Stand: 26.02.2018 12:37 Uhr

Diabetes Typ 2 mit richtiger Ernährung heilen

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Jeder zweite Typ-2-Diabetiker in Deutschland könnte mit der richtigen Unterstützung ohne Medikamente auskommen.

Fast zehn Millionen Menschen in Deutschland leiden an der "Zuckerkrankheit" Diabetes mellitus - und noch einmal sieben Millionen haben Diabetes, ohne es zu wissen. Erste Anzeichen für die Erkrankung sind gesteigerter Durst und Abgeschlagenheit. Die Diagnose Diabetes mellitus Typ 2 bedeutet hierzulande noch viel zu oft, ein Leben lang Tabletten einnehmen oder gar Insulin spritzen zu müssen. Jeder zweite Typ-2-Diabetiker in Deutschland könnte allerdings ohne Medikamente auskommen, wenn er ernährungsmedizinisch und psychologisch betreut würde - doch das wird selten von den Kassen bezahlt. Experten bemängeln, dass in Deutschland lieber die Langzeitfolgen von Diabetes behandelt würden, statt frühzeitig mit intensiver Betreuung gegenzusteuern.

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Typ-2-Diabetes mit richtiger Ernährung heilen

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Ernährungsumstellung statt Insulin: Eine Studie belegt, dass Diabetes mit Änderungen in der Ernährung und Gewichtsreduktion so gut behandelt werden kann wie mit Medikamenten.

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Neue Studie: Ernährungsumstellung statt Medikamente

Eine neue Studie aus England belegt, dass Diabetes mit einer Ernährungsumstellung und Gewichtsreduktion genauso gut behandelt werden kann wie mit Medikamenten. Der Krankheitsverlauf kann demnach sogar umgekehrt werden. Für die Studie wurden die Teilnehmer auf eine radikale Diät gesetzt: Drei Monate lang nahmen sie nur Nährstoffshakes zu sich, knapp 900 Kalorien am Tag. Zusätzlich wurden sie psychologisch betreut, zu Bewegung angeleitet und bekamen eine Ernährungsberatung. Die Tabletten gegen Diabetes wurden abgesetzt. Das Ergebnis: Je kürzer die Teilnehmer an Diabetes Typ 2 litten und je mehr sie abgenommen hatten, desto größer war ihr Erfolg. Teilnehmer, die bis zu sieben Kilogramm abgenommen hatten, hatten eine Chance von sieben Prozent, ganz auf Diabetes-Medikamente verzichten zu können. Wer mindestens 15 Kilogramm abgenommen hatte, hatte eine 86-prozentige Chance, dieses Ziel zu erreichen.

Teufelskreis muss durchbrochen werden

Je dicker ein Typ-2-Diabetiker ist und je mehr er isst, desto mehr Insulin muss er spritzen. Aber davon wird er noch dicker. Außerdem kann ein Diabetes Nerven, Nieren und Augen schädigen und sogar zu Herzinfarkt und Schlaganfall führen. Deswegen sollte alles getan werden, um diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Wer frühzeitig abspeckt, kann verhindern, dass er überhaupt Insulin spritzen muss. Ernährungsmediziner empfehlen Eiweißshakes, um erste Pfunde zu verlieren. Unter Anleitung können Patienten lernen, gesund zu kochen, ihren Insulinspiegel damit konstant zu halten und abzunehmen. Statt Insulin zu spritzen, müssen sie nur noch wenige Tabletten einnehmen oder können ganz ohne Medikamente auskommen. 

Essgewohnheiten dauerhaft verändern

Experten empfehlen Diabetikern eine Ernährungstherapie oder zumindest eine Ernährungsberatung: Zuerst werden dabei die bisherigen Ernährungsgewohnheiten analysiert. Bei einer modernen Ernährungsumstellung wird im Gegensatz zu einer Diät nur so wenig wie möglich an den Essgewohnheiten verändert - das ermöglicht dauerhaften Erfolg. Wichtig zum Abnehmen und Sattwerden ist Eiweiß: Es sättigt, macht Durst und fördert den Muskelaufbau. Deshalb muss es über den Tag verteilt zu jeder Hauptmahlzeit richtig dosiert sein. Essen wir zu viel, wird der Überschuss ins Fett eingelagert. Essen wir zu wenig, werden wir nicht satt genug. Der Hauptbestandteil der Mahlzeiten sollte so viel Gemüse wie möglich sein, außerdem sollten Nüsse als perfekte Eiweißquelle und Pilze auf dem Speiseplan stehen. Besonders gut für Diabetiker sind auch Pistazien: Sie können den Blutzucker um 0,4 Prozent senken. Fleisch sollte nur selten auf den Tisch kommen, raten Ernährungsmediziner.

