Stand: 26.09.2016 15:59 Uhr  | Archiv

Darmkrebs - Welche Rolle spielen Bakterien?

Dass Bakterien Krebs auslösen können, weiß man spätestens seit der Entdeckung des Magenkeims Helicobacter pylori. Neuere Untersuchungen legen nun den Verdacht nahe, dass Bakterien auch für Darmkrebs verantwortlich sein könnten, die häufigste Krebsart in Deutschland. Pro Jahr erkranken hierzulande mehr als 70.000 Menschen an einem bösartigen Darmtumor, rund 27.000 sterben daran.

18 Bakterienarten im Zusammenhang mit Darmkrebs identifiziert

Das sogenannte Fusobakterium ist eigentlich im Mund zu Hause, wo es keinen Schaden anrichtet. Gelangt es aber in den Darm, kann es dort anscheinend Krebszellen stimulieren - so wie noch einige andere Bakterien. Forscher haben insgesamt 18 Bakterienarten identifiziert, die im Zusammenhang mit Darmkrebs besonders auffallen. Ob sie für die Entstehung und Entwicklung der Tumoren verantwortlich sind oder sich nur gern auf ihnen ansiedeln, ist noch unklar.

In jedem Fall könnten diese 18 Bakterienspezies als Frühwarnsystem für Darmkrebs dienen. Das wäre sehr wertvoll, denn alle bisherigen Tests schlagen erst sehr viel später an. Oft wachsen die bösartigen Tumoren jahrelang im Darm, ohne Beschwerden zu verursachen. Erste Anzeichen wie Abgeschlagenheit und Antriebslosigkeit können auch andere, harmlose Ursachen haben. Und ist erst Blut im Stuhl zu erkennen, ist der Tumor meist schon sehr groß. Rechtzeitig erkannt ist Darmkrebs in der Regel heilbar.

Spielt die Durchlässigkeit der Schleimhaut eine Rolle?

Einige Wissenschaftler glauben, dass manche Menschen erblich bedingt eine leichter durchlässige Darmschleimhaut haben, sodass bei ihnen früher oder später gefährliche Keime in den Darm gelangen und dort zu einer chronischen Entzündung führen, die schließlich Darmkrebs auslöst. Ziel der Forscher ist es deshalb, gut verträgliche Medikamente zu entwickeln, die die Entzündungen im Darm in Schach halten. Derzeit arbeiten sie an bestimmten Aminosäuren, die großen Einfluss auf die Zusammensetzung der Darmflora haben und so Darmkrebs verhindern könnten.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 27.09.2016 | 20:15 Uhr

Schematische Darstellung: © NDR

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