Stand: 27.05.2015 09:38 Uhr  | Archiv

"Schrittmacher sind meist nicht MRT-tauglich"

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Kardiologe Prof. Wolfram Terres hat Zuschauerfragen im Chat beantwortet.

Wenn das Herz krankhaft zu langsam schlägt, wird nicht mehr ausreichend Blut durch den Körper gepumpt. Die Betroffenen verspüren Schwäche und Luftnot. Im Gehirn führt diese mangelnde Durchblutung zu Schwindel bis hin zur Ohnmacht. Im schlimmsten Fall bricht der Kreislauf zusammen, ein lebensgefährlicher Zustand. Doch mit einem Herzschrittmacher lässt sich die Gefahr bannen.

Prof. Wolfram Terres, Chefarzt der Kardiologie am Allgemeinen Krankenhaus Celle, war am 26. Mai zu Gast im Visite Studio und danach im Chat. Das Protokoll zum Nachlesen:

katz-lieb: Wenn der Puls zwischen 58 und 60 liegt, und das fast jeden Tag, muss ich was unternehmen? Ich bin 63 Jahre alt, 1,72 Meter groß und wiege 74 Kilo. Das Herz ist okay, Bronchitis ist vorhanden.

Prof. Wolfram Terres: Wenn Sie keine Symptome wie Ohnmachtszustände oder Schwindelgefühl haben und wenn der Puls bei Belastungen ansteigt, brauchen Sie nichts unternehmen. Nur bei Symptomen besteht Abklärungsbedarf.

carlo: Ich habe seit einigen Jahren einen Herzschrittmacher. Nun möchte ich mir einen Induktionsherd anschaffen. Doch ich habe erfahren, dass dies schädlich für den Schrittmacher ist. Stimmt das?

Terres: Normalerweise sind alle gängigen Haushaltsgeräte so weit abgeschirmt, dass eine Beeinträchtigung eines Schrittmachers nicht zu befürchten ist.

Volker: Wie lange dauert der Aufenthalt in der Klinik beim Einsetzen eines Defi/Schrittmachers?

Terres: Beim Einsetzen eines Schrittmachers einen Tag, beim Einsetzen eines Defibrillators zwei Tage.

Derek F.: Kann es gar lebensgefährlich werden, wenn sich eine oder beide verankerten Elektroden im Herzen lösen? Wie gestaltet sich der "natürliche Tod" wenn man einen Herzschrittmacher trägt?

Terres: Gefährlich werden kann es vor allem, wenn sich die Sonde in der Herzkammer löst. Ein Verlust der Funktion der Vorhofsonde ist dagegen meist weniger gefährlich. Wenn die Herzkraft aufgrund einer schweren Erkrankung nachlässt, wird ab einem bestimmten Punkt auch die Stimulation durch einen Herzschrittmacher den Tod nicht verhindern.

sabine: Wann und mit welcher Begründung wird der Herzschrittmacher auf der rechten Seite eingesetzt?

Terres: Einen normalen Herzschrittmacher kann man rechts oder links im Brustbereich einsetzen. In den meisten Fällen wird der Schrittmacher rechts implantiert, weil das für einen Rechtshänder als Implanteur der bequemere Zugang ist.

Helmut: Wie funktioniert ein Batteriewechsel?

Prof. Wolfram Terres: Der Begriff "Batteriewechsel" ist etwas irreführend, da bei Batterieerschöpfung eines Schrittmachers stets das gesamte Gerät ausgetauscht wird. In der Regel werden dabei die Elektroden wiederverwendet. Der Austausch erfolgt in örtlicher Betäubung, in der Regel ambulant.

Epeos: Angeblich sind alle Herzschrittmacher MRT-sicher. Zur genauen (dreidimensionalen) Lagebestimmung meines Tumors wäre statt einer CT eine MRT nötig. Gibt es hierzu eine Möglichkeit?

Terres: Die meisten Herzschrittmacher sind nicht MRT-tauglich. Seit circa fünf Jahren gibt es jedoch Aggregate und Sonden, mit denen eine MRT-Untersuchung möglich ist. Bislang wurden diese Geräte selten implantiert, weil sie sehr teuer waren. Vor einer MRT-Untersuchung müssen Sie sich also erkundigen, ob Sie ein MRT-fähiges Gerät haben.

Erika: Ich habe seit 2009 einen Herzschrittmacher. Beim Strecken des rechten Armes drückt sich der Schrittmacher an die Außenhaut, sodass ich ihn mit der linken Hand beidseitig erfassen kann. Sollte ich es operativ ändern lassen, vor allem auch, weil ich zweimal im Jahr mehrere Wochen in Spanien verbringe? Das Problem besteht seit circa zwei Jahren. Ansonsten funktioniert der Schrittmacher einwandfrei.

Terres: Eine operative Verlagerung des Schrittmachers ist nur erforderlich, wenn Sie durch die Lage des Gerätes Schmerzen haben.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 26.05.2015 | 20:15 Uhr

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