Stand: 08.06.2020 14:28 Uhr  - NDR Fernsehen

Corona-Folgeschäden: Genesen, aber nicht gesund?

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Jeder zweite Covid-19-Erkrankte leidet an Husten.

Die meisten Erkrankten überstehen eine Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 offenbar unbeschadet. Doch nach einem schweren Krankheitsverlauf von Covid-19 sind die Betroffenen oft auch nach Wochen noch nicht vollständig genesen. Immer mehr Ärzte beobachten, dass die Virusinfektion Auswirkungen auf den ganzen Körper haben kann. Möglicherweise könnten Millionen Menschen unter lebenslangen Folgeschäden durch Covid-19 leiden. Über deren Ausmaß ist allerdings noch wenig bekannt.

Corona-Folgeschäden: Genesen, aber nicht gesund?

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Nach einer Covid-19-Erkrankung mit schwerem Verlauf dauert es oft Wochen, bis Genesene sich wieder fit fühlen. Unklar bleiben mögliche Spätfolgen durch das Coronavirus.

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Ursachen für schwere Krankheitsverläufe

Warum die Krankheit Infizierte unterschiedlich stark trifft, wissen Ärzte nicht. Ihre Vermutungen reichen von genetischer Disposition über körperliche Fitness bis hin zur Viruslast, also der Zahl der Viren. Es gibt sogar Hinweise, dass Menschen mit der Blutgruppe A+ ein höheres Risiko auf einen schweren Verlauf haben könnten als Betroffene mit anderen Blutgruppen. Mit dem Fortschreiten der Pandemie lernen die Mediziner immer mehr über Krankheitsverläufe und Folgeschäden bei Covid-19.

Milder Verlauf ohne Krankenhausaufenthalt

Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO verlaufen rund 80 Prozent aller Sars-CoV-2-Infektionen milde. Etwa jeder zweite der von Symptomen Betroffenen leidet an Husten, 40 Prozent an Fieber - ähnlich wie bei einem grippalen Infekt, allerdings oft deutlich heftiger und länger anhaltend.

Nach einem milden Verlauf fühlen sich viele Erkrankte recht schnell wieder fit und komplett belastbar. Der Genesungsverlauf kann aber individuell sehr verschieden sein und hängt auch von möglichen Begleiterkrankungen ab. Auch bei Betroffenen mit einem milden Verlauf kommt es nicht selten zu einer Hirnbeteiligung mit Veränderungen des Geschmacks- und des Geruchssinns, die sich meist innerhalb von zwei bis drei Wochen zurückbilden. In einigen Fällen bleibt die Störung länger bestehen.

Schwerer Verlauf ohne Beatmung

Rund 20 Prozent der mit Sars-CoV-2 Infizierten erkranken so schwer, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen. Im besten Fall können sie auf einer Normalstation behandelt werden und benötigen nur etwas Sauerstoff, um die Atemnot zu lindern. Andere Betroffene brauchen mehr Sauerstoff, der über einen Plastikschlauch unter der Nase zugeführt wird. Bis sich diese Erkrankten wieder fit und leistungsfähig fühlen, vergehen mehrere Wochen.

Schwerer Krankheitsverlauf mit Beatmung auf der Intensivstation

Reicht eine einfache Sauerstoffgabe nicht mehr aus, werden die Betroffenen auf die Intensivstation verlegt, in ein künstliches Koma versetzt und über einen Schlauch in der Luftröhre maschinell beatmet. Doch die invasive, bei Covid-19 oft über viele Tage oder gar Wochen erforderliche Beatmung birgt Risiken.

  • Je länger die Beatmung dauert, desto schwieriger und langwieriger ist die Entwöhnung von der maschinellen Unterstützung, da der Körper die zum Atmen benötigten Muskeln sehr schnell abbaut. Gerade bei älteren Erkrankten ist es schwierig, die Muskulatur wieder aufzubauen.

  • Die Lunge reagiert empfindlich auf den Überdruck und den der Beatmungsluft zugesetzten Sauerstoff, so dass Lungengewebe irreparabel geschädigt sein kann. Auch in anderen Organen kann eine künstliche Beatmung Schäden verursachen.

  • Über die Schläuche können Bakterien in die Lunge gelangen und dort zusätzlich zur viralen auch zu einer bakteriellen Lungenentzündung führen.

Generell brauchen schwer erkrankte Covid-19-Patienten deutlich mehr Zeit für ihre Genesung als Betroffene mit anderen Lungenentzündungen.

Über Langzeitfolgen ist zudem noch wenig bekannt. Experten rechnen bei schweren Krankheitsverläufen und nach langer Beatmung mit dauerhaften Folgen wie einem verringerten Lungenvolumen. Für diese Menschen sind oft schon leichte Bewegungen so belastend wie Leistungssport.

Forscher in China haben beobachtet, dass Menschen nach schweren Krankheitsverläufen an chronischen Schädigungen des Lungengewebes (Lungenfibrosen) leiden. Auch Schäden an Nieren, Leber, Gehirn und Nervenzellen sind mögliche Folgen. Und es besteht die Gefahr von Thrombosen mit Herzinfarkt, Schlaganfall und Lungenembolie.

Genesung aufmerksam beobachten

Da noch niemand sicher weiß, zu welchen Langzeitfolgen eine Coronavirus-Infektion führen kann, sollten Ärzte Covid-19-Erkrankte nach der Genesung weiter beobachten. Denn inzwischen ist bekannt, dass Sars-CoV-2 praktisch jedes Organ befallen kann. Mitunter treten in der Rehabilitationszeit neue Symptome auf, die eine individuelle Anpassung der Reha-Maßnahmen erfordern.

Weitere Informationen

Coronavirus: So verläuft die Erkrankung Covid-19

Die Symptome nach einer Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 sind eher unspezifisch. Im Gegensatz zur Grippe ist der Husten bei Covid-19 aber eher trocken, das Fieber steigt langsam. mehr

Experten zum Thema

Prof. Dr. Stefan Kluge, Direktor Klinik für Intensivmedizin
Stellv. Leiter Zentrum für Anästhesiologie und Intensivmedizin
Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf
Martinistraße 52
20251 Hamburg
www.uke.de

Prof. Dr. Klaus F. Rabe, Ärztlicher Direktor
LungenClinic Grosshansdorf GmbH
Wöhrendamm 80
22927 Großhansdorf
www.lungenclinic.de

Dr. Melanie Hümmelgen, Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie
Leitende Ärztin der Kardiologischen Abteilung und stellv. Ärztliche Direktorin
RehaCentrum Hamburg
Martinistraße 66
20246 Hamburg
www.rehahamburg.de

Dieses Thema im Programm:

09.06.2020 | 20:15 Uhr

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