und versuchen, sich im Alltag mehr zu bewegen. Die meisten leiden unter Übergewicht und den damit verbundenen Folgekrankheiten wie Diabetes und Bluthochdruck. Die Initiative wird unterstützt von Gesundheitszentren, Schulen, Stadtverwaltung und Restaurants.

Gründe fürs Abnehmen

Wer auf Dauer überflüssige Pfunde verliert, reduziert das Risiko für praktisch alle Zivilisationskrankheiten, verlängert seine Lebenserwartung, senkt seinen Blutdruck, seine Blutfettwerte und das Risiko für Krebs, Herzinfarkt und Demenz.

So gelingt der Start in ein gesünderes Leben

Wer abnehmen und gesundheitliche Risiken verringern möchte, sollte seine Ernährung und Lebensweise in kleinen Schritten langfristig verändern:

  • auf Snacks zwischendurch verzichten
  • höchstens drei Mahlzeiten pro Tag
  • wenig Fleisch essen, viel Obst und Gemüse
  • selbst kochen, keine Fertiggerichte
  • 10.000 Schritte am Tag gehen - mit 3.000 Schritten beginnen, dann kontinuierlich erhöhen

Weitere Informationen
45 Min

Tschüss Zucker: Eine Dorfgemeinschaft auf Entzug

45 Min

Viele Lebensmittel enthalten zu viel Zucker. Die Industrie sagt: Esst doch disziplinierter. Ob das klappt? Ein Dorf sagt dem Zucker 'tschüss' und geht drei Monate auf Entzug. mehr

Gesünder leben durch Zuckerfasten

Zuckerfasten kann das Risiko für Diabetes und andere Erkrankungen senken. Doch viele Lebensmittel enthalten versteckte Zuckerstoffe. Worauf sollte man beim Verzicht auf Zucker achten? mehr

Uwes Experiment: Abnehmen mit wenig Zucker

Gesünder leben mit maximal 25 Gramm Zucker pro Tag: Nach seinem Experiment hat Markt Autor Uwe Leiterer viele Fragen von Zuschauern erhalten. Hier gibt's die Antworten. mehr

Experten zum Thema

Dr. Jörn Klasen, Facharzt für Innere Medizin, Anthroposophische Medizin, Naturheilverfahren, Dipl. Heilpädagoge
Medizinicum Hamburg (Klinikum Stephansplatz)
Stephansplatz 3
20354 Hamburg
(040) 32 08 83 10
www.medizinicum.de

Dr. Melanie Hümmelgen, Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie
Leitende Ärztin der Kardiologischen Abteilung und stellv. Ärztliche Direktorin
RehaCentrum Hamburg
Martinistraße 66
20246 Hamburg
(0 40) 253 06 35 05
www.rehahamburg.de

Dr. Matthias Riedl, Internist, Diabetologe, Ernährungsmediziner             
medicum Hamburg MVZ GmbH
Beim Strohhause 2
20097 Hamburg
(040) 807 97 90
www.medicum-hamburg.de

Carlos Piñeiro Diaz, Hausarzt
Centro de Saúde Narón
15570 Narón (Spanien)

Kay-Uwe Rohn, Abteilungsleiter Fitness und Gesundheitssport
Eintracht Braunschweig
www.fussballfansimtraining.de

Weitere Informationen
Adipositas Verband Deutschland e. V.
Peterstraße 39
46236 Bottrop
www.adipositasverband.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 08.01.2019 | 20:15 Uhr

Mehr Ratgeber

08:17
Mein Nachmittag
05:21
Mein Nachmittag