Stand: 03.02.2016 10:49 Uhr  - Visite  | Archiv

Vorhofflimmern: "ASS wird nicht mehr empfohlen"

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PD Dr. Christian Veltmann ist Kardiologe in Hannover.

Das Vorhofflimmern ist die häufigste Form der Herzrhythmusstörungen. Etwa 1,8 Millionen Menschen in Deutschland leiden daran - mit einem stark erhöhten Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden. Neue Untersuchungen zeigen jetzt, dass durch Änderungen des Lebensstils überraschend viel bei der Behandlung von Vorhofflimmern erreicht werden kann - zum Beispiel durch Gewichtsabnahme, gesunde Ernährung und Bewegung. Häufig lässt sich so die Wirkung von Medikamenten oder anderen Therapien entscheidend verbessern.

PD Dr. Christian Veltmann von der Medizinischen Hochschule Hannover hat Ihre Fragen im Chat beantwortet. Hier können Sie das Protokoll nachlesen.

Hans: 2013 hatte ich einen Gehirnschlag, die Ursache konnte nicht korrekt bestimmt werden. Am Herzen wurde Vorhofflimmern festgestellt, es wurde ein Ereignisrekorder implantiert. Ich nehme Marcumar. Ich fühle mich abgespannt und müde und habe Luftnot. Kann das alles mit dem Vorhofflimmern zusammenhängen?

PD Dr. Christian Veltmann: Ja, es kann mit dem Vorhofflimmern zusammenhängen. Allerdings ist wichtig, dass eine strukturelle Herzerkrankung beim Kardiologen abgeklärt wird (Pumpfunktion, Klappenfehler).

Hutten: Wie bemerke ich, ob ich Vorhofflimmern habe? Kann ich an einem Pulsmessgerät das Flimmern feststellen?

Veltmann: Vorhofflimmern äußert sich über einen unregelmäßigen Puls. Sie können jeden Morgen für eine Minute den Puls am Handgelenk fühlen. Sollte er unregelmäßig sein, stellen Sie sich beim Hausarzt zu einem EKG vor.

hans: Ich habe seit 2001 einen Herzschrittmacher und bin sehr zufrieden. Bei der letzten Schrittmacherkontrolle wurde ausgelesen, dass ich einmal ein Vorhofflimmern hatte. Die Episode dauerte fünf Minuten und 25 Sekunden, der Puls war 167 Schläge pro Minute. Ich habe nichts davon mitbekommen. Mir wurde daraufhin das Medikament Xarelto verordnet. Nun meine Frage: Ist eine solche Therapie angebracht? Ich muss sagen, ich habe weiterhin keine Beschwerden, mache aber auch viel moderaten Ausdauersport.

Veltmann: Eine Blutverdünnung bei Vorhofflimmern ist bei entsprechendem Schlaganfallrisiko zu empfehlen. Die Dauer der Vorhofflimmer-Episode ist grenzwertig. Wir wissen allerdings nicht, ob Sie zwischen den Schrittmacherkontrollen auch Vorhofflimmern haben - zumal Sie es nicht merken. Von daher würde ich die Blutverdünnung bei entsprechendem Schlaganfallrisiko zunächst fortsetzen.

kdf: Ich habe seit sieben Jahren Vorhofflimmern. Ich nehme Marcumar und Digimerck. Gibt es eine Alternative zu Digimerck?

Veltmann: Digimerck wird zur Frequenzkontrolle des Vorhofflimmerns eingesetzt. Wenn mit dem Medikament die Kontrolle gelingt, kann man es fortsetzen. Alternativen wären Betablocker oder Verapamil.

Mario: Ich habe seit circa 30 Jahren Vorhofflimmern. Im Juni 2014 wurde eine Katheterablation durchgeführt, leider trat das Vorhofflimmern immer wieder auf. Im Dezember wurde eine Herzklappenrekonstruktion durchgeführt, mit gleichzeitiger chirurgischer Ablation. Die Klappenrekonstruktion ist gelungen, das Vorhofflimmern tritt in circa dreiwöchigen Abständen wieder auf. Eine weitere Katheterablation wird nur mit 30 bis 50 Prozent als Erfolg versprechend beurteilt. Ich nehme Metohexal retard, 47,5 Milligramm, sowie Digimerck, 0,07 Milligramm. Gibt es noch eine Möglichkeit, damit ich von diesem langen Leiden loskomme?

Veltmann: Die Aussichten, nach 30-jähriger Vorhofflimmerdauer langfristig einen Sinusrhythmus wiederherzustellen, sind sehr gering. Es gibt Rhythmusmedikamente, die das Herz unterstützen, im Sinusrhythmus zu bleiben. Diese können Sie nach Rücksprache mit Ihrem Kardiologen einsetzen, sonst bliebe in der Tat nur eine weitere Katheterablation mit entsprechend niedrigen Erfolgswahrscheinlichkeiten.

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