Stand: 11.05.2020 18:23 Uhr

Gefährliche Hirnentzündung durch Herpes-Viren

Das Modell eines Gehirns vor grauem Hintergrund. © fotolia.com Foto: fergregory
Herpes-Viren können eine Hirnhautentzündung hervorrufen.

Herpes-simplex-Viren (HSV) sind als Erreger der "Bläschenkrankheit" an Lippen und Genitalien bekannt, doch in seltenen Fällen, vor allem bei Menschen mit geschwächter Abwehr, können sie auch lebensbedrohende Erkrankungen wie eine HSV-Sepsis oder eine Hirnentzündung (HSV-Enzephalitis) verursachen. Die Herpes-Viren gelangen meist über die Nase in den menschlichen Körper und wandern über die Riechschleimhaut und den Riechnerv zunächst ins Frontalhirn, von wo aus sie sich weiterverbreiten.

VIDEO: Gefährliche Hirnentzündung durch Herpes-Viren (13 Min)

Symptome von Schwäche bis Bewusstseinstrübung

Die Erkrankung beginnt mit grippeähnlichen Symptomen und Schwindel, nach einigen Tagen tritt hohes Fieber auf. Hinzu kommen extreme Schwäche und Müdigkeit, Sprach- und Gedächtnisstörungen, Desorientiertheit und Bewusstseinstrübung. Mitunter kommt es auch zu epileptischen Anfällen.

Diagnose durch verschiedene Verfahren

Um eine sichere Diagnose stellen zu können, entnehmen die Ärzte Nervenwasser (Liquor) aus dem Rückenmarkskanal, das im Labor auf Entzündungszeichen und Viren untersucht wird. Daneben führen sie eine Computer- oder eine Kernspintomografie durch und zeichnen die Hirnstromkurven (EEG) auf.

Therapie mit Aciclovir und Breitspektrumpenicillin

Bei Verdacht auf eine Herpes-simplex-Enzephalitis wird sofort das Medikament Aciclovir verabreicht, um keine Zeit zu verlieren, bis die Diagnose vorliegt. Bis eine bakterielle Ursache ausgeschlossen ist, wird zusätzlich ein Breitspektrum-Penicillin wie zum Beispiel Amoxillin verabreicht. Bei Aciclovir-resistenten Herpesviren besteht die Möglichkeit einer Behandlung mit dem virenhemmenden Medikament Foscarnet.

Ohne Behandlung versterben vier von fünf Patienten an einer HSV-Enzephalitis. Selbst mit der richtigen Therapie überlebt jeder fünfte Betroffene die Erkrankung nicht, jeder dritte leidet unter neurologischen Folgen wie Lähmungen.

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Experten zum Thema

Priv.-Doz. Dr. Min-Suk Yoon, Chefarzt
Klinik für Neurologie
Augusta-Kranken-Anstalt gGmbH
Bergstraße 26, 44791 Bochum
www.augusta-kliniken.de

Dr. Ines Siglienti, Oberärztin
Klinik für Neurologie
Katholisches Klinikum Bochum gGmbH
Gudrunstraße 56, 44791 Bochum
www.klinikum-bochum.de

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Visite | 12.05.2020 | 20:15 Uhr

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