Stand: 12.06.2018 10:01 Uhr

Fleischallergie: Gefahr vom Grill

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Es zischt und dampft verführerisch - doch für Allergiker kann der Verzehr von Fleisch gefährlich werden.

Fleisch vom Schwein, Rind und Lamm ist beliebt - nicht nur beim Grillen. Doch für einige Allergiker kann der Verzehr gefährliche Folgen haben: Die ersten Symptome einer Fleischallergie sind meist Nesselsucht und Schwellungen der Lippen und Augen. Die Haut beginnt am ganzen Körper zu jucken, ist gerötet und von Quaddeln übersät. Im weiteren Verlauf kann es zu Unwohlsein bis hin zur Bewusstlosigkeit kommen.

Eine Fleischallergie kann sich ganz plötzlich entwickeln, auch wenn man früher nie Probleme damit hatte. Im Gegensatz zu anderen Allergien treten die Reaktionen nicht innerhalb von 20 bis 30 Minuten auf, sondern mit einer Verzögerung von drei bis sechs Stunden. Nicht selten kommen die Beschwerden mitten in der Nacht.

Ein Stück Fleisch wird geschnitten.

Fleischallergie: Gefahr vom Grill

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Auf das Fleisch von Schwein, Rind und Lamm reagieren einige Menschen allergisch. Auslöser für eine Fleischallergie könnte der Stich einer Zecke sein.

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Reaktion auf Zuckermolekül im Fleisch

Verantwortlich für die allergische Reaktion ist eine spezielle Substanz im Fleisch von Säugetieren: Galaktose-alpha-1,3-Galaktose ("Alpha-Gal"). Dabei reagiert der Körper nicht auf ein Eiweißmolekül wie bei Allergien auf Gräsern oder Nüsse, sondern auf Zuckermoleküle an Proteinen. Bisher nahm man an, dass diese Moleküle keine Allergien auslösen können.

Gelangt Alpha-Gal in die Blutbahn, passiert bei den meisten Menschen nichts. Bei Allergikern aber betrachtet das Immunsystem die Substanz als Feind und produziert Antikörper, die das Zuckermolekül ausschalten sollen. Isst der Betroffene wieder rotes Fleisch, gelangt erneut Alpha-Gal in den Darm und Stunden später ins Blut. Zu diesem Zeitpunkt erinnert sich das Immunsystem an den vermeintlichen Feind Alpha-Gal und es kommt zu einer allergischen Überreaktion: Die Gefäße weiten sich, Flüssigkeit gelangt in die Haut und bildet die juckenden Quaddeln.

Häufig sind diese Fleischsorten betroffen

Alpha-Gal kommt nicht beim Menschen, wohl aber im Fleisch von Säugetieren vor. Manche Fleischsorten enthalten besonders viel Alpha-Gal, zum Beispiel Innereien wie Schweinenieren, Bries oder Leber. Sie sind besonders gefährlich für Fleischallergiker.

Fleischallergie durch Zeckenstich?

Als eine wahrscheinliche Ursache der Fleischallergie haben Wissenschaftler Zeckenstiche entlarvt. Laut einer Studie gelangt Alpha-Gal dabei mit dem Speichel der Zecke in die menschliche Blutbahn. Beim Erstkontakt wird das Immunsystem auf das Molekül aufmerksam und wappnet sich für künftige Konfrontationen - eine allergische Reaktion ist die Folge.

Nachweis mit Bluttest

Mit dem herkömmlichen Pricktest auf der Haut lässt sich eine Fleischallergie nicht nachweisen. Dafür ist ein spezieller Bluttest erforderlich. Wer unter der Allergie leidet, muss künftig auf den Verzehr von rotem Fleisch verzichten. Weiterhin erlaubt sind Fisch und Geflügel, weil sie kein Alpha-Gal enthalten - und natürlich Gemüse.

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Experten zum Thema

Dr. Andreas Kleinheinz, Hautarzt
Chefarzt und Ärztl. Direktor Klinik für Dermatologie
Elbe Kliniken Buxtehude
Am Krankenhaus 1, 21614 Buxtehude
(04161) 703-62 02
www.elbekliniken.de

Prof. Dr. Uta Jappe, Allergologin
Oberärztin und Leiterin der Interdisziplinären Allergieambulanz,
Medizinische Klinik III
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
Ratzeburger Allee 160, 23538 Lübeck
(0451) 500-441 95
www.derma.uni-luebeck.de       

Oberärztin und Forschungsgruppenleiterin am Forschungszentrum Borstel
Stellv. Direktorin des Programmbereichs Asthma und Allergie
Leibniz-Zentrum für Medizin und Biowissenschaften
Parkallee 35, 23845 Borstel in Schleswig-Holstein
www.fz-borstel.de

Studien
Van Nunen SA, O’Connor KS, Clarke LR, Boyle RX, Fernando SL. An association between tick bite reactions and red meat allergy in humans. The Medical journal of Australia. 2009;190:510-1

Dieses Thema im Programm:

Visite | 12.06.2018 | 20:15 Uhr

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