Stand: 04.11.2014 12:04 Uhr  | Archiv

Eisenmangel: Müdigkeit und Leistungsschwäche

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Eisen braucht der Körper zur Bildung roter Blutkörperchen.

Müdigkeit, Haarausfall, eine blasse Hautfarbe, unruhige Beine - Eisenmangel kann sich ganz unterschiedlich äußern. Der Körper braucht das Metall, um rote Blutkörperchen neu zu bilden. Diese transportieren Sauerstoff von der Lunge zu den Organen. Liegt ein fortgeschrittener Eisenmangel vor, kann es sogar zu einer Blutarmut (Anämie) kommen und das bedeutet in letzter Konsequenz auch Sauerstoffmangel.

Überschüssiges Eisen lagert der Körper in Eisenspeichern wie Leber, Milz und Knochenmark. Da freies Eisen aggressiv reagiert und die Zellen schädigen könnte, wird es im Körper von einem schützenden Eiweißkomplex umhüllt, dem Ferritin. Ein wichtiger Parameter zum Nachweis eines Eisenmangels ist daher Ferritin. Er sollte aber immer gemeinsam mit dem Blutwert CRP bestimmt werden, denn nur wenn der Entzündungswert CRP im Normbereich liegt, ist der Ferritinwert aussagekräftig.  

Wer gehört zu den Risikogruppen?

Zu einem Eisenmangel kommt es, wenn mit der Nahrung zu wenig Eisen aufgenommen wird, der Körper einen erhöhten Bedarf hat oder zu viel Eisen durch Blutungen verloren geht. Häufig betroffen sind Frauen im gebärfähigen Alter. Sie verlieren mit jeder Menstruation 30 bis 80 Milliliter Blut.  Eisenmangel kann aber auch ein Alarmsignal für unbemerkte Blutungen im Magen-Darm-Trakt sein, wie sie bei Geschwüren und Tumoren auftreten. Hier bringt eine Magen-Darmspiegelung Klarheit. Weitere Risikogruppen für ein Eisendefizit sind Kinder in der Wachstumsphase und Schwangere. Eine Ursache, die häufig übersehen wird, ist der Blutverlust durch Sport: Hartes Training kann minimale Blutungen auslösen, die unbemerkt mit dem Stuhl ausgeschieden werden. Wichtig ist daher, dass immer nach der Ursache des Eisenmangels oder einer Blutarmut geforscht wird.

Von prophylaktischer Eiseneinnahme raten Experten dringend ab

Ein Verdacht auf Eisenmangel sollte immer von einem Arzt durch einen Bluttest bestätigt werden. Denn wer sich selbst behandelt, geht immer auch die Gefahr ein, dass dem Körper zu viel Eisen zugeführt wird. Ein Eisenüberschuss kann im schlimmsten Fall zu Organschäden führen. Studien der Weltgesundheitsorganisation WHO haben jetzt zudem gezeigt, dass eine prophylaktische Eisenvergabe nach dem "Gießkannenprinzip" sogar Krankheiten begünstigen kann. Da auch Bakterien oder Parasiten das Eisen für das Wachstum nutzen, drosselt der Körper bei Infektionen die Menge an Eisen im Blut, um den Erreger auszuhungern. Ein niedriger Eisenwert ist manchmal also auch sinnvoll.

Ein erhöhter Eisenbedarf lässt sich mit der Nahrung oftmals nicht decken. Um einen Eisenmangel oder eine Eisenmangelanämie zu behandeln, verordnen die Ärzte in der Regel Eisentabletten, die über einen langen Zeitraum eingenommen werden müssen und zu unangenehmen Nebenwirkungen wie Übelkeit und Verstopfungen führen können.

Wann sind Infusionen sinnvoll?

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Ein Eisenüberschuss kann zu Organschäden führen.

Schneller und bequemer soll es mit Infusionen gehen, doch das Bundesinstitut für Arzneimittel (BfArM) warnt vor dem vorschnellen Gebrauch intravenöser Eisenpräparate. Die Gefahr einer Eisenüberladung ist groß, außerdem besteht das Risiko einer Überempfindlichkeitsreaktion mit lebensgefährlichem Schock. Gerade bei Schwangeren ist Vorsicht geboten, da hier noch keine hinreichenden und kontrollierten Studien vorliegen. Nur wenn die Eisentabletten überhaupt nicht vertragen werden, die Eisenaufnahme im Darm gestört ist oder das Eisen im Notfall – zum Beispiel bei einem hohen Blutverlust - sehr schnell gebraucht wird, empfehlen die Ärzte Eiseninfusionen.

Wie viel Eisen benötigt der Mensch?

Um einem Eisenmangel vorzubeugen oder um einen leichten Eisenmangel zu behandeln, sollte jeder auf eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung achten. Der tägliche Bedarf liegt bei Männern normalerweise bei 1,5 Milligramm und bei menstruierenden Frauen bei 2,5 Milligramm Eisen. Zu sich nehmen sollte man aber mindestens das Zehnfache, denn Eisen wird vom Körper nur schwer aufgenommen. Pflanzen enthalten zwar ähnlich viel Eisen wie Fleisch, das tierische "Hämeisen" (Eisen-(II)) aus Muskelfleisch lässt sich allerdings viel leichter verwerten. So nimmt der Körper nur etwa fünf Prozent des pflanzlichen Eisens auf, bei tierischen Produkten sind es etwa 20 Prozent. Rotes Fleisch (vor allem Rindfleisch) und Fisch enthalten besonders viel gut verwertbares Eisen. Unter den pflanzlichen Nahrungsmitteln sind weiße Bohnen, rote Bete, Nüsse und auch Haferflocken besonders eisenhaltig. Vitamin C und andere organische Säuren helfen dabei, das Eisen aus den Nahrungsmitteln zu lösen.

Links

Eiseninfo

Umfangreiche Informationen zum Eisenstoffwechsel von PD Dr. Peter Nielsen, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. extern

Kalziumhaltige Lebensmittel wie Milch und Käse erschweren hingegen die Eisenresorption von Nicht-Häm-Eisen. Auch andere Stoffe wie zum Beispiel Polyphenole in Tee und Kaffee können die Eisenverwertung aus pflanzlichen Lebensmitteln deutlich hemmen. Auch die dauerhafte Einnahme von Magenmitteln wie Säurebinder (Antacida) oder Magensäureblocker (Protonenpumpeninhibitoren PPI)  kann dazu führen, dass die Resorption des Eisens vermindert wird. Darüber hinaus gelten phosphathaltige Produkte wie Salami oder Schmelzkäse als "Eisen-Räuber".

Weitere Informationen

"Eisentabletten-Einnahme am besten morgens"

Welche Nahrungsmittel sollten Vegetarier essen, um Eisenmangel vorzubeugen? Sollte man vorsorglich Eisen einnehmen? Dr. Peter Nielsen hat viele Fragen im Chat beantwortet. mehr

Interviewpartner

Im Studio:
PD Dr. Peter Nielsen
Eisenstoffwechselambulanz
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Internet: www.eiseninfo.de

Im Beitrag:
Dr. Martin Neuß
Oberarzt der Frauenklinik
Johanniter Krankenhaus Geesthacht
Am Runden Berge 3
21502 Geesthacht
Tel. (04152) 17 93 01

Dieses Thema im Programm:

Visite | 04.11.2014 | 20:16 Uhr

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