Ernährung bei Gicht

Stand: 25.10.2021 12:07 Uhr

Purine stecken vor allem in Fleisch und Fisch, aber auch etwa in Hülsenfrüchten oder Bier. Auch mit Fruchtzucker muss man aufpassen. Was kann man bei Gicht essen?

Sowohl zur Vorbeugung als auch zur Behandlung einer Gicht ist eine Ernährungsumstellung die beste Therapie. Ziel ist eine dauerhafte Senkung des Harnsäurespiegels im Körper, um erneute Anfälle zu vermeiden und Langzeitschäden zu verhindern. Das gelingt durch drei Faktoren:

  1. purinarm essen und trinken
  2. Fruchtzucker meiden
  3. Normalgewicht anstreben - der Bauch muss weg!

Purinarm essen

Bratwürstchen vom Grill. © picture-alliance / Revierfoto Notiz
Würstchen und fettreiches Fleisch sind purinreich - gefährlich bei Gicht.

Purine stecken vor allem in Fleisch- und Fischerzeugnissen, aber auch in pflanzliche Lebensmitteln, etwa in Spargel und besonders in Hülsenfrüchten. Linsen sind dabei purinreicher als Erbsen und sollten weniger gegessen werden. Völliger Verzicht ist nicht nötig! Passen Sie jedoch die Menge an. Die Haut von Fleisch und Fisch sowie Innereien sind in der Regel echte Purinbomben. Bier - selbst alkoholfreies - und Alkohol sollten Gicht-Patienten wegen des Gehalts an Purinen und Fruchtzucker möglichst meiden.

Fruchtzucker einschränken

Verschiedene Eissorten in Schalen © NDR Foto: Jonas Czok
Fruktose findet sich in industriell hergestellter Eiscreme und zig anderen Fertigprodukten.

Neueste Studien zeigen, dass Gicht und Fruchtzucker (Fruktose) zusammenhängen. Fruchtzucker behindert die Harnsäure-Ausscheidung und fördert dadurch Gichtanfälle. Fruktose steckt bei Weitem nicht nur in Obst und Fruchtsaft, sondern in zahlreichen Fertigprodukten wie in Keksen, Eiscreme oder Pizza. Achten Sie auf Begriffe wie Fruktose-, Glukose-Fruktose- oder Maissirup. Generell ist es hilfreich, den Konsum von Zucker, Weißmehl- und Fertigprodukten stark einzuschränken.

Günstig bei Gicht ist eine sogenannte ovo-lacto-vegetabile Ernährung: viel Gemüse, Milchprodukte und Eier.

Wichtig ist es natürlich, viel zu trinken: zwei bis drei Liter Wasser, ungesüßte Kräuter- und Früchtetees, gern auch etwa drei Tassen frisch gebrühter Kaffee am Tag.

Langsam abnehmen - ohne Radikaldiäten!

Normalgewicht hilft, die Harnsäurekonzentration wieder einzupegeln und schont die Gelenke. Vorsicht jedoch vor Extremdiäten oder Fastenkuren: Bei einem rapiden Abbau von Körperfett und Muskelmasse entstehen sogenannte Ketonkörper, die die Harnsäureausscheidung behindern und sogar einen akuten Gichtanfall auslösen können.

Was essen bei Gicht: Lebensmittel und Rezepte

Richtig essen und neuen Gichtattacken vorbeugen: Hier finden Sie geeignete Rezepte und Lebensmittel-Listen (auch zum Download).

Weitere Informationen
Auberginenauflauf in einer Form, Besteck und Serviette auf einem Tisch. © NDR Foto: Claudia Timmann

Rezepte bei Gicht

Lecker, leicht zu kochen und purinarm: Diese Gerichte sind günstig für Menschen, die an Gicht leiden. mehr

