Stand: 05.02.2018 13:12 Uhr

Cholesterin: Krank durch Lipoprotein

Kommt es schon in jungen Jahren (unter 60) zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall, kann ein angeborener Defekt des Fettstoffwechsels die Ursache sein. Dabei kommt es zu einer erhöhten Produktion des Fett-Transport-Eiweißes Lipoprotein (a) - kurz Lp(a) - in der Leber. Lipoproteine sind Eiweißstoffe, die den Transport von Fetten im Blut ermöglichen.

Ein Patient liegt im Krankenhaus.

Cholesterin: Krank durch Lipoprotein

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Zu viel Lipoprotein (a) im Blut kann die Ursache für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall in jungen Jahren sein. Der erhöhte Cholesterin-Wert ist nur schwer therapierbar.

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Cholesterin-Arten: HDL, LDL und Lp(a)

Fette können im Blut nicht frei schwimmen. Sie werden als kleine Kügelchen von Transport-Eiweißen (Lipoproteinen), transportiert. Es gibt verschiedene Lipoproteine unterschiedlicher Größe, Dichte und Zusammensetzung:

  • Lipoproteine hoher Dichte werden als High-Density-Lipoproteine (HDL) bezeichnet und gelten als das "gute Cholesterin", weil sie beim Abbau von Fettablagerungen in der Gefäßwand helfen.
  • Die sogenannten Low-Density-Lipoproteine (LDL) lagern Cholesterin an den Gefäßwänden ab und führen dadurch zur Bildung von Ablagerungen (Plaque). Deshalb werden sie oft als "schlechtes Cholesterin" bezeichnet.
  • Das Lipoprotein (a) ist dem LDL sehr ähnlich, lagert auch Cholesterin an den Gefäßwänden ab. Zusätzlich greift es in die Blutgerinnung ein und behindert das Auflösen von Blutgerinnseln (Thromben).

Ursachen für erhöhte Lipoprotein-Werte

Was ist Lipoprotein (a)?

Lipoprotein (a) besteht aus zwei Eiweißketten: Apolipoprotein A und B. Ob der Lipoprotein-(a)-Wert im Blut hoch oder niedrig ist, wird vererbt und hängt von der Länge der Apolipoprotein-A-Kette ab.

Die Höhe des Lipoprotein-(a)-Werts im Blut ist in der Regel erblich bedingt und lässt sich nicht durch einen veränderten Lebensstil mit cholesterinarmer Ernährung und Sport beeinflussen. Allerdings können auch einige Krankheiten zu einem erhöhten Lipoprotein-(a)-Wert führen, zum Beispiel Nierenerkrankungen, Diabetes mellitus oder eine Schilddrüsenunterfunktion.

Höheres Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall

Der Normalwert von Lipoprotein (a) liegt bei bis zu 30 Milligramm pro Deziliter (mg/dl). Sind der Lipoprotein-(a)-Wert und der LDL-Wert zugleich erhöht, bedeutet das ein deutlich erhöhtes Risiko für Arteriosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall. Denn zusammen sorgen das Lipoprotein (a) und das LDL dafür, dass die Ablagerungen immer größer werden, das Gefäß einengen und verstopfen.

Gefährlich wird es, wenn eine Ablagerung (Plaque) einreißt und sogenannte Fibrinfäden ein Netz bilden, um den Riss stopfen. Ein Gerinnsel entsteht. Wird es zu groß, droht ein Gefäßverschluss. Um das zu vermeiden, schickt der Körper das Enzym Plasmin, um das Netz zu zerstören. Lipoprotein (a) stört die Arbeit des Plasmins. So wächst das Blutgerinnsel weiter und kann möglicherweise zu einem Gefäßverschluss führen. Geschieht das in einem Herzkranzgefäß, kommt es zu einem Herzinfarkt, bei einer Hirnarterie zu einem Schlaganfall.

