Stand: 27.03.2020 12:54 Uhr  - Visite

Corona: Welches Ansteckungsrisiko bergen Gegenstände?

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Viele Verbraucher haben Angst, sich beim Einkaufen mit dem neuartigen Coronavirus anzustecken.

Das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 kann laut einer US-amerikanischen Laborstudie auf Kunststoff und Edelstahl bis zu 72 Stunden überleben, auf Papier bis zu 24 Stunden. Doch wie hoch ist das tatsächliche Risiko einer Ansteckung über kontaminierte Lebensmittel, Geldscheine, Türklinken und andere Gegenstände? Nach Ansicht deutscher Wissenschaftler sagen die Studienergebnisse wenig über die Gefahr einer Kontaktinfektion (auch Schmierinfektion genannt) im Alltag aus.

Coronavirus: Ansteckung über Gegenstände vermeiden

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Das Coronavirus kann offenbar auch über Gegenstände wie Geldscheine und Türklinken übertragen werden. Doch wie hoch ist das Risiko im Alltag wirklich? Und wie kann man sich schützen?

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Infektionsgefahr im Alltag geringer als im Test

So geht aus der US-Studie nach Ansicht deutscher Experten nicht hervor, in welchem Umfang das Virus auf die Oberflächen gegeben wurde. Sie vermuten, dass die Virus-Menge im Test viel größer war als es im Alltag wahrscheinlich ist.

Beispielsweise gelangen beim Niesen sehr geringe Virus-Mengen auf Oberflächen, etwa eine Türklinke. Fasst man eine kontaminierte Klinke an, verdünnt sich das Sekret weiter und kommt mit dem sauren Milieu der Haut in Berührung. Dadurch sei die Ansteckungsgefahr geringer als im Test. 

Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch

Nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) ist es nicht ausgeschlossen, dass das neuartige Coronavirus über Oberflächen übertragen wird. Hauptübertragungsweg sei jedoch die sogenannte Tröpfcheninfektion, wenn beim Atmen und Sprechen winzige Tröpfchen von einer Person auf die Schleimhäute einer anderen Person gelangen. Die wichtigste Maßnahme, um eine Infektion zu verhindern, ist deshalb Abstand zu anderen Menschen zu halten.

Kontaktlos mit Karte oder Smartphone bezahlen

Das Virus kann auch auf Geldscheinen überleben. Ob die Virus-Menge für eine Infektion ausreicht, ist nicht klar. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann kontaktlos bezahlen, zum Beispiel per Girokarte (EC-Karte) oder per Handy (Google Pay, Apple Pay).

Hände gründlich mit Seife waschen

Handschuhe bringen nichts, wenn man sich damit nach dem Kontakt mit einer verseuchten Fläche ins Gesicht fasst. Am besten während und nach dem Einkaufen das Gesicht nicht berühren und Zuhause sofort intensiv mit Seife oder Spülmittel die Hände waschen. Coronaviren reagieren empfindlich auf fettlösende Substanzen wie Tenside, die in Seifen enthalten sind.

Hygiene beim Umgang mit Lebensmitteln beachten

Viele Lebensmittel wie Erdbeeren und Gurken kommen aus Gebieten, in denen das neuartige Coronavirus weit verbreitet ist, zum Beispiel aus Italien und Spanien. Eine Übertragung über Lebensmittel oder importierte Produkte gilt jedoch als unwahrscheinlich. Dennoch sollten Verbraucher beim Umgang damit die allgemeinen Hygieneregeln einhalten. Erhitzen kann das Infektionsrisiko laut Bundesamt für Risikobewertung weiter verringern.

Wohnung regelmäßig lüften

Wohnräume sollten regelmäßig gelüftet werden, insbesondere wenn jemand erkrankt ist. Laut einer aktuellen Studie werden Coronaviren besonders in Schlaf- und Waschräumen übertragen. Wurden die Krankenzimmer jedoch gründlich gereinigt und desinfiziert, ließen sich keine Sars-CoV-2-Erreger mehr nachweisen.

Wie Desinfektionsmittel gegen Coronaviren wirken

Desinfektionsmittel sind zurzeit knapp. Den erwarteten Nachschub brauchen vor allem Krankenhäuser, Arztpraxen und Risikopatienten. Apotheken dürfen Desinfektionsmittel selbst herstellen - dazu hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Anleitung herausgegeben.

Die Mittel auf Basis von Ethanol, Wasserstoffperoxid und Natriumhypochlorit sind gegen Coronaviren gut wirksam. In der richtigen Konzentration reduzieren sie die Zahl der Viren binnen einer Minute um vier sogenannte Logarithmus-Stufen - also zum Beispiel von einer Million auf nur noch 100 Erreger. Laut Expertenmeinung genügt das in der Regel, um die Gefahr einer Ansteckung deutlich zu reduzieren.

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Experten zum Thema

Prof. Dr. Axel Hamprecht , Virologe
Direktor Universitätsinstitut für Medizinische Mikrobiologie und Virologie
Klinikum Oldenburg AöR
Rahel-Straus-Straße 10
26133 Oldenburg
www.klinikum-oldenburg.de

Weitere Informationen
Robert Koch-Institut (RKI)
Einschätzung zu Schmierinfektionen
www.rki.de

Bundesamt für Risikobewertung (BfR)
www.bfr.bund.de

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Visite | 24.03.2020 | 20:15 Uhr