Ernährung bei Adipositas: Abnehmen durch dauerhafte Umstellung
Stand: 22.01.2023 18:17 Uhr
Bei Übergewicht reicht Kalorienzählen allein nicht. Wer abnehmen will, muss Struktur in die Mahlzeiten bringen und seine Ernährung dauerhaft umstellen: mehr vom Richtigen essen, weniger vom Falschen.
Das Gewicht auf Dauer zu senken klappt nur mit einer Ernährungsumstellung - am besten in kleinen Schritten. Eine Umstellung ist keine Diät, sondern ein dauerhaftes Verändern von Routinen und Gewohnheiten. Dabei gehört auf den Prüfstand, was man isst, wann man isst und warum man isst. Der letzte Punkt ist für das Gelingen des Projekts oft mitentscheidend, denn Essen hat nicht nur die Funktion, Hunger zu stillen. Es stillt emotionale Bedürfnisse. Achtsam zu essen ist deshalb Teil des Erfolgs.
Bei Adipositas Zucker dauerhaft reduzieren
Eine Schlüsselrolle spielt außerdem der Umgang mit Süßigkeiten und mit Zucker in Fertiggerichten. Der Mensch ist auf Süßes programmiert. Vielen fällt es schwer, von heute auf morgen auf Zucker zu verzichten. Zuckerersatzstoffe wie Xylit oder auch Stevia sind keine Lösung auf Dauer, denn sie erhalten den Süßhunger aufrecht und stehen im Verdacht, die Darmflora negativ zu verändern.
Frisch kochen und Fertigprodukte vermeiden
Nachhaltig erfolgversprechend ist dagegen ein Umtrainieren des Geschmacks. Das funktioniert, indem man Süße Schritt für Schritt reduziert: zum Beispiel gekaufte Fruchtjoghurts immer mehr mit Naturjoghurt "strecken" oder beim Backen immer weniger Süße zusetzen. Fertig- und Convenience-Produkte immer mehr aus der Küche verbannen: Wer frisch kocht, zum Beispiel nach unseren schlanken Rezepten, spart unnötige Kalorien und mit den richtigen Tipps auch unnötigen Aufwand.
Ein guter Einstieg in die Ernährungsumstellung können Reistage sein: Tage mit drei Reismahlzeiten. Sie unterstützen das Abnehmen und sensibilisieren die Geschmacksnerven.
Zum Abnehmen nur wenige Mahlzeiten essen - die aber gut satt machen
Eine Ernährungstherapie bei Übergewicht bedeutet vor allem:
- Essen nur zu den Hauptmahlzeiten (also nur zwei- oder dreimal am Tag)
- auf kalorienfreie Getränke umstellen (Wasser, Tees, schwarzer Kaffee)
- konsequent kein Snacking mehr (das gilt auch für kalorienhaltige Getränke: kein Milchkaffee, Saft etc. zwischendurch) - lieber zum Fördern der Fettverbrennung eine Methode des Intervallfastens umsetzen.
Stattdessen das Richtige essen, das auch satt macht (siehe Tabelle unten):
- mehr Gemüse (sättigt allein schon durch sein Volumen und enthält Ballaststoffe für einen gesunden Darm)
- gute Öle (Olivenöl schützt die Gefäße, Leinöl liefert entzündungshemmende Omega-3-Fettsäuren)
- hochwertige Eiweißquellen (Eier, Fisch, mageres Geflügelfleisch, Milchprodukte, aber auch Hülsenfrüchte und Pilze sorgen für lang anhaltende Sättigung).
Was essen bei Adipositas: Lebensmittel und Rezepte
Die richtige Ernährungsweise, um abzunehmen: Hier finden Sie geeignete Rezepte und Lebensmittel-Listen (auch zum Herunterladen).
Weitere Informationen
Sättigend ohne viele Kohlenhydrate: empfehlenswerte Gerichte für Menschen mit starkem Übergewicht/Adipositas.
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2 handtellergroße Portionen/Tag
- Empfehlenswert (in Maßen): Vollkornbrot, Vollkornknäckebrot, Vollkornbrötchen; Haferflocken, Müsli ohne Zucker; Vollkornnudeln, Vollkornreis, Pellkartoffeln
- Nicht empfehlenswert: Weißbrot, Toastbrot, Zwieback, Weizen- und Milchbrötchen, Croissants; Hartweizennudeln, geschälter Reis, Pommes frites, Kroketten, Kartoffelbrei, Kartoffelpuffer; Fast Food, Fertigprodukte und Instant-Mischungen
selten, bei Bedarf maximal 1 kleine Handvoll!
