Stand: 27.02.2018 11:20 Uhr  | Archiv

Einen weiteren Schlaganfall verhindern

Hand fokussiert mit Kugelschreiber Ausschnitt einer MRT-Aufnahme © Fotolia.com Foto: sudok1
Oft ist Arterienverkalkung Ursache für einen Schlaganfall.

Pro Jahr erleiden 260.000 Menschen in Deutschland einen lebensgefährlichen Schlaganfall - für 50.000 davon ist es nicht der erste. Ein Schlaganfall kann das Leben des Betroffenen völlig verändern: Oft bleiben Lähmungen, Wahrnehmungs- und Sprechstörungen zurück. Dazu kommt das erhöhte Risiko, nach dem ersten Schlaganfall einen weiteren zu erleiden. Das gilt auch für kleine Schlaganfälle, sogenannte transitorische ischämische Attacken (TIA), deren Symptome sich innerhalb von Minuten wieder zurückbilden. Deshalb ist eine gute Nachsorge sehr wichtig: Schutz können ein veränderter Lebensstil und Medikamente bieten.

Risiko Arteriosklerose

Schlaganfälle erleiden häufig Patienten mit Arterienverkalkung (Arteriosklerose). In ihren Gefäßen lagern sich Blutplättchen und Gewebe ab, die sich lösen und ein Blutgefäß im Gehirn verstopfen können - es kommt zum Schlaganfall. Zur Vorbeugung (Prophylaxe) eines erneuten Schlaganfalls müssen Risikofaktoren wie zum Beispiel schlechte Cholesterinwerte oder hoher Blutdruck mit Medikamenten, Bewegung und Gewichtsreduktion vermindert werden. Wichtig ist die Gabe eines Gerinnungshemmers, wie zum Beispiel ASS (Aspirin®). Damit lässt sich die Oberfläche der Ablagerungen (Plaques) glätten und verdichten und das Risiko eines Schlaganfalls minimieren.

Medikamente nach Anweisung einnehmen

Allerdings müssen die Medikamente immer durchgängig und strikt nach Anweisung des Arztes genommen werden. Gerade grade während einer Medikamentenpause kommt es häufig zu einem erneuten Schlaganfall, mahnen Experten. Sieben von zehn Betroffenen nehmen ihre Medikamente nicht so ein, wie vom Arzt verordnet - und gehen damit ein hohes Risiko ein.

Risiko Vorhofflimmern

Bei Patienten, die unter Vorhofflimmern leiden, kommt das Herz immer mal wieder aus dem Tritt. Wenn sich der Vorhof dabei vorübergehend nicht bewegt, fließt das Blut langsam und kann gerinnen. Läuft dann alles wieder rund, können solche Blutgerinnsel über Arterien in den Körper gespült werden. Gelangen sie ins Gehirn, kommt es zum Schlaganfall. Neben dem üblichen Betablocker müssen Patienten nach solch einem Ereignis zusätzliche Medikamente nehmen: Dazu gehören Gerinnungshemmer wie ASS oder die modernen direkten oralen Antikoagulantien (DOAK), sowie Cholesterin- und Blutdrucksenker. Ohne diese Medikamente läge das Risiko, binnen fünf Jahren einen weiteren Schlaganfall zu erleiden, bei fast 50 Prozent.

Was können die Medikamente bewirken?

Es gibt keine 100-prozentige Garantie: Selbst, wenn die Medikamente regelmäßig eingenommen werden, kann es zu einem weiteren Schlaganfall kommen. Das Risiko dafür sinkt aber. Und: Solche Schlaganfälle sind allerdings in der Regel kleiner und den Patienten geht es danach deutlich besser als ohne Medikamente.

Selbst aktiv werden!

Daneben ist es ganz wichtig, selbst aktiv zu werden und seinen Lebensstil zu ändern, also zum Beispiel das Rauchen aufzugeben, sich mehr zu bewegen und auf eine gesunde Ernährung zu achten. Anleitung und Motivation dazu bekommen Patienten nach dem Klinikaufenthalt während der Reha-Maßnahme - und danach bei ihrem weiterbehandelnden Arzt und in Reha-Sport- oder Selbsthilfegruppen. Bis der Alltag tatsächlich wieder funktioniert, vergehen oft viele Monate, in denen die Betroffenen nur in kleinen Schritten vorankommen.

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Hände auf der Tastatur eines Laptops. © fotolia Foto: bufalo66

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Unterstützung durch Selbsthilfegruppen

Gerade in dieser Phase hilft ein Ansprechpartner auf Augenhöhe, zum Beispiel in einer Selbsthilfeorganisation. Hirntraining und vor allem viel Bewegung sind extrem wichtig, um möglichst viel verlorene Leistungsfähigkeit zurückzugewinnen. Dabei sind ehemals selbst Betroffene, die sich in der Selbsthilfe engagieren, die beste Unterstützung. Sie leisten Hilfe zur Selbsthilfe, hören zu, machen Mut, beantworten Fragen aus eigener Erfahrung und weisen so den Weg zurück in den Alltag.

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Dieses Thema im Programm:

Visite | 27.02.2018 | 20:15 Uhr

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