Corona: Experten fürchten Zunahme der Erkrankungen bei Kindern

Stand: 16.03.2021 15:05 Uhr

Die Ausbreitung der britischen Coronavirus-Mutation B.1.1.7 könnte auch Kinder und Jugendliche wieder verstärkt in den Vordergrund rücken: Experten befürchten, dass jetzt mehr junge Menschen erkranken und auch mit schwereren Verläufen konfrontiert werden.

Bislang sind vor allem Ältere und Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen wie Bluthochdruck von schweren Covid-19-Verläufen betroffen, Jüngere erschienen dagegen kaum gefährdet. Mit einem Melderegister beobachten die deutschen Kinderärzte, bei wie vielen Kindern Covid-19 schwer verläuft. Bisher erkranken nur wenige Kinder wirklich schwer und müssen in der Klinik behandelt werden. Dabei haben Kinder mit Vorerkrankungen ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf. Kindergarten- und Grundschulkinder erkrankten bislang seltener als Säuglinge und ältere Kinder. Bei Jugendlichen nähert sich das Risiko mit zunehmendem Alter dem von Erwachsenen an.

Kinder entwickeln andere Symptome als Jugendliche und Erwachsene

Viele mit Sars-CoV-2 infizierte Kinder zeigen gar keine Symptome. Und wenn doch, sind diese meist unspezifisch und werden leicht falsch gedeutet. Kinder leiden vor allem an Fieber, Husten und Halsschmerzen, vereinzelt auch Bauchschmerzen. Jugendliche entwickeln eher ein Krankheitsbild wie Erwachsene, mit Fieber, Gliederschmerzen und oft einer Geruchs- und Geschmacksstörung. Sind Kinder mit Coronaviren infiziert, können sie auch andere anstecken - unabhängig davon, ob sie selbst erkrankt sind.

PIMS: Schwere Krankheitsverläufe auch nach anfangs leichter Erkrankung möglich

Durch eine verzögerte Fehlreaktion des Immunsystems kommt es bei manchen Kindern zu einem schweren Krankheitsverlauf. Sie erkranken zwei bis vier Wochen nach der Infektion so schwer, dass sie womöglich sogar auf der Intensivstation versorgt werden müssen. Das Krankheitsbild erinnert an das sogenannte Kawasaki-Syndrom, das Kinderärzte bislang hauptsächlich als seltene Erkrankung bei sehr kleinen Kindern kannten. Die Kinder haben hohes Fieber, Schleimhautentzündungen, Lymphknotenschwellung, Hautausschlag und gerötete Hände. Bei Covid-19 treten diese Phänomene zum Teil auch bei deutlich älteren Kindern auf. Das Krankheitsbild heißt auf englisch Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome, kurz PIMS. Übersetzt bedeutet das eine Entzündungserkrankung in verschiedenen Organen bei Kindern. Bisher wurden etwa 400 Fälle von PIMS in Deutschland gezählt, in Großbritannien kommen mittlerweile etwa 100 schwerkranke Kinder mit PIMS pro Woche in die Kliniken. Tückisch ist, dass ein PIMS nicht nur bei Kindern auftreten kann, die zuvor an Covid-19 erkrankt waren, sondern auch nach asymptomatischen Verläufen. Durch schnelle, effektive Behandlung mit entzündungshemmenden Medikamenten kann den meisten kleinen PIMS-Patienten aber gut geholfen werden.

Impfung auch für Kinder gefordert

Um Kindern und Jugendlichen wieder einen gefahrlosen Kita- und Schulbesuch zu ermöglichen, fordern Kinderärzte zunehmend, sie möglichst schnell gegen Sars-CoV-2 zu impfen. Doch Impfstoffe sind für Kinder noch nicht verfügbar, allein der Impfstoff von Biontech/Pfizer ist für den Einsatz ab 16 Jahren zugelassen.

Experten zum Thema

Dr. Jakob Armann, Funktionsoberarzt
Klinik und Poliklinik für Kinder und Jugendmedizin
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus
Fetscherstraße 74
01307 Dresden
www.uniklinikum-dresden.de

Prof. Dr. Egbert Herting, Direktor
Klinik für Kinder- und Jugendmedizin
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein - Campus Lübeck
Ratzeburger Allee 160
23538 Lübeck
www.uksh.de

Dr. Annette Lingenauber, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin
Kinderarztpraxis Hamburg-Stellingen
Försterweg 13
22525 Hamburg
www.praxis-foersterweg.de

 

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Visite | 16.03.2021 | 20:15 Uhr

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