Stand: 27.08.2019 12:15 Uhr  | Archiv

Gangstörungen: Welche Übungen helfen?

Gangunsicherheit, auch Ganganomalie genannt, gehört zu den häufigsten Beschwerden im Alter. Viele Betroffene sind dadurch im Alltag eingeschränkt. Oft ist unsicherer Gang eine Ursache für Stürze. Ein Grund für Unsicherheit beim Gehen ist der Abbau der Muskulatur, der schon ab dem 30. Lebensjahr beginnt. Beschleunigt wird der Muskelabbau durch Bewegungsmangel. In vielen Fällen können spezielle Übungen die Muskeln und das Gleichgewicht trainieren und dadurch das Gangbild verbessern.

Faktoren für einen sicheren Gang

Ein sicherer Gang ist abhängig von motorischen Fähigkeiten wie Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Geschicklichkeit. Wichtig sind außerdem:

  • gesunde Muskeln und Gelenke
  • Sinneswahrnehmung mit Augen und Ohren
  • Funktionsfähigkeit der Nerven
  • Signalverarbeitung im Gehirn
  • Leistungsfähigkeit von Herz und Lunge
  • kognitiven Leistungsfähigkeit

Ursachen für Gangstörungen im Alter

Gangunsicherheiten sind oft eine Folge von

  • Störungen des Gleichgewichts und des Bewegungsablaufes
  • sensorischen Defiziten, etwa eine spezielle Erkrankung des Innenohres (Vestibulopathie) oder eine Gefühlsstörung in den Füßen (Polyneuropathie)
  • Sehstörungen
  • Schwindel, etwa der gutartige paroxysmale Lagerungsschwindel
  • Erkrankungen des Kleinhirns
  • Einnahme sedierender oder blutdrucksenkender Medikamente

Bei vielen Betroffenen verstärkt die Angst vor Stürzen die Gangunsicherheit und führt zu einem ausgeprägten Vermeidungsverhalten, das zu weiterem Muskelabbau führen kann.

Gangstörungen im Alter behandeln

Die Therapie von Gangstörungen ist abhängig von den zugrunde liegenden Ursachen. Wichtig ist eine genaue ärztliche Diagnose. Sinnvolle Behandlungen sind zum Beispiel:

  • motorisch-kognitives Training
  • psychologische Betreuung bei Angst vor Stürzen
  • Krafttraining
  • Gleichgewichtstraining

Krafttraining stärkt die Muskulatur

Krafttraining sorgt für den Aufbau und Erhalt der Muskulatur. Betroffene sollten während des Trainings an ihre Belastungsgrenze gehen. Kurze, anstrengende Trainingseinheiten mit mehreren Wiederholungen führen dazu, dass sich die Muskeln optimal aufbauen. Für gesunde Ältere werden pro Woche drei bis vier Trainingseinheiten zu jeweils 30 Minuten empfohlen.

Einfache Kräftigungsübungen, empfohlen vom Netzwerk Altersforschung Heidelberg, lassen sich gut in den Alltag integrieren:

Für über 70-Jährige

  • Tandemstand (ein Fuß vor dem anderen) 
  • Tandemgang 
  • Kniebeugen 
  • Einbeinstand

Für über 60-Jährige zusätzlich

  • auf den Zehenspitzen stehen 
  • zwei Treppenstufen auf einmal nehmen 
  • Objekte (Stein, Blatt) beim Spazierengehen überspringen 
  • Balanceübungen 

Übungen für ein besseres Gleichgewicht

Gleichgewichtstraining in der Gruppe findet in der Regel mithilfe spezieller Übungsgeräte wie Kippbrettern und Weichmatten statt. Einfache Übungen für Zuhause:

  • Sehziel fixieren: Im Sitzen oder Stehen einen Punkt fixieren, dabei den Kopf abwechselnd vor und zurück beziehungsweise nach rechts und links neigen, ohne den fixierten Punkt aus den Augen zu verlieren.
  • Aufstehen: Im Wechsel mit geöffneten und geschlossenen Augen von einem Stuhl aufstehen und wieder hinsetzen.
  • Zeigefinger-Nasen-Test: Den Zeigefinger des ausgetreckten Arms fixieren und zur Nase führen, ohne den Finger aus dem Blick zu verlieren.
  • Oberkörper drehen: Den Rumpf abwechselnd nach rechts und links drehen, sowohl mit geschlossenen als auch mit geöffneten Augen
  • Seiltänzergang: An einer geraden Linie entlang gehen, dabei die Füße gezielt voreinander setzten und den Kopf nach rechts und links drehen.

Weitere Informationen
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Experten zum Thema

Dr. Helge Riepenhof
Chefarzt Zentrum für Rehabilitationsmedizin/Interdisziplinäre Sportmedizin
BG Klinikum Hamburg
Bergedorfer Straße 10, 21033 Hamburg
https://www.bg-klinikum-hamburg.de/behandlungsspektrum/sportmedizin/

Dr. Silja Strauß
Leitung der Tagesklinik Schwindel
Abteilung Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie, plastische Operationen
Asklepios Klinik St. Georg
Lohmühlenstr. 5
20099 Hamburg

Merle Schulz
Vestibular-Therapeutin
Asklepios Klinik St. Georg
Lohmühlenstr. 5
20099 Hamburg

Sergio Carillo
Psychologe
Asklepios Klinik St. Georg
Lohmühlenstr. 5
20099 Hamburg

Dieses Thema im Programm:

Visite | 27.08.2019 | 20:15 Uhr

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