Nach dem Abspecken das Gewicht halten

Nach dem Abspecken ist es das oberste Gebot, das Gewicht zu halten. Darum sollten nicht zu viele Kohlenhydrate gegessen werden. Denn Kohlenhydrate aus Brot, Süßem oder Obst werden im Körper in Glukose umgewandelt, die den Blutzuckerspiegel ansteigen lässt. Kohlenhydrate sind außerdem Brennstoff und werden als Fett eingelagert, wenn man sich zu wenig bewegt und seine Ernährung nicht daran anpasst. Je mehr man sich bewegt, desto mehr Kohlenhydrate dürfen auf dem Teller landen.

Früherkennung ist wichtig

Menschen mit erhöhten Risikofaktoren wie einem Alter über 40 Jahre, deutlichem Übergewicht oder Diabetes in der Familie, sollten sich regelmäßig untersuchen lassen. Ein Zuckertest für wenige Euro hilft, einen Diabetes früh zu erkennen. Für eine sichere Diagnose empfehlen Experten, einen Diabetologen aufzusuchen, da diese Spezialisten über genauere Messgeräte für den Blutzucker verfügen als der Hausarzt. Lautet die Diagnose Diabetes, sollte der Patient rasch eine Ernährungsumstellung beginnen. Eine Ernährungstherapie umfasst in der Regel sechs Sitzungen und kostet etwa 350 Euro. Die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen auf Antrag mit bis zu 100 Prozent bezuschusst. Private Versicherungen erstatten diese Kosten bis auf wenige Ausnahmen nicht, bezahlen aber eine ernährungsmedizinische Beratung, die gesetzlich Versicherte selbst tragen müssen (60 bis 150 Euro).

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Interviewpartner

Dr. Matthias Riedl, Internist, Diabetologe, Ernährungsmediziner             
Diabetes Zentrum Berliner Tor
Medicum Hamburg GbR
Beim Strohhause 2, 20097 Hamburg
Tel. (040) 80 79 79-0, Fax (040) 80 79 79-300
Internet: www.medicum-hamburg.de

Dr. Jens Kröger, Facharzt für Innere Medizin, Diabetologie, Diabetologe DDG
Zentrum für Diabetologie Bergedorf
Glindersweg 80, Haus E, 21029 Hamburg
Tel. (040) 85 40 51-0 
Internet: www.diabeteszentrum-hamburg-ost.de

Dr. Björn Paschen, Facharzt für Innere Medizin und Diabetologie
Diabetologische Schwerpunktpraxis Harburg
Am Wall 1, 21073 Hamburg
Tel. (040) 557 75 33 00, Fax. (040) 557 75 33 01
Internet: www.diabetologie-harburg.de

Weitere Informationen:
Online-Portal "Diabetes Deutschland"
Internet: www.diabetes-deutschland.de

Viele Informationen von Diabetes-Experten mit Selbsttest zur Früherkennung
Deutsche Diabetes Gesellschaft e.V.
Albrechtstraße 9, 10117 Berlin
Internet: www.ddg.info

Arztsuche und viele weitere Informationen
Deutscher Diabetiker Bund e.V.
Käthe-Niederkirchner-Straße 16, 10407 Berlin
Tel. (030) 420 824 98-0, Fax (030) 420 824 98-20
Internet: www.diabetikerbund.de
Selbsthilfe-Organisation

Ratgeber
Matthias Riedl: Iss Dich gesund
276 Seite, Gräfe und Unzer (2018), 29,99 Euro (erhältlich ab 7. März)
Ellen Jahn: Diabetes Typ 2 - Wie Sie gezielt gegensteuern
208 Seiten, Stiftung Warentest (2. komplett überarb. Ausgabe, 2014), 19,90 Euro
Sven-David Müller:
Die 50 besten Blutzucker-Killer: Blutzucker erfolgreich senken ohne Pillen
84 Seiten, TRIAS (2. Aufl., 2017), 9,99 Euro
Eberhard Standl, Hellmut Mehnert: Das große Trias-Handbuch für Diabetiker
304 Seiten, TRIAS (2010), 24,95 Euro

Dieses Thema im Programm:

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