Eine Mutter sitzt erschöpft auf einer Treppe, während die Kinder sich um einen Teddybär streiten. © picture alliance / ZB | Patrick Pleul

Corona-Burnout: So bewältigen Mütter Stress und Depressionen

Stand: 27.06.2022 15:11 Uhr

Mütter haben laut Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung während der Corona-Pandemie deutlich mehr zusätzliche Arbeit geleistet als die Väter. Viele Mütter leiden als Folge dessen unter Depressionen und Burnout.

Mütter von schulpflichtigen und noch kleineren Kindern gehören zu den in der Pandemie am stärksten belasteten Menschen. Im ersten Lockdown waren Kitas und Schulen wochenlang geschlossen, Kontakt zu anderen gab es kaum. Das Familien- und Berufsleben spielte sich bei vielen komplett zu Hause ab: Kinderbetreuung im Homeoffice. Diese enorme Last kann schwere gesundheitliche Folgen haben. Inzwischen berichten immer mehr Mütter über Depressionen und Burnout als Folge dieser Zeit.

Symptome der Überlastung

Grübeln und Schlafstörungen, Gefühle der Hilfs- und Sinnlosigkeit, Freudlosigkeit und Antriebslosigkeit: Das können Zeichen einer Depression sein. Manche berichten, dass sie schnell weinen, leicht aus der Fassung geraten geraten oder übermäßig gereizt sind, auch den Kindern gegenüber.

Mütter haben in der Pandemie in der Regel deutlich mehr zusätzliche Arbeit geleistet als die Väter. So gaben im AXA Mental Health Report 2022 etwa 58 Prozent der Mütter an, selten bis nie neue Kraft tanken. Jede achte Frau berichtet, sie habe keine Zeit für sich selbst.

Rolle der Stresshormone

Während kurzfristiger Stress von Körper und Psyche in der Regel gut wieder ausgeglichen werden kann, wird Dauerstress oft zu einem echten Problem: Der Stress-Nerv (Sympathikus) ist ständig aktiviert und die Nebennieren schütten die Stresshormone Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol aus. Sie lassen unseren Blutzucker, die Fettwerte und den Blutdruck steigen.

Der Dauerstress macht krank, führt zu psychischen Störungen bis hin zur Depression und zu körperlichen Symptomen wie Verspannungen, Verdauungsproblemen oder einer Immunschwäche. Atemwegs-, Muskel-Skelett- oder Hauterkrankungen können unter Stressbelastung hervorbrechen, Erschöpfungs- und Schmerzsyndrome gehören zu den häufigen Folgeerscheinungen. Dazu kommen oft eingeschränkte Leistungsfähigkeit, Beweglichkeit, Ausdauer und Koordination.

Rehabilitation und Prävention während Mutter-Kind-Kur

Damit es gar nicht erst so weit kommt, sollte man rechtzeitig gegensteuern. Helfen kann zum Beispiel ein Aufenthalt in einer Kurklinik, die sich auf Vorsorge und Rehabilitation spezialisiert hat. Hier lernen die Frauen, auf sich zu achten, nehmen an Einzel- und Gruppengesprächen teil, an Physiotherapieeinheiten und kreativen Therapieangeboten - und lernen Verhaltensweisen, die sie später im Alltag anwenden können.

Atmen und Meditieren gegen Stress

Auch ohne Kur in der Klinik können Entspannungstechniken wie Atemübungen oder Meditation hilfreich sein, denn sie stärken den Gegenspieler des Stressnerven und reduzieren die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol und beruhigen den Körper nachweislich.

Kostenlose Hilfen, Therapie und Coaching

Frauen, die das Gefühl haben an einer Depression zu leiden und nicht mehr weiter wissen, können sich Hilfe suchen. Beispielsweise bei einer kostenlosen Familienberatungsstelle. In jeder deutschen Stadt gibt es psychologische Beratungsstellen, Beratungsstellen für Ehe-, Familien- und Lebensfragen, psychosoziale Beratungsstellen oder sozialpsychiatrische Dienste. Die Bundeskonferenz für Erziehung e.V. bietet kostenfreie Onlineberatung an. Über das Elterntelefon der "Nummer gegen Kummer" bekommen Betroffene kostenfreie und anonyme Hilfe. Auch wenn die Wartelisten für Psychotherapie-Plätze oft lang sind, lohnt sich der Aufwand nach professioneller Hilfe zu suchen.

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Visite | 28.06.2022 | 20:15 Uhr

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