Stand: 08.01.2019 12:25 Uhr

Geburtshilfe: Zu viele Kaiserschnitt-OPs?

Bild vergrößern
Laut Experten wären viele Kaiserschnitte nicht notwendig.

Innerhalb von nur zwei Jahrzehnten haben sich die Kaiserschnittraten in den meisten Industrienationen mehr als verdoppelt. In Deutschland kommt mittlerweile jedes dritte Kind so zur Welt, es gibt allerdings große regionale Unterschiede. Ein Kaiserschnitt kann Leben retten, doch die Indikationen für die einstige Notfall-OP sind heute vielfältiger denn je und werden von Ärzten höchst unterschiedlich ausgelegt. In manchen Ländern, so etwa in Brasilien und China, sind Geburten per Kaiserschnitt sogar bereits häufiger als natürliche.

Eine Geburt im Kreissaal.

Geburtshilfe: Zu viele Kaiserschnitt-OPs?

Visite -

In Deutschland kommt jedes dritte Kind per Kaiserschnitt zur Welt. Medizinisch ist der Eingriff nicht immer notwendig. Forscher vermuten sogar Nachteile für die Gesundheit des Kindes.

4,14 bei 7 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Mehr Geld für Kaiserschnitt-Operationen

Experten schätzen, dass fünf bis zehn Prozent der Kaiserschnitte nicht erforderlich wären. Obwohl die Operation schneller, zeitlich und personell einfacher zu planen ist, erhält eine Klinik für einen geplanten Kaiserschnitt rund 1.000 Euro mehr als für eine natürliche Geburt. Das führt auf lange Sicht zu weiteren Problemen, denn die jüngeren Ärzte sammeln so immer weniger Erfahrung mit der natürlichen Geburtshilfe in schwierigeren Fällen. So bleibt ihnen letztlich kaum noch eine andere Möglichkeit als der Kaiserschnitt.

Kaiserschnittgeburt als Auslöser für Krankheiten

Für Mütter stellt die Sectio caesarea - so der medizinische Ausdruck für den Kaiserschnitt - seit jeher ein höheres Risiko dar. Doch nun zeigen neue Forschungen, dass er auch für das Kind Ursache verschiedener Erkrankungen sein könnte, beispielsweise Asthma und Allergien.

Außerdem verfestigt sich weltweit die Theorie, dass die Besiedelung mit einer Vielzahl von Keimen während der natürlichen vaginalen Geburt hilft, Erkrankungen vorzubeugen. Diesen natürlichen Schutz bekommen Kaiserschnittkinder nicht automatisch mit.

Wann ist ein Kaiserschnitt nötig?

Erforderlich ist ein Kaiserschnitt immer dann, wenn es um das Leben oder die Gesundheit von Mutter und Kind geht:

  • Die Herztöne des Kindes verschlechtern sich unter der Geburt dramatisch.
  • Das Baby liegt quer im Bauch.
  • Die Plazenta löst sich zu früh ab.
  • Die Frau droht zu verbluten.

In vielen Kliniken herrscht noch die alte Regel "Einmal Kaiserschnitt, immer Kaiserschnitt". Dabei ist vielmehr entscheidend, warum der erste Kaiserschnitt durchgeführt wurde und ob bei einer weiteren Schwangerschaft die gleichen Voraussetzungen vorliegen. Oft ist auch nach einem Kaiserschnitt in der Vorgeschichte eine normale Geburt möglich.

Risiken der Kaiserschnitt-OP

Wie jede Operation birgt auch ein Kaiserschnitt Risiken wie Thrombosen, Embolien und Wundheilungsstörungen. Deshalb sollte ein unnötiger Kaiserschnitt vermieden werden. Im schlimmsten Fall droht bei einer weiteren Schwangerschaft - egal ob mit natürlicher Geburt oder Kaiserschnitt - sogar ein Organverlust. Denn wenn sich die Plazenta in der folgenden Schwangerschaft mit der alten Kaiserschnittnarbe verbindet, kann sie sich nicht ablösen. Das bedeutet, dass die Frau ihre Gebärmutter verliert.

Kaiserschnitt: Vorteile und Risiken individuell abwägen

Bei der Geburtsplanung sollten Frauen die Vorteile und Risiken eines Kaiserschnitts individuell abwägen:

  • Ist zum Beispiel das Kind zu schwer oder mangelversorgt, ist der Kaiserschnitt in der Regel die beste Option.

  • Bei der als schwierig geltenden Beckenendlage ist ein Kaiserschnitt dank moderner Technik nicht unbedingt erforderlich, sofern die Voraussetzungen für eine natürliche Geburt gegeben sind und das Kind nicht gefährdet wird.

Eine strahlungsfreie Kernspintomografie zeigt, ob das Kind sicher durch das Becken der Frau passt. Ist das der Fall, steht einer natürlichen Geburt nichts im Wege.

Experten zum Thema

Dr. Maike Manz, Chefärztin
Geburtshilfe und Pränatalmedizin
Helios Mariahilf Klinik
Stader Straße 203 c
21075 Hamburg
(040) 790 06-421
www.helios-gesundheit.de

Gerhard Ortmeyer, Oberarzt
Klinik und Poliklinik für Geburtshilfe und Pränatalmedizin
Zentrum für Geburtshilfe, Kinder- und Jugendmedizin
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
www.uke.de

Weitere Informationen
Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V.
Hausvogteiplatz 12
10117 Berlin
www.dggg.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 08.01.2019 | 20:15 Uhr

Mehr Ratgeber

09:27
Mein Nachmittag
07:57
Mein Nachmittag
09:00
Mein Nachmittag