Stand: 06.08.2018 13:30 Uhr

Gelenkschmerzen: Akupunktur und Akupressur helfen

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Die Akupunktur ist eines der bekanntesten Verfahren der Traditionellen Chinesischen Medizin.

Für chinesische Heilkundler bedeutet Gesundheit, dass die Lebensenergie "Qi" ungehindert auf Leitbahnen, sogenannten Meridianen, durch den Körper fließen kann. Die Meridiane werden bestimmten Organen oder Funktionen zugeordnet. Krankheiten und Schmerzen sind nach der chinesischen Theorie auf Stauungen des "Qi"-Flusses innerhalb der Meridiane zurückzuführen. An mehr als 700 Punkten können Experten die Meridiane dicht unter der Hautoberfläche erspüren, 323 davon werden bei der Akupunktur verwendet. Sie hat das Ziel die Blockaden zu beseitigen, den "Qi"-Fluss wieder zu ermöglichen und so Krankheiten und Schmerzen zu lindern.

Akkupunktur am Fuß

Gelenkschmerzen: Akupunktur und Akupressur helfen

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Bei Arthrose, aber auch bei anderen Erkrankungen können Akupunktur und Akupressur die Beschwerden lindern. Dabei eignet sich die Akupressur auch zur Selbstbehandlung.

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Akupunktur: Hilfe bei schmerzenden Gelenken

Die richtigen Akupunkturpunkte liegen nicht immer in der Nähe der Schmerzen oder des betroffenen Organs, sondern oft auch als Reflexpunkte in ganz anderen Körperregionen. Den perfekten Punkt zu finden, ist die Kunst der Akupunktur und erfordert Erfahrung. Denn wo die Nadeln ihre Wirkung entfalten können, ist von Patient zu Patient verschieden und muss bei den ersten Behandlungen ausprobiert werden. Am richtigen Punkt gesetzt, wirken Akupunkturnadeln oft sofort, machen zum Beispiel schmerzhafte Gelenke wieder beweglich und verringern den Bedarf an Schmerzmitteln. Durch die Punktion werden schmerzverarbeitende Regionen im Gehirn unmittelbar angesprochen, so kommt es zum Soforteffekt. Längerfristig soll es zu Neuverschaltungen innerhalb des Nervensystems kommen, sodass der Schmerz gar nicht mehr oder anders wahrgenommen wird. Da die Wirksamkeit der Akupunktur vor allem bei Kniegelenksarthrose und Rückenschmerzen wissenschaftlich sehr gut belegt ist, wird sie auch von allen gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Viele Krankenkassen übernehmen die Kosten von Akupunktur aber auch bei anderen Erkrankungen und Beschwerden. Versicherte sollten deshalb bei ihrer Krankenkasse nachfragen.

Akupressur: Gezielter Druck lindert Symptome

Bei der Akupressur sollen die Symptome durch gezielten Druck auf die betroffenen Meridiane gelindert werden. Sie wird zum Beispiel bei Angstzuständen, Bluthochdruck, Konzentrationsstörungen, Menstruationsbeschwerden, Migräne, Muskelverspannungen, Verdauungsproblemen, Zahnschmerzen oder auch Schlaflosigkeit eingesetzt. Auch Wohlbefinden und Immunabwehr lassen sich durch Akupressur stimulieren. Interessant ist die Akupressur vor allem, weil Patienten sie im Gegensatz zu anderen manuellen Therapien oder zur Akupunktur nach kurzer Einführung durch den Therapeuten auch selbst anwenden können. Auch Arthroseschmerz lässt sich mit Akupressur bekämpfen. Allerdings fehlen hier gesicherte Studiendaten wie bei der Akupunktur, sodass die Akupressur nicht zu den Regelleistungen der gesetzlichen Krankenkassen gehört.

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Wie läuft eine Akupressur ab?

Je nachdem, ob die Behandlung anregend oder beruhigend sein soll, werden bei der Akupressur verschiedene Drucktechniken eingesetzt. Um anzuregen, wird ein sanfter, nur oberflächlich spürbarer Druck ausgeübt. Zur Beruhigung dient kraftvolles, wiederholtes Drücken und Reiben. Harmonisierend wirkt eine mittlere Druckstärke, bei der die Akupunkturpunkte oder Meridianabschnitte sanft und gleichmäßig gerieben werden. Eine Akupressursitzung dauert etwa 15 bis 30 Minuten. Jeder Punkt wird zwischen fünf Sekunden und zwei Minuten lang massiert. In der Regel besteht eine Therapie aus zehn bis zwölf Sitzungen, ein- bis zweimal pro Woche.

Tipps für die Selbstbehandlung

Da die Akupressur nebenwirkungsarm und ohne Hilfsmittel durchzuführen ist, eignet sie sich gut zur Selbstbehandlung. Dafür muss der Patient nur die wichtigen Akupunkturpunkte und grundlegenden Massagetechniken kennen. Zunächst ertastet man mit dem Finger einen Akupunkturpunkt. Er ist in der Regel als kleine Vertiefung zu fühlen. Ein behandlungsbedürftiger Akupunkturpunkt ist in der Regel druckempfindlich. Ist der Punkt gefunden, dreht man unter leichtem Druck Kreise im Uhrzeigersinn und entgegengesetzt, um zu prüfen, welche Richtung angenehmer ist. Dann wird der Punkt in der angenehmeren Richtung bis zu drei Minuten sanft kreisend massiert. Die Empfindlichkeit des Punktes nimmt dabei spürbar ab. Ist er entspannt und nicht mehr schmerzhaft, folgt der nächste Punkt. Bei akuten Problemen wird der Punkt für zehn bis 30 Sekunden gedrückt gehalten, drei bis fünf Mal kräftig gedrückt, 15 bis 20 Mal mittelstark massierend gedrückt oder 20 bis 30 Mal mit den Fingerkuppen geklopft - je nachdem, wie es am angenehmsten ist.

