Stand: 27.01.2020 13:37 Uhr  - Die Ernährungs-Docs

Ernährung bei Neurodermitis: Trigger meiden

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Die neunjährige Merle bei der Ernährungsberatung mit den Ärzten Anne Fleck (l.) und Jörn Klasen (r.).

Eine Neurodermitis-Therapie muss individuell auf den einzelnen Betroffenen abgestimmt werden. Das gilt auch für die Ernährung. Dauerhaft meiden sollten Betroffene grundsätzlich nur Nahrungsmittel, gegen die eine Unverträglichkeit vorliegt. Denn wer aus Angst auf zu viele Nahrungsmittel verzichtet, der versorgt seinen Körper auf Dauer nicht mehr mit allen nötigen Nährstoffen. Mangelernährung droht.

Allgemein gilt:

  • Eine ausgewogene Ernährung stärkt den Körper gegen Infekte, die wiederum Schübe auslösen können.
  • Alkohol, Kaffee und starke Gewürze können problematisch sein, weil sie die Durchblutung der Haut steigern, was den Juckreiz verschlimmert.
  • Auch mit schnell resorbierbarem Zucker - wie in Süßigkeiten und Weißmehlprodukten - sparsam umgehen, denn er fördert generell entzündliche Prozesse im Körper. Honig und Dicksäfte sind übrigens keine Alternative zu gewöhnlichem Zucker, das belegen Studien. Denn sie bestehen ebenso wie Haushaltszucker auch vorwiegend aus Saccharose.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Auslassdiät: Einige Tage lang möglichst nur häufig Verträgliches (siehe Liste) essen, die Haut sollte sich bessern. Dann Schritt für Schritt Nahrungsmittel von der "Häufig nicht verträglich"-Liste ausprobieren und dabei Ernährungstagebuch führen, um herauszufinden, auf welche die Haut reagiert. Wichtig: Unverträglichkeiten können im Laufe des Lebens verschwinden oder neu hinzukommen.
  • Ziel bei Neurodermitis ist, möglichst abwechslungsreich zu essen und nur die individuellen Trigger (identifiziert durch die Auslassdiät) zu vermeiden.
  • Entzündungshemmende Antioxidantien stecken vor allem in Gemüse und Obst (Verträglichkeit beachten), aber auch in Omega-3-Fettsäuren aus beispielsweise hochwertigem Leinöl. Möglichst wenig Süßes essen, weil zu viel Zucker entzündungsfördend wirkt.
  • Da die Darmflora das Immunsystem unterstützt, können Probiotika in Form von fermentierten Milchprodukten helfen, falls nicht gerade eine Milchunverträglichkeit besteht. Zudem hilft Gamma-Linolensäure, etwa aus Borretsch-, Nachtkerzen- und Hanföl.

Lebensmittel im Überblick

Häufig vertragenHäufig nicht vertragen
Brot, Getreide und Beilagen wie Nudeln, Kartoffeln, ReisBrot und Getreideprodukte aus Hirse, Hafer, Dinkel, Buchweizen;
Müsli aus Amaranth, Quinoa;
vegetabile Pasteten ohne Milch, Soja und Ei;
Reis, eifreie Dinkelnudeln, Kartoffeln
Brot und Getreideprodukte aus Weizen oder Roggen;
Brot oder Müsli mit Zuckerzusatz; Erdnussbutter, Nutella; Hartweizennudeln;
Sojaprodukte wie Tofu;
Fast Food, Fertiggerichte (viele Zusatzstoffe)
Snacks und Knabberkram
(max. 1 kl. Handvoll am Tag)
Trockenfrüchte ohne Zuckerzusatz, Reiswaffeln; nur wenig: Agavendicksaft oder Ahornsirup, Honig, Zucker in selbst GebackenemIndustriell hergestellte Backwaren/Süßwaren (viele Zusatzstoffe)
Obst
(1-2 Portionen am Tag)
Süße Apfelsorten, Heidelbeeren, Mango, Wassermelone; individuell auch: Bananen, Birnen,Saures Obst wie Erdbeeren, Johannisbeeren, Kiwis, Pfirsiche, Stachelbeeren, Zitrusfrüchte
Gemüse
(3 Portionen am Tag)
Blattsalate, verschiedene Kohlsorten, , Brokkoli, Kartoffeln, Kürbis, Mais, Mangold, Pilze, Rote Bete, Salatgurke, Spargel, Zucchini; individuell auch: Paprika (am besten ohne Haut), Bohnen, Erbsen, Linsen, SpinatKnoblauch, Möhren, Rhabarber, Rettich, Sauerkraut, Sellerie, Sojabohnen, Tomaten, Zwiebeln; Auberginen,
Gemüsekonserven, eingelegtes Gemüse (Gurken, Zwiebeln), Keime und Sprossen; Schnittlauch und andere scharfe Kräuter;
Essig-Öl-Dressing für Salate
Gewürzemilde Kräuter und GewürzeSchnittlauch und andere scharfe Kräuter, schwarfe Gewürze wie Pfeffer, Curry, Chili
Nüsse und Samen Mandeln, Pinienkerne, Kürbiskerne und SonnenblumenkerneErdnüsse, Haselnüsse, Walnüsse und andere Nüsse
Fette und ÖleMilchfreie Margarine, kaltgepresstes unraffiniertes Pflanzenöl wie etwa Leinöl*), ungehärtetes KokosfettWalnussöl und andere Nussöle; Süßrahmbutter, Schweineschmalz
Getränke
(ca. 2 Liter am Tag)
Wasser, grüne Kräutertees (Brennnessel, Melisse,  Brombeerblätter, Fenchel, Pfefferminze u. a.), Reis-Drink; als Schorle: Apfelsaftrote Kräutertees und Früchtetees, Softdrinks, Kaffee, Schwarztee, Kakao, Alkohol
Fisch und MeeresfrüchteFisch oder Meeresfrüchte
Fleisch und WurstFleisch und Aufschnitt von Pute, Huhn, Rind, LammSchweinefleisch und -wurst, scharf gewürzte Fleischwaren, Wurst mit Farb-, Aroma- oder Konservierungsstoffen
Milch und Milchprodukte,
Käse
In Maßen (Verträglichkeit prüfen): Milch und vor allem fermentierte Milchprodukte wie Joghurt, Kefir; (Frisch-) Käse von Kuh, Schaf, ZiegeHühnerei; lang gereifter Käse wie Parmesan, Brie, Camembert, Cheddar, Schimmelkäse; Produkte wie Kakao, Fruchtjoghurt/
-quark, Pudding, Milchreis (Zucker und Zusatzstoffe)
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Dieses Thema im Programm:

Die Ernährungs-Docs | 27.01.2020 | 21:00 Uhr

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