- Nicht empfehlenswert: Süßigkeiten, süße Backwaren, süße Milchprodukte (s. u.), Eiscreme, Chips, Salzgebäck, Flips, Kräcker
1-2 Portionen/Tag - eine große Handvoll reicht aus
- Empfehlenswert sind zuckerarme Obstsorten: Äpfel, Aprikosen, Brombeeren, Clementinen, Erdbeeren (frisch), Grapefruits, Heidelbeeren, Himbeeren, Johannisbeeren, Sauerkirschen, Kiwis, Nektarines, Papayas, Orangen, Pflaumen, Pfirsiche, Stachelbeeren, Wassermelone, Zwetschgen
- Nur eingeschränkt empfehlenswert: zuckerreiche Sorten wie Ananas, Banane, Birne, Honigmelone, Kaki (Sharon), Mango, Weintrauben, Süßkirsche
- Nicht empfehlenswert: gezuckertes Obstmus, Obstkonserven, Trockenfrüchte mit Zucker (z. B. Cranberries), kandiderte Früchte
3 große Handvoll/Tag
- Empfehlenswert: alle Gemüse, Salate, Hülsenfrühte, Pilze ... (außer Mais und Süßkartoffeln)
- Weniger empfehlenswert: Mais und Süßkartoffeln (da zuckerreich)
ca. 20 g/Tag = eine kleine Handvoll
- Empfehlenswert: Mandeln, Walnüsse, Haselnüsse, Cashewnüsse, Macadamianüsse, Pinienkerne, Kürbiskerne, Leinsamen, Chia-Samen, Sonnenblumenkerne
- Weniger empfehlenswert: gesalzene Nüsse
ca. 2 EL/Tag
- Empfehlenswert: Leinöl (Herstellung unter Ausschluss von Sauerstoff, Hitze und Licht), Olivenöl, Rapsöl, Walnussöl; wenig Butter; zum Braten: Kokosöl
- Nicht empfehlenswert: Schweine- und Gänseschmalz, Palmfett, Mayonnaise, Sonnenblumenöl, Distelöl
ca. 2 Liter/Tag
- Empfehlenswert: Wasser, ungezuckerter Tee und Kaffee (ohne Milch und Zucker)
- Nicht empfehlenswert: Alkohol, Fruchtsaft, Softdrinks, Kakao und andere Milchmischgetränke (s. u.)
2 Portionen/Woche
- Empfehlenswert: frische, marinierte oder tiefgekühlte Fische und Meeresfrüchte, fettarm zubereitet - z. B. Forelle, Heilbutt, Hering, Kabeljau, Karpfen, Lachs, Makrele, Sardinen, Sardellen, Scholle, Seezunge, Steinbutt; Flusskrebs, Garnele, Hummer, Shrimps, Krabben
- Nicht empfehlenswert: Fisch in Mayonnaise oder Sahne eingelegt, panierter Fisch
1-2 kleine Portionen/Woche
- Empfehlenswert: magerer Aufschnitt wie Corned Beef, geräucherte Putenbrust, Koch- und Lachsschinken, Kassler, Schinkenzwiebelmettwurst, Aspik; Hühnerfleisch, Putenfleisch, Schweinefilet, Schweinerücken, Rinderfilet
- Nicht empfehlenswert: Paniertes Fleisch; Wurstwaren (egal ob Leber-, Dauer-, Koch-, Grill-, Brat- oder Bockwurst), Teewurst/Streichwurst, Schinkenspeck; Fleischkäse/Leberkäse, Nackenfleisch, Bauchspeck und generell fettes Fleisch
- Empfehlenswert: Eier; Milch 1,5 % Fett, Buttermilch, Speisequark bis 20 % Fett, Naturjoghurt 1,5 % Fett; Käse bis 45 % Fett i. Tr.: Schnittkäse, Weichkäse, Feta, Mozzarella (besonders mager: Harzer Käse, körniger Frischkäse)
- Nicht empfehlenswert: Sahne, Schmand und Creme fraiche; gesüßte Fertigprodukte wie Pudding, Milchreis, Fruchtjoghurt, Fruchtquark, Kakaozubereitungen, Fruchtbuttermilch; Mayonnaise
Diese Informationen ersetzen keine individuelle ernährungsmedizinische Beratung. Ernährungsmedizinische Behandlung/Beratung ist eine Kassenleistung.
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06.03.2023 | 21:00 Uhr
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