Stand: 17.08.2016 10:10 Uhr  | Archiv

Chat-Protokoll zum Thema Schwindel

Porträt von Neurologe Björn Machner. © Björn Machner
PD Dr. Björn Machner aus der Schwindelambulanz Lübeck war bei Visite zu Gast im Chat.

Heftige Schwindelattacken, oft begleitet von Übelkeit und Erbrechen, kommen meist völlig unerwartet. Um der Ursache des Schwindels auf die Spur zu kommen, müssen Betroffene zunächst mal den richtigen Arzt finden. Denn je nach Art der Schwindelanfälle sind beispielsweise HNO-Arzt oder Neurologe die richtigen Ansprechpartner: Häufig wird der Schwindel durch eine Störung der Gleichgewichtsorgane verursacht - er kann aber auch durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen hervorgerufen oder durch ein orthopädisches oder neurologisches Problem verursacht werden.

Wann muss man sich wegen Schwindel überhaupt Sorgen machen? Und wann zu welchem Arzt?

PD Dr. Björn Machner, Neurologe und Schwindelexperte aus Lübeck, hat Zuschauerfragen zum Thema im Chat beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen.

Schwindel: Die Fragen und Antworten

Unbekannt: Kann eine Schwindelambulanz auch in einer schwindelfreien Phase die Ursache von Drehschwindel finden? Es ist kaum möglich, zur Sprechstunde zu kommen, wenn es mir schlecht geht.

Dr. Björn Machner: Ja, das ist durchaus möglich. Auch im beschwerdefreien Intervall kann man über die Symptombeschreibung und zusätzliche Untersuchungen eine mögliche Diagnose stellen. Alternativ kann man sich bei einer akuten Schwindelepisode auch zu jeder Tageszeit in einer Notaufnahme vorstellen, um einmal eine Attacke live zu sehen und einzuordnen.

Unbekannt: Können Nervenschäden im Bein/Fuß nach einem Bandscheibenvorfall mit OP Ursache für Schwindel sein? Oder eine Polyneuropathie?

Machner: Ein einseitige Bandscheibenvorfall mit Gefühlsstörungen führt in der Regel nicht zu einem Schwankschwindel. Typischer ist ein Schwankschwindel bei der Polyneuropathie, da in beiden Füßen viele Nerven untergehen.

Unbekannt: Seit vier Jahren leider ich unter Schwindel. Erst hatte ich einen Hörsturz, dann einen Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule mit OP, dann kam der Schwindel. Nun bin ich bei der Diagnose: Verdacht auf Morbus Menière. Lässt sich diese Diagnose genau sichern?

Machner: Tatsächlich ist die Kombination aus Schwindel und Hörstörung (Hörverlust oder -minderung oder Ohrgeräusch) verdächtig für einen Morbus Menière. Gesichert wird die Diagnose über die Art und Häufigkeit der Attacken. Und im Intervall ohne Attacke kann eine Audiometrie, also eine Messung der Hörleistung, eine sogenannte Tieftonsenke zeigen.

Unbekannt: Ich leide seit Längerem an Schwindel beim Gehen. Mit Gymnastik und Massage am Halswirbel konnte ich das Problem immer wieder beheben. Eines Tages hatte ich zusätzlich eine Erkältung, die mit Antibiotika behandelt werden musste. Außer Schwindel bekam ich eine Kraftminderung an der rechten Körperhälfte. Ich wurde im Krankenhaus mit einer hohen Dosis Aspirin behandelt, aber der Schwindel ist noch da. Und in der rechten Körperhälfte treten Druckschmerzen an Kopf, Arm und Bein sporadisch auf. Woran kann es liegen, und was soll ich machen?

Machner: Tritt der Schwindel gemeinsam mit Halbseitensymptomen (halbseitige Lähmung oder Gefühlstörungen des Körpers) auf, muss tatsächlich an eine Durchblutungsstörung im Gehirn gedacht werden und eine stationäre Abklärung erfolgen.

Unbekannt: Ich habe öfter Schwindel beim Aufstehen von einer Liegeposition (Sofa). Wie ist hier vorzugehen?

Machner: Tritt der Schwindel beim Aufsetzen an die Sofakante auf, kann es sich sehr wahrscheinlich um einen gutartigen Lagerungsschwindel handeln. Kommt der Schwindel hingegen erst beim Hinstellen, kann eine Kreislaufdysregulation die Ursache sein.

Gaby S.: Kann man Schwankschwindel mit Benommenheit durch starke Verspannungen an der Halswirbelsäule bekommen? Ich hatte von Januar bis Mai einen heftigen Lagerungsschwindel, der spät erkannt und behoben wurde. Aber bis heute habe ich starke Nackenschmerzen und Verspannungen, eventuell durch das Gegensteuern des Lagerungsschwindels. Die Magnetresonanztomografie (MRT) ergab: MRT vom Kopf ist in Ordnung, MRT von der HWS: geringe Protrusion von Halswirbelkörper 6/7 ohne Kompression nervaler Strukturen. Welche Therapie kann mir helfen?

Machner: Sie beschreiben einen typischen Krankheitsverlauf bei Lagerungsschwindel. Tatsächlich berichten viele Patienten durch die Schonhaltung des Kopfes und des Nackens im Rahmen des Lagerungsschwindels über spätere Nackenverspannungen und Schmerzen. Das hat nichts primär mit der Halswirbelsäule (HWS) zu tun, auch Ihr MRT-Befund der HWS ist ohne Krankheitswert. Die Behandlung ist wie folgt: Erstens: durch die Lagerungsmanöver den Lagerungsschwindel loswerden. Zweitens: sekundäre Nackenverspannungen durch lokale Wärme, Massage und möglichst normale Bewegungen (nicht Schonung!) behandeln.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 16.08.2016 | 20:15 Uhr

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