Stand: 07.06.2018 21:03 Uhr  | Archiv

Das Gehirn - Schaltzentrale unseres Körpers

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Gemeinsam mit dem Rückenmark bildet das Gehirn das Zentralnervensystem.

Es enthält etwa 90 Milliarden Nervenzellen und ist die Denk- und Gefühlszentrale unseres Körpers: Das Gehirn ist mit Abstand das spannendste und auch komplexeste Organ des menschlichen Körpers. Es steuert nahezu alle lebenswichtigen Körperfunktionen, verarbeitet Sinneseindrücke, ermöglicht das Denken und viele weitere Abläufe im Körper.

So ist das Gehirn aufgebaut

Das Gehirn ist die Schaltzentrale unseres Körpers. Es ist von Hirnhäuten und dem Schädelknochen umgeben. In dieser festen Hülle schwimmt es im Hirnwasser (Liquor), das das Gehirn vor Verletzungen und Erschütterungen schützt. Gemeinsam mit dem Rückenmark bildet das Gehirn das sogenannte Zentralnervensystem (ZNS). Über das Rückenmark verlaufen Nervenbahnen in fast alle Regionen des Körpers.

Grob unterteilt, besteht das menschliche Gehirn aus vier Bereichen:

  • Großhirn mit Hirnrinde (Kortex): Das Großhirn (oder Endhirn) ist der größte und am höchsten entwickelte Teil des Gehirns und spielt eine Hauptrolle in Sachen Denken, Fühlen und Handeln. Im Großhirn kommen die Informationen der Sinnesorgane an und werden ausgewertet und verarbeitet. Das Großhirn ist in zwei weitgehend symmetrische Hälften (Hemisphären) unterteilt, die durch ein Bündel von Nervenfasern, den sogenannten Balken, verbunden sind.
  • Zwischenhirn: Hier liegen unter anderem der Thalamus und der Hypothalamus mit der Hypophyse. Der Thalamus filtert alle Reize wie Berührungen oder Gerüche, bevor sie ins Großhirn gelangen. Der Hypothalamus verbindet das Hormon- mit dem Nervensystem und steuert viele Körperfunktionen wie das Temperaturempfinden.
  • Kleinhirn: Das Kleinhirn wiegt etwa 130 bis 140 Gramm und damit zehnmal weniger als das Großhirn. Es koordiniert Bewegungen, das Gleichgewicht und den Spracherwerb.
  • Hirnstamm: Der Hirnstamm steuert viele wichtige Vitalfunktionen wie den Kreislauf, den Blutdruck, die Atmung und den Schlaf. Auch Reflexe wie Husten und Erbrechen werden von dort gesteuert. Nach unten verlängert sich der Hirnstamm in das Rückenmark.

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Das menschliche Gehirn wiegt etwa 1.300 Kilogramm.
Männerhirne sind schwerer

Das menschliche Gehirn wiegt rund 1.300 Kilogramm, wobei das Gehirn eines Mannes etwa 100 Gramm schwerer ist als das einer Frau. Das heißt aber nicht, dass Männer intelligenter sind: Die Größe des Gehirns ist vielmehr von Gewicht und Statur seines Besitzers abhängig. Zum Vergleich: Das Hirn eines Pottwals wiegt bis zu 9,5 Kilogramm und das Hirn eines Elefanten rund 4,5 Kilogramm.

Unterschiede bei Mann und Frau

Es gibt offenbar Unterschiede zwischen dem männlichen und dem weiblichen Gehirn. Eine Studie aus dem Jahr 2013 zeigte, dass der Informationsaustausch zwischen den beiden Gehirnhälften bei Frauen besser funktioniert. Männer haben dafür aber eine bessere Verknüpfung innerhalb der Hemisphären. Das erklärt eine bessere räumliche Vorstellungskraft beim Mann und mehr Empathie, also Einfühlungsvermögen für andere, bei der Frau. Andere Studien haben aber auch gezeigt, dass die Gehirne von Mann und Frau nicht grundverschieden sind, sondern beide ein Mosaik aus männlichen und weiblichen Teilen sind. Die Gemeinsamkeiten sind größer als die Unterschiede. Ob wir uns typisch männlich oder weiblich verhalten, hängt vor allen von der Erziehung und kulturellen Rollenbildern ab.

Gedächtnis: Wie Informationen gespeichert werden

Im Gehirn treffen alle über die Sinnesorgane eingehenden Informationen zusammen und werden gefiltert und zum Teil gespeichert. Dafür gibt es verschiedene "Speicherplatten":

  • Sensorisches Gedächtnis: Im Sensorischen Gedächtnis (Ultrakurzzeitgedächtnis) werden Informationen, die wir hören oder sehen, für kurze Zeit gespeichert. So können wir zum Beispiel Zusammenhänge in Gesprächen verstehen. Werden diese Daten nicht innerhalb kürzester Zeit abgerufen oder als relevant bewertet, werden sie gleich wieder gelöscht, um Platz für neue Informationen zu machen. Was von Interesse ist, kommt ins Kurzzeitgedächtnis.
  • Kurzzeitgedächtnis: Im Kurzzeitgedächtnis werden Informationen für Sekunden bis Minuten gespeichert. Das Kurzzeitgedächtnis ist zum Beispiel wichtig, um zu wissen, wo wir den Autoschlüssel hingelegt haben und wen wir zurückrufen sollen. Nur wenige der Informationen kommen ins Langzeitgedächtnis.
  • Langzeitgedächtnis: Im Langzeitgedächtnis werden Informationen dauerhaft abgespeichert. Unterschieden wird dabei das deklarative und das implizierte Gedächtnis: Das deklarative Gedächtnis speichert Informationen ab, die bewusst abgerufen werden können, etwa Kindheitserlebnisse (episodisches Gedächnis) oder Vokabeln und berufliches Wissen (semantisches Gedächtnis). Informationen im implizierten Gedächtnis können unbewusst abgerufen werden: Wir tun etwas, ohne darüber nachzudenken. Dazu gehören motorische Abläufe wie Schwimmen und Fahrradfahren.

Training fürs Gehirn

Unser Gehirn verändert sich ständig, je nachdem welche Erfahrungen wir machen und was wir lernen. Es nimmt neue Informationen auf und verknüpft diese mit bereits vorhandenem Wissen. Gezieltes Training, aber auch Sport, gesunde Ernährung und das Lernen von Neuem können seine Leistungsfähigkeit positiv beeinflussen. Eselsbrücken können helfen, sich bestimmte Dinge einzuprägen, denn das Gedächtnis merkt sich am besten Informationen, die ihm interessant und wichtig erscheinen und die gut vernetzt sind.

Ein Mythos ist, dass sogenanntes Multitasking - also das Erledigen mehrerer Aufgaben auf einmal - besonders effektiv ist. Genau das Gegenteil ist der Fall, denn das Gehirn ist bis zu 40 Prozent langsamer, wenn es zwischen mehreren Aufgaben hin und herspringen muss.

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