Stand: 27.08.2018 15:42 Uhr

Demenz: Musiktherapie weckt Erinnerungen

Musik kann Brücken bauen - auch zu Menschen mit Demenz. Musiktherapeuten nutzen dabei die unterschiedlichen Eigenschaften der Hirnstrukturen:

  • Der Hippocampus ist die Schaltstelle im Gehirn, die entscheidet, welche Information im Gedächtnis aufgenommen wird. Bei einer Demenz schädigen Abbauprozesse diese wichtige Gehirnstruktur.
  • In der Großhirnrinde befindet sich das Langzeit-Musikgedächtnis. Das haben Forscher des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften durch Hirnscans herausgefunden. Die Informationen in der Großhirnrinde bleiben oft noch lange intakt, auch wenn das Gedächtnis schon stark beeinträchtigt ist.

Demenzkranke können sich oft keine neuen Melodien einprägen, aber die Klänge ihrer Jugend sind ihnen in aller Regel noch geläufig. Viele können sie sogar noch auf Instrumenten spielen.

Eine an Demenz erkrankte Frau hört über Kopfhörer Musik.

Demenz: Musiktherapie weckt Erinnerungen

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Bei Demenz kann eine Musiktherapie Erinnerungen wecken: Dadurch fällt es Betroffenen oft leichter, mit ihrer Umwelt in Kontakt zu treten. Wie funktioniert die Therapie?

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Musiktherapie erzeugt Gefühl der Vertrautheit

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Bei Demenz kann Musik Erinnerungen wecken.

Eine Musiktherapie kann das Gedächtnis nicht wiederbringen. Aber sie kann ein Wohlbefinden, ein Gefühl der Vertrautheit auslösen und auch einen Bezug zur eigenen Identität herstellen. Dadurch können Betroffene wieder mit ihrer Umwelt in Kontakt treten.

Kopfhörer helfen den Betroffenen, sich auf die Musik zu konzentrieren. Viele haben sonst Schwierigkeiten, Melodien und Umgebungsgeräusche zu unterscheiden. Musik kann bei Menschen mit Demenz unter Umständen wirken wie ein Medikament. Ist die Dosis zu hoch, nehmen sie den Kopfhörer ab.

Musik ist Schlüssel zur Biografie

Zunächst recherchieren Musiktherapeuten den persönlichen Musikgeschmack der Demenzkranken. Dabei ist entscheidend, welche Musik die Betroffenen in der emotional prägenden Zeit des Heranwachsens im Alter von 13 bis 25 Jahren gehört haben könnten. Anschließend probieren die Therapeuten aus, welche Musik aus dieser Zeit den Erkrankten tatsächlich gefällt. Die passende Musik ist der Schlüssel zu ihrer Biografie und Gefühlswelt.

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Experten zum Thema

Julia Richarz, Diplom-Sozialpädagogin
Leiterin des Sozialen Dienstes im Ferdinand-Heye-Haus
Diakonie Düsseldorf
Apostelplatz 1, 40625 Düsseldorf
www.demenz-duesseldorf.de

Prof. Dr. sc. mus. Jan Sonntag, Dipl. Musiktherapeut FH, Heilpraktiker für Psychotherapie, Yogalehrer BDY/EYU
Eichenstraße 37a, 20255 Hamburg
www.altewachesonntag.de

Weitere Informationen
Deutsche Musiktherapeutische Gesellschaft e.V. (DMtG)
Bundesgeschäftsstelle
Naumannstraße 22, 10829 Berlin
www.musiktherapie.de

Netzwerk Musiktherapie mit alten Menschen
Mollerstraße 11, 64289 Darmstadt
www.almuth.net

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Visite | 28.08.2018 | 20:15 Uhr

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