Stand: 24.09.2018 16:27 Uhr

Darmkrebs: Familiäre Häufung nicht übersehen

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Darmkrebs ist in mehr als 90 Prozent der Fälle heilbar, wenn er früh erkannt wird.

Darmkrebs ist bei Männern und Frauen in Deutschland die zweithäufigste Krebserkrankung. Pro Jahr erkranken mehr als 70.000 Menschen, rund 25.000 sterben an einem bösartigen Darmtumor. Unter dem Oberbegriff Darmkrebs werden Krebserkrankungen des Dickdarms (Kolon), des Enddarms (Mastdarm/Rektum) und des Darmausgangs (Anus) zusammengefasst. Die Behandlung von Darmkrebs hat deutliche Fortschritte gemacht. Ein früh erkannter Darmkrebs ist in mehr als 90 Prozent der Fälle heilbar. Bei fortgeschrittenen Tumoren aber bilden sich Tochtergeschwülste (Metastasen) in anderen Organen, vor allem in der Leber, was die Behandlung erschwert.

Da Darmkrebs in vielen Fällen erblich bedingt ist, sollte jeder, bei dessen Eltern oder Geschwistern ein Darmkrebs aufgetreten ist, unbedingt frühzeitig alle Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen. Ist bei Familienmitgliedern im Alter von unter 50 Jahren ein Darmkrebs aufgetreten, kann eine Genanalyse klären, ob ein stark erhöhtes Risiko vorliegt.

Digitale Illustration eines Darms in einem Körper

Darmkrebs: Familiäre Häufung nicht übersehen

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Darmkrebs verursacht lange Zeit keine Schmerzen und kaum Symptome. Da er in vielen Fällen erblich bedingt ist, sollte jeder, der familiär belastet ist, frühzeitig zur Vorsorge gehen.

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Tumoren oft lange unbemerkt

Darmkrebs verursacht lange Zeit keine Schmerzen und kaum Symptome. Deshalb wird die Erkrankung oft erst erkannt, wenn eine Heilung schwierig oder nicht mehr möglich ist. Erste Symptome wie Blut im Stuhl oder Abgeschlagenheit können auch andere, harmlose Ursachen haben. Erst im späteren Verlauf können Verstopfungen oder Darmkrämpfe auftreten.

Interview
04:51
Visite

Darmkrebs frühzeitig erkennen

25.09.2018 20:15 Uhr
Visite

Tritt Darmkrebs gehäuft in der Familie auf, sollte man regelmäßig zur Vorsorge gehen. Fragen zum Thema beantwortet der Gastroenterologe Prof. Torsten Kucharzik. Video (04:51 min)

Darmspiegelung nutzen

Zu einer Darmspiegelung (Koloskopie) raten Ärzte bei neu aufgetretenen Bauchschmerzen, die längere Zeit anhalten, bei wiederholten Blutungen oder bei anhaltendem Wechsel zwischen Durchfall und Verstopfung.

Seit 2002 bieten die Krankenkassen ihren Versicherten eine Darmspiegelung ab dem 55. Lebensjahr alle zehn Jahre als Vorsorgeuntersuchung kostenlos an. Sie ist nach wie vor die beste und sicherste Methode der Früherkennung. Für Menschen unter 55 kann die Untersuchung einer Stuhlprobe auf verstecktes Blut sinnvoll sein. Ab 50 Jahren gibt es diesen immunologischen Stuhltest (iFOBT) auf Rezept

Nur jeder Vierte geht zur Vorsorge

Nach Einführung der Vorsorgeuntersuchung sank die Zahl der Neuerkrankungen ab 55 Jahren um rund 20 Prozent. Experten werten das als Beweis dafür, dass die Darmkrebsvorsorge Leben rettet. Doch bisher nimmt nur jeder Vierte daran teil. Deshalb werden die meisten Tumoren bei älteren Patienten noch immer per Zufall entdeckt. Viele kommen erst mit Symptomen in die Klinik, wenn der Tumor schon weit fortgeschritten ist.