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Interview: Zu viel Lipoprotein im Blut

06.02.2018 20:15 Uhr
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Zu viel Lipoprotein (a) im Blut kann die Ursache für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall sein. Welche Therapien sinnvoll sind, erklärt Lipidologin Dr. Sibille Tröster. Video (04:53 min)

Test bei erblicher Vorbelastung

Häufig bleibt ein erhöhter Lipoprotein-(a)-Wert unbemerkt und wird nicht einmal bei einem Herzinfarkt in jungen Jahren untersucht. Hinweis auf ein erbliches Risiko gibt in vielen Fällen eine Häufung von Herz- und Gefäßerkrankungen oder sogar Todesfällen in der Familie.

Um den Verdacht zu überprüfen, genügt ein einfacher Lipoprotein-(a)-Labortest für rund 15 Euro. Experten raten zu dem Test, wenn man selbst in jungen Jahren einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine Durchblutungsstörung des Beins bekommt oder wenn mehrfach solche Erkrankungen in der Familie aufgetreten sind, ohne dass es eindeutige Risikofaktoren wie zum Beispiel Rauchen oder Bluthochdruck vorliegen. Der Test muss nur einmal durchgeführt werden, weil der Lipoprotein-(a)-Wert genetisch festgelegt ist und im Laufe des Lebens kaum schwankt.

Therapie bei erhöhtem Lipoprotein-(a)-Wert

Mit Medikamenten lässt sich der Lipoprotein-(a)-Wert kaum beeinflussen. Senken lässt er sich in geringem Maße durch Nikotinsäure und ihre Abkömmlinge und durch künstliche Antikörper gegen ein bestimmtes Enzym (PCSK9-Hemmer). Bei erhöhtem Lipoprotein-(a)-Wert müssen deshalb unbedingt alle anderen Risikofaktoren bekämpft werden, um die Adern vor Ablagerungen zu schützen. Dazu gehört: Rauchen einstellen, mehr Bewegung, Bluthochdruck senken, gesund ernähren, LDL-Cholesterin mit Medikamenten (Statine) senken und bei Diabetes den Blutzuckerspiegel optimal einstellen.

Lipidapherese filtert Fett aus dem Blut

Wenn Diät, Bewegung und Medikamente erhöhtes LDL-Cholesterin und Lipoprotein (a) nicht ausreichend senken, ist eine spezielle Blutwäsche (Lipidapherese) die letzte therapeutische Möglichkeit.

Dabei wird das Blut wie bei einer Dialyse in einer Maschine außerhalb des Körpers gereinigt (extrakorporale Blutreinigung) und wieder zurückgeführt. Das Verfahren wird seit Jahrzehnten erfolgreich eingesetzt und kann das Fortschreiten der Arteriosklerose am Herzen und in anderen Gefäßen aufhalten, indem es LDL-Cholesterin und weitere Faktoren der Arteriosklerose wie Lipoprotein (a) und Triglyceride aus dem Blut filtert.

Die Lipidapherese kann den Lipoprotein-(a)-Wert um bis zu 80 Prozent senken. Allerdings müssen Betroffene ihr Blut einmal pro Woche filtern lassen, da es immer wieder neu in der Leber gebildet wird. Außerdem ist das Verfahren teuer und belastet den Körper. Die Kostenübernahme für die Lipidapherese wird per Einzelfallantrag von den Kommissionen der Kassenärztlichen Vereinigung und der Krankenkasse geprüft.

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Interviewpartner

Dr. Sibille Tröster, Internistin, Nephrologin, Lipidologin
Dr. Ralf Müller, Internist, Nephrologe
Gemeinschaftspraxis Nierenzentrum Ammerland
Mozartstraße 30, 26655 Westerstede
Tel. (04488) 84 41-0, Fax (04488) 84 41-41
Internet: www.dialysewesterstede.info

Weitere Informationen
Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen und ihren Folgeerkrankungen DGFF (Lipid-Liga) e.V.
Mörfelder Landstraße 72, 60598 Frankfurt am Main
Tel. (069) 963 652 18, Fax (069) 963 652 15
Internet: www.lipid-liga.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 06.02.2018 | 20:15 Uhr

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