Stand: 24.08.2016 11:05 Uhr  | Archiv

Protokoll: Verdauungsbeschwerden natürlich behandeln

Porträt von Prof. Jost Langhorst. © Prof. Jost Langhorst
Prof. Dr. Jost Langhorst ist am Zentrum für Integrative Gastroenterologie der Kliniken Essen-Mitte tätig.

Früher wussten unsere Großmütter noch, welches Kraut gegen Bauchschmerzen, Durchfall, Blähungen oder Verstopfung gewachsen war. Doch mit der Zeit ist dieses uralte Wissen in Vergessenheit geraten. Dabei wirken Pflanzen gerade bei Verdauungsproblemen besonders gut, oft besser als künstlich hergestellte Medikamente. Die Naturheilmittel - Phytopharmaka genannt - sind zudem eine sinnvolle Ergänzung bei der Behandlung von Unverträglichkeiten.

Prof. Jost Langhorst, Gastroenterologe aus der Uniklinik in Essen, hat Zuschauerfragen zum Thema im Chat beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen.

Naturheilmittel für die Verdauung: Die häufigsten Fragen und Antworten

 

Gibt es pflanzliche Hilfsmittel bei einer Magenschleimhautreizung, Gastritis Typ A (Magenschleimhautentzündung) beziehungsweise bei zu viel Magensäure?
Der Klassiker ist Iberogast - dreimal 20 Tropfen. Begleitend kann man Kamillen- und Süßholzwurzeltee einsetzen. Außerdem: Leinsamenschleim selbst machen und gegebenenfalls eine Kur mit Heilherde (Luvos, dreimal einen Messbeutel über sechs Wochen).

Unbekannt: Ich habe Probleme mit plötzlich extrem auftretender Übelkeit, gepaart mit einem Druckgefühl oberhalb des Bauchnabels (Gefühl, als wenn ein Gürtel enger gezogen wird). Keiner findet was: MRT, CT, Kapselendoskopie - alles ohne Befund. Gibt es hier vielleicht auch etwas im Phytobereich?

Langhorst: Bewährt haben sich Ingwertee, Iberogast-Tropfen, und ich würde Ihnen eine Kur mit Heilherde empfehlen (Luvos-Heilerde), dreimal einen Messbeutel täglich für mindestens sechs Wochen.

kai: Habe in Abständen immer wieder verstärkt Übelkeit mit Aufstoßen, Völlegefühl, Zungenbrennen und vermehrtes Schwitzen. Zwar Appetit, aber nach dem Essen Magenschmerzen. Was könnte helfen?

Langhorst: Ich würde mit Kräutertees beginnen: Ingwertee, Anis, Fenchel, Kümmel. Zudem ist Leinsamenschleim eine sehr gute Selbsthilfestrategie. Und ich würde Ihnen eine Kur mit Heilerde empfehlen (Luvos-Heilerde), ebenfalls einen Messbeutel täglich für mindestens sechs Wochen. Und natürlich Iberogast-Tropfen.

Elisabeth: Ich trinke seit rund zehn Jahren eine Teemischung aus Faulbaumrinde, Walnussblättern, Süßholzwurzel und Sennesblättern. Hilft besser als beispielsweise Laxoberal-Tropfen, nämlich völlig natürlich, ohne Krämpfe, ohne Durchfall. Ist einer der Stoffe gefährlich für den Darm, wie ein Apotheker mal meinte?

Langhorst: Tatsächlich sollte man bei Sennesblättern vorsichtig sein und sie nicht langfristig einsetzen.

Unbekannt: Ich habe ständig Blähungen und Bauchkrämpfe, begleitet von Schwindel. Eine Fruktose- und Laktose-Unverträglichkeit wurde festgestellt, aber auch durch Weglassen dieser Dinge wurde es nicht besser. Jetzt heißt es, ich hätte ein Leaky-Gut-Syndrom (einen durchlässigen Darm). Ich habe einen Beta-Defensin-2-Wert von 273,4 ng/ml. Der Normwert liegt laut Laborbefund bei < 23,0 ng/ml. Was kann man dagegen tun? Ich habe schon über zehn Jahre diese Probleme.

Langhorst: Zunächst einmal muss eine umfassende Diagnostik abgeschlossen werden, die unter anderem auch spezielle Stuhluntersuchungen beinhaltet. Als Selbsthilfestrategien eignen sich Kräutertees und eine Kümmel-Leibauflage. Begleitend würde ich Carminativum-Hetterich-Tropfen, dreimal 20, etwa 30 Minuten vor den Mahlzeiten einnehmen. Zur Verbesserung eines Leaky-Gut-Syndroms haben sich gute Bakterien (Probiotika) bewährt, zum Beispiel Mutaflor.

Christel: Ich habe das Problem, dass der untere Darmabschnitt während oder nach dem Sport extrem krampft. Eine Darmspiegelung hat nichts Auffälliges ergeben. Ich weiß nicht, welcher Arzt für dieses Problem zuständig ist und mir helfen kann.

Langhorst: Prinzipiell ist ein Gastroenterologe oder ein Proktologe zuständig. Wichtig wäre, dass dieser sich auch im Bereich komplementärer Verfahren auskennt. Bei langfristigen Verläufen können zum Beispiel Akupunktur oder Neuraltherapie hilfreich eingesetzt werden.

Papi: Mein Vater leidet laut dem Arzt unter einem Reizdarm. Er muss ständig Kortison zu sich nehmen, um den Durchfall in den Griff zu bekommen. Gibt es nicht eventuell doch eine Alternative? Flohsamen und Kijimea haben nicht geholfen.

Langhorst: Reizdarm und Kortison passen nicht zusammen. Beim Reizdarmsyndrom sollten verschiedene Therapiemaßnahmen aus dem Bereich Bewegung, Ernährung, Entspannungsverfahren und pflanzlichen Medikamenten eingesetzt werden. Nur bei sehr schweren Verläufen sollte man an synthetische Medikamente zur Symptomreduktion denken.

Unbekannt: Ich bin 49 Jahre alt und leide seit über 15 Jahren unter kollagener Colitis. 10-15 Mal pro Tag wässriger Durchfall und Blähungen sind normal. Eine Kurztherapie mit Kortison brachte kurzfristig Linderung. Nach dem Absetzen war alles so schlimm wie vorher. Dauerhaft Kortison kommt für mich nicht infrage. Gibt es eine andere Therapieform, die Linderung bringen könnte? Leider lässt sich mein Arzt auf eine alternative Therapie nicht ein.

Langhorst: Ich würde Ihnen empfehlen, das Präparat Myrrhinil Intest, dreimal vier Tabletten täglich, über drei Monate einzunehmen (das wird leider nicht von der Krankenkasse bezahlt). Alternativ kann man einen Therapieversuch mit einem Weihrauchpräparat machen. Fragen Sie dazu Ihren Apotheker.

  • Teil 1: Naturheilmittel für die Verdauung: Die häufigsten Fragen und Antworten
  • Teil 2:

Dieses Thema im Programm:

Visite | 23.08.2016 | 20:15 Uhr

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