Risikofaktoren für die Entstehung von Darmkrebs sind:

  • Rauchen
  • Übergewicht
  • Bewegungsmangel
  • Hoher Fleischkonsum (vor allem verarbeitetes und rohes Fleisch)
  • Häufiger Alkoholkonsum
  • Darmkrebs in der Familie

Darmkrebs entsteht aus Polypen

Darmkrebs entsteht in der Regel aus gutartigen Krebsvorstufen (Polypen), die sich bei der Koloskopie leicht entfernen lassen. Dazu führt der Arzt unter örtlicher Betäubung ein biegsames Endoskop in den Darm ein. Das schlauchförmige Gerät enthält eine Lichtquelle, eine winzige Kamera und einen Arbeitskanal. Darüber kann der Arzt kleine Zangen einführen und Polypen abtragen. Damit kann die Entstehung von Darmkrebs verhindert werden. Entdeckt der Arzt bei der Koloskopie einen Tumor, entnimmt er gleich eine Gewebeprobe zur feingeweblichen Untersuchung.

Komplikationen bei Koloskopie sehr selten

Viele Menschen haben Angst vor einer Darmspiegelung. Auch die vorbereitende Darmreinigung, für die man mindestens zwei Liter Spülflüssigkeit trinken muss, empfinden viele als unangenehm. Gefährlich ist eine Darmspiegelung aber nicht, zu Komplikationen kommt es sehr selten. Die Chancen einer erfolgreichen Krebsvorsorge überwiegen die Risiken bei Weitem. Studien zeigen, dass nach einer unauffälligen Spiegelung die nächste Koloskopie erst nach fünf bis zehn Jahren durchgeführt werden muss.

Weitere Informationen

Chat-Protokoll: Darmkrebs-Vorsorge

Das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, kann vererbt werden. Der Gastroenterologe Professor Torsten Kucharzik hat im Visite Chat Fragen zum Thema beantwortet. mehr

Bei Darmkrebs familiäres Risiko beachten

Wenn allerdings ein Darmkrebs bei Verwandten ersten Grades aufgetreten ist, sollte man häufiger kontrollieren:

  • Denn 20 bis 30 Prozent aller von Darmkrebs Betroffenen haben ein vererbtes familiäres Darmkrebsrisiko. In diesem Fall ist die Gefahr um das Vierfache erhöht. Die erste Untersuchung sollte bereits zehn Jahre früher durchgeführt werden, als das Alter des jüngsten Betroffenen der Familie beim Ausbruch der gefährlichen Krankheit betragen hat. Beispiel: Wurde bei einem direkten Verwandten im Alter von 44 ein Darmkrebs oder ein Darmpolyp gefunden, sollte die erste Vorsorgedarmspiegelung mit 34 Jahren erfolgen und spätestens alle zehn Jahre wiederholt werden.
  • Etwa fünf Prozent aller Darmkrebserkrankten haben sogar regelrecht krankmachende Gene geerbt - mit einer Erkrankungswahrscheinlichkeit von 80 bis 100 Prozent.

Eine Genanalyse zeigt bei frühen Darmkrebserkrankungen (unter 50 Jahren) in der Familie, ob das Risiko für Darm- und Magenkrebs erhöht ist. Wer weiß, dass er ein ererbtes Krebsrisiko in sich trägt, sollte engmaschig Darmspiegelungen durchführen lassen, um etwaige Tumore rechtzeitig erkennen und behandeln zu können.

Wenn neue Symptome auftreten

Treten wenige Jahre nach der Vorsorgekoloskopie verdächtige Symptome auf, wird der Arzt in den folgenden Fällen eine erneute Darmspiegelung empfehlen:

  • Die Vorsorgekoloskopie war unvollständig, weil der Darm nicht komplett gereinigt war und der Arzt Teile des Darms nicht einsehen konnte.
  • Bei vorangegangenen Darmspiegelungen mussten Polypen abgetragen werden.
  • Es besteht ein familiär erhöhtes Risiko.

Zum Abwarten oder zum Verzicht auf eine erneute Darmspiegelung raten Ärzte, wenn

  • die Symptome lange bekannt sind und immer wieder auftreten.
  • vorangegangene Koloskopien keine Polypen in der Darmschleimhaut gezeigt haben.

Die Wahrscheinlichkeit eines Darmkrebses ist in diesen Fällen sehr gering, da neu entstehende Polypen viele Jahre brauchen, bis sie sich zu einem Darmkrebs entwickeln.

Krebs-Behandlung am besten im Darmzentrum

Für jeden Erkrankten ist eine maßgeschneiderte Therapie zu entwickeln, am besten in einem Darmkrebszentrum. Dort beraten Experten aller an der Krebstherapie beteiligten Fachgruppen gemeinsam in interdisziplinären Tumorkonferenzen, welche Verfahren im Einzelfall sinnvoll sind und wie sie kombiniert werden sollten.