EmpfehlenswertWeniger empfehlenswert
Brot, Getreide und Beilagen wie Nudeln, Kartoffeln, Reis (nicht mehr als 2 Hände voll/Tag)Vollkornbrot;
ungesüßtes Müsli; Vollkornnudeln, Vollkornreis, Pellkartoffeln, frisch gestampfter Kartoffelbrei;
in Maßen, da eher purinreich: Buchweizen, Grünkern, Haferflocken, Knäckebrot
Sojamehl-Produkte, Weizenkeime; Pommes frites, Bratkartoffeln, Kartoffelpuffer, Fertiggerichte, Fast Food;
bei Diabetes und/oder Übergewicht zudem: Weißbrot, Toastbrot, Croissant, Zwieback, Weizenbrötchen; Hartweizennudeln, geschälter Reis
Snacks und Knabberkram (bei Bedarf 1 kleine Handvoll am Tag)Süßigkeiten, süße und fettreiche Backwaren, süße Milchprodukte (s. u.), Eiscreme, Chips, Salzgebäck
Obst (2 Portionen/Tag)alle Obstsorten;
bei Übergewicht nur in Maßen: Ananas, Banane, Birne, Honigmelone, Kaki (Sharon), Kirsche, Mango und Weintrauben
gezuckerte Obstkonserven und Obstmus, kandiertes Trockenobst
Gemüse (3 Portionen/Tag)Fast alle Gemüse, vor allem Salatsorten, Salat mit Bitterstoffen, Löwenzahn, Kohlrabi, Gurke, Möhren;
in Maßen, da eher purinreich:
Hülsenfrüchte (Bohnen, Sojabohnen, Linsen), Spinat, Spargel, Schwarzwurzeln, Kohlsorten, Champignons, getrocknete Pilze
Tiefkühlgemüse mit Sahne oder Butter;
bei Übergewicht zudem: Mais
Nüsse und Samen
(max. ca. 20 g am Tag)
Mandeln, Walnüsse, Haselnüsse; in Maßen, da eher purinreich:
Kürbiskerne, Sonnenblumenkerne
Erdnüsse, gesalzene Nüsse
Fette und Öle (ca. 2 EL/Tag)Leinöl*), Weizenkeimöl*), Olivenöl, Rapsöl, Walnussöl, wenig ButterSchweine- und Gänseschmalz, Butterschmalz, Mayonnaise, Sonnenblumenöl, Distelöl
Getränke
(ca. 2 Liter/Tag)
Wasser, ungezuckerter Tee - besonders Kräutertees;
in Maßen: Kaffee oder Schwarztee
Fruchtsaft, Softdrinks, Milchmixgetränke (s. u.), Sojadrink, Alkohol, alkoholfreies Bier
Fisch und Meeresfrüchte (max. 2 kleine Portionen/Woche, 125 g Rohgewicht)Immer ohne Haut: Aal, Heilbutt, Hering, Kabeljau, Karpfen, Lachs, (Räucher-) Makrele, Scholle, Seezunge; Flusskrebs, Garnelen, Krabben, MuschelnHaut von Fisch; Anchovis, Sardinen, Sprotten, Ölsardinen, Matjesfilet
Wurstwaren und Fleisch (max. 2 kleine Portionen/Woche, 125 g Rohgewicht)Hühnerfleisch ohne Haut, Putenfleisch/-aufschnitt,
in Maßen:
mageres Rind-, Kalb- oder Wildfleisch, Corned Beef
Innereien (Leber, Bries, Herz, Nieren);
fettreiches Fleisch (wie Hühnerbein mit Haut, Schweinebraten, Haxe, Gans, Ente); Schinken, Speck, fettreiche Wurst oder Wurst mit Innereien (z. B. Bratwurst, Mettwurst, Salami, Leberwurst)
Eier,
Milch und Milchprodukte,
Käse (2 Portionen am Tag)
Eier
Milch bis zu 3,5 % Fett, Buttermilch, Speisequark bis 20 % Fett, Naturjoghurt bis zu 3,5 % Fett);
Käse (bis 45 % Fett i. Tr.) wie Schnittkäse, Weichkäse, Fetakäse, Mozzarella,
körniger Frischkäse; in Maßen: Sahne, Schmand und Crème fraîche
Gesüßte Fertigprodukte wie Pudding, Milchreis, Fruchtjoghurt, Fruchtquark, Sahnequark, Kakaozubereitungen, Fruchtbuttermilch

*) Herstellung unter Ausschluss von Sauerstoff, Hitze und Licht (Oxyguard/omega-safe).

Weitere Informationen
Schematische Darstellung. © NDR

Gicht erkennen und behandeln

Gicht ist heute eine Volkskrankheit. Übergewicht und eine fettreiche, opulente Ernährungsweise fördern den Ausbruch erheblich. mehr

Dieses Thema im Programm:

Die Ernährungs-Docs | 25.10.2021 | 21:00 Uhr

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