Darmspiegelung: Die Risiken nehmen im höheren Alter zu

Stand: 29.09.2020 15:15 Uhr

Die Darmspiegelung ist eine effektive Form der Krebsvorsorge. Mit zunehmendem Alter steigen aber die Risiken und müssen gegen den Nutzen sorgfältig abgewogen werden. Was sollten Patienten beachten?

Sie ist eine Erfolgsgeschichte in der Medizin: Mit der Darmspiegelung entdecken und behandeln Ärzte Krebs schon im Vorstadium, also bevor er ausbricht. Sie hat schon viele Leben gerettet, Komplikationen sind eher selten. Und doch birgt die Koloskopie - besonders im fortgeschrittenen Alter - einige Risiken und Nebenwirkungen.

Im Alter höhere Komplikationsrate nach Darmspiegelung

Eine kanadische Studie hat jetzt rund 38.000 Fälle ausgewertet. Das Ergebnis: Die Komplikationsrate ist bei über 75-Jährigen mehr als doppelt so hoch wie bei Jüngeren. In 30 Tagen nach der Darmspiegelung mussten 2,6 Prozent der unter 75-Jährigen wegen gravierender Komplikationen im Krankenhaus behandelt werden, bei den über 75-Jährigen waren es 6,8 Prozent. Komplikationen können sein:

  • Blutungen nach der Koloskopie
  • Durchstoßen der Darmwand
  • Übertritt von Mageninhalt in die Atemwege
  • Narkose-Unverträglichkeit
  • Herz-Kreislauf-Probleme

Folgende Faktoren erhöhen das Risiko:

  • Adipositas
  • Rauchen
  • Lebererkrankungen

Darmspiegelung: Risiko und Nutzen abwägen

Ein älterer Körper reagiert empfindlicher auf einen Eingriff und komplikationsträchtige Begleiterkrankungen erhöhen das Risiko zusätzlich. Das Alter allein ist allerdings nicht unbedingt entscheidend, sondern, wie fit die Person ist. Die individuelle Situation der Betroffenen spielt eine wesentliche Rolle. Wichtig ist außerdem, das Risiko gegen den möglichen Nutzen der Darmspiegelung abzuwägen. Handelt es sich um eine reine Vorsorgeuntersuchung oder wird zum Beispiel aufgrund von Blutverlust eine Darmerkrankung vermutet? Zudem wird die Gefahr, dass sich in der noch zu erwartenden Lebenszeit ein gefährlicher Tumor entwickelt, mit zunehmenden Alter geringer. Das Nutzen-Risiko-Verhältnis wird also mit steigendem Alter ungünstiger und sollte daher umso sorgfältiger abgewogen werden.

Weitere Informationen
Interview mit Herr Ellrichmann.
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Mit der Darmspiegelung entdecken und behandeln Ärzte Krebs schon im Vorstadium, im Alter gibt es aber Risiken. Interview mit dem Gastroenteorologen PD Dr. Mark Ellrichmann. 4 Min

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Chat-Protokoll zum Thema Darmspiegelung

Es gibt eine Reihe von Alarmsymptome, die durch eine Darmspiegelung abgeklärt werden sollten. Der Gastroenteorologe Mark Ellrichmann hat im Chat Fragen zum Thema beantwortet. mehr

Experten zum Thema

Priv.-Doz. Dr. Mark Ellrichmann, Oberarzt
Leiter Interdisziplinäre Endoskopie, Facharzt für Innere Medizin, Gastroenterologe
Klinik für Innere Medizin I - Schwerpunkt Gastroenterologie
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
Arnold-Heller-Straße 3, 24105 Kiel
www.uksh.de

Dr. Julius Pochhammer, Oberarzt
Facharzt für Chirurgie, Viszeralchirurgie, spezielle Viszeralchirurgie, Proktologie
Klinik für Allgemeine, Viszeral-, Thorax-, Transplantations- und Kinderchirurgie
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
Arnold-Heller-Straße 3, 24105 Kiel
www.uksh.de

Dr. Petra Jessen
Fachärztin für Innere Medizin, Gastroenterologie, Proktologie
Erdbeerfeld 8, 24161 Altenholz
(0431) 32 96 30
www.jessen-grimm.de

Prof. Dr. Ulrich Thiem, Chefarzt
Geriatrie und Gerontologie
Medizinisch-Geriatrische Klinik
Albertinen Haus
Sellhopsweg 18-22, 22459 Hamburg
www.albertinen.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 22.09.2020 | 20:15 Uhr

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