Behandlung von Krebs-Stadium abhängig

Die Therapie des Darmkrebses erfolgt nach Empfehlungen und Leitlinien von wissenschaftlich anerkannten Fachgesellschaften. Die Behandlung richtet sich dabei vor allem nach der Art des Tumors und dem Stadium der Tumorerkrankung.

Das Tumorstadium wird anhand von Tumorgröße, Lymphknotenbefall und Vorliegen von Metastasen festgestellt:

  • Bei kleinen, örtlich begrenzten Tumoren (Stadium I) kann eine Operation in mehr als 90 Prozent der Fälle eine Heilung erreichen. Voraussetzung dafür ist, dass der bösartige Tumor die Darmwand noch nicht durchbrochen hat, die Lymphknoten nicht betroffen sind und keine Metastasen vorliegen. Eine Chemo- oder Strahlentherapie ist dann nicht notwendig.

  • Im Stadium II haben die Tumore die Darmwand durchbrochen und das umliegende Gewebe möglicherweise infiltriert. Dennoch sind die Lymphknoten nicht befallen und es liegen keine Metastasen vor. Neben der Operation kann in diesem Stadium eine begleitende Chemotherapie sinnvoll sein.

  • Bei Tumoren im Stadium III sind die Lymphknoten in der Nähe des Tumors mit bösartigen Zellen befallen. In diesen Fällen erfolgt nach der Operation eine Chemotherapie. Beim Rektumkarzinom (Mastdarmkrebs) erfolgt bereits vor einer möglichen Operation eine Chemotherapie.

  • Tumore im Stadium IV gehen mit Metastasen in anderen Organen einher. Bei Darmkrebs kommt es typischerweise zunächst zu Ansiedelungen in Leber und Lunge. Je nach Verfassung und Beschwerden des Betroffenen kann die erste Behandlungsmaßnahme eine Operation oder eine Chemotherapie sein. Wenn möglich, sollten die Metastasen entfernt werden.

Chemotherapie soll Heilungschancen verbessern

Die Operationsstrategien richten sich vor allem nach der anatomischen Lage des Tumors. Bei Tumoren des Dickdarms kann die Darmpassage in der Regel erhalten werden. Das heißt, nach der Entfernung des Tumors können die beiden Darmenden wieder miteinander verbunden werden. Bei Tumoren des Mastdarms wird zum Schutz der Naht der Darmenden ein künstlicher Darmausgang angelegt. Dieser kann nach einigen Wochen im Rahmen einer kleinen Operation wieder zurückverlegt werden. Es sei denn, die Krebsgeschwulst liegt sehr tief in der Nähe des Schließmuskels. Dann ist manchmal ein dauerhafter, künstlicher Darmausgang notwendig.

Die Chemotherapie erfolgt ebenfalls abhängig vom vorliegenden Stadium. Sie erfolgt in der Regel über einen Zeitraum von sechs Monaten. Ihr Ziel ist es, die Heilungschancen zu verbessern und Metastasen zu behandeln oder bei fortgeschrittenen Erkrankungen die Lebensqualität zu verbessern und die Überlebenszeit zu verlängern. Die sogenannten Zytostatika wirken insbesondere auf die sich schnell teilenden Zellen des Tumorgewebes.

Immuntherapie und Strahlentherapie bei Darmkrebs

Seit Kurzem sind im Rahmen einer Immuntherapie auch spezielle Antikörper zur Behandlung des Darmkrebses zugelassen. In Kombination mit der klassischen Chemotherapie sollen sie die Behandlungserfolge verbessern. Eine ergänzende Strahlentherapie ist dann sinnvoll, wenn sich ein Rektumkarzinom in das umgebende Gewebe ausgebreitet hat oder Lymphknoten befallen sind.

Die Diagnose einer Tumorerkrankung bedeutet für jeden Betroffenen eine erhebliche Belastung. Daher ist es wichtig, Therapieoptionen und -konzepte individuell zu gestalten und eng an die Bedürfnisse und die Lebenssituation der Betroffenen anzupassen.

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Experten zum Thema

Prof. Dr. Torsten Kucharzik, Chefarzt
Klinik für Allgemeine Innere Medizin & Gastroenterologie
Städtisches Klinikum Lüneburg
Bögelstraße 1
21339 Lüneburg
www.klinikum-lueneburg.de

Prof. Dr. Jürgen Pohl, Chefarzt
Gastroenterologie
Asklepios Klinik Altona
Paul-Ehrlich-Straße 1
22763 Hamburg
(040) 18 18-81 12 01
www.asklepios.com/

Dieses Thema im Programm:

Visite | 25.09.2018 | 20:15 Uhr

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