  • Der klassische Akupunkturpunkt zur Linderung von Kopf- und Rückenschmerzen liegt beispielsweise in der Hautfalte zwischen Daumen und Zeigefinger. Er wird ein bis zwei Minuten kräftig mit Daumen und Zeigefinger der anderen Hand zusammengedrückt und massiert.
  • Bei Schulter- oder Nackenschmerzen, Darmproblemen oder Nervosität hilft es dagegen, den Punkt "Dünndarm 3" für ein bis zwei Minuten mit dem Daumennagel zu drücken. Dieser Punkt befindet sich an der Handaußenkante direkt unterhalb des Kleinfingergelenks, sobald die Hand eine Faust macht.
  • Ein Akupunkturpunkt gegen Müdigkeit und Schlafstörungen findet sich auf der Fußsohle zwischen den beiden Vorderballen. Wird dieser Punkt in kreisenden Bewegungen im Uhrzeigersinn massiert, macht das wach - gegen den Uhrzeigersinn hilft es beim Einschlafen.
  • Üblicherweise werden die Punkte an beiden Körperseiten behandelt, je nach Stärke der Beschwerden ein bis drei Mal täglich.

Diese Akupressur- und Massagetechniken gibt es:

  • Druck, Klopfen und kreisendes Reiben mit der Daumen- oder Fingerkuppe
  • Festes Drücken des Punktes
  • Kreisendes Reiben mit einem Fingerknöchel
  • Sanftes Klopfen mit den Fingern auf die Region um den Punkt
  • Reiben mit der Handfläche über den schmerzenden Bereich
  • Hochzupfen der Haut

Kaum Nebenwirkungen, aber Gegenanzeigen

Die Akupressur ist eine sehr nebenwirkungsarme Therapie. Es kann allerdings bei kräftigen Massagen vereinzelt zu Blutergüssen kommen. Häufig tritt direkt nach der Akupressur eine gewisse Müdigkeit auf. Das ist normal und ein Zeichen ihrer Wirksamkeit, kann aber die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen. Bei Krampfadern oder entzündeten oberflächlichen Venen (Thrombophlebitis) sollte eine Akupressur nur sehr sanft erfolgen. Lymphabflussgebiete wie Kehle, Leisten, Achseln und der Brustbereich sollten nur mit sanftem Druck massiert werden.

Eine Akupressur sollte nicht angewendet werden bei:

  • Hautkrankheiten
  • Verbrennungen der Haut
  • Schweren Infektionskrankheiten
  • Krebs
  • Schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Erhöhter Blutungsneigung und Einnahme gerinnungshemmender Medikamente
  • Osteoporose
  • Nach Alkohol- oder Drogenkonsum

Wichtig: Eine Akupressur ersetzt keine ärztliche Diagnostik oder Behandlung. Wer sich selbst regelmäßig mit Akupressur behandelt, sollte seinen behandelnden Arzt unbedingt darüber informieren.

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Experten zum Thema

Dr. Dunja Petersen, Ärztin und Heilpraktikerin
Praxis für Chinesische Medizin
Wrangelstraße 61, 24105 Kiel
(0431) 318 23 85
www.chinesische-medizin-kiel.de

Dr. Sven Schröder, Neurologe und Arzt für Traditionelle Chinesische Medizin
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Praxis: Breitenfelder Straße 15, 20251 Hamburg
(040) 41 35 79 90
www.tcm-am-uke.de

Weitere Informationen:
SMS - Internationale Gesellschaft für Chinesische Medizin e. V.
Franz-Joseph-Straße 38, 80801 München
 (0 89) 20 08 36 91
www.tcm.edu
(Hilfe bei der Therapeutensuche)

Arbeitsgemeinschaft für Klassische Akupunktur und Traditionelle Chinesische Medizin e.V.
Wisbacher Straße 1, 83435 Bad Reichenhall
(0 8651) 69 09 19
www.agtcm.de/patienten
(Umfangreiche Informationen für Patienten)

Deutsche Gesellschaft für Traditionelle Chinesische Medizin e.V.
Karlsruher Straße 12, 69126 Heidelberg
(0 6221) 37 45 46
www.dgtcm.de
(Hilfe bei der Therapeutensuche)

Deutsche Ärztegesellschaft für Akupunktur (DÄGfA) e.V.
Würmtalstraße 54, 81375 München
(0 89) 7 10 05-11
www.daegfa.de
(Patienteninformationen zur Akupressur)

Ratgeber:
Fritz Wagner: Akupressur - Heilung auf den Punkt gebracht.
128 S.; Gräfe und Unzer (2017); € 12,99
Marlene Weinmann: Schmerzfrei durch Fingerdruck - die 200 wichtigsten Akupressurpunkte.
224 S.; TRIAS (2013); € 12,99

Dieses Thema im Programm:

Visite | 08.07.2018 | 20:15 Uhr

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