Stand: 30.03.2016 10:37 Uhr  | Archiv

Schilddrüse: "Kalte Knoten sind gefährlicher"

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Experte im Visite Chat: Prof. Jochen Kußmann.

Jedes Jahr werden in Deutschland 150.000 Menschen wegen Knoten in der Schilddrüse behandelt, rund 90.000 von ihnen werden in der Folge operiert. Viel zu oft, sagen Experten, denn viele Störungen der Schilddrüse können heute mit Medikamenten oder einer Bestrahlung behandelt werden. Ist eine Operation unumgänglich, muss nicht immer das gesamte Organ entfernt werden. Oft ist es möglich, eine Seite der Schilddrüse funktionsfähig zu erhalten.

Prof. Jochen Kußmann vom Endokrinen Zentrum der Schön Klinik Hamburg-Eilbek hat Fragen im Chat beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen:

Monberg: Bereits 1990 wurde ich an einer Seite der Schilddrüse operiert - wegen 'kalter Knoten'. Das Gewebe ist nachgewachsen und knotig. Welche Untersuchung ist notwendig und welche Blutwerte sind zu kontrollieren?

Prof. Jochen Kußmann: Man sollte zunächst eine Ultraschalluntersuchung machen und wenn sich dort verdächtige Knoten zeigen, sollte man diese punktieren und das Punktat unter dem Mikroskop untersuchen.

Many: Bei Medikamenteinnahme sollte welcher TSH-Zielwert erreicht werden?

Kußmann: Zwischen ein und zwei Units pro Milliliter.

Lusi: Vor einem Jahr hat man bei mir einen kalten Knoten entdeckt, etwa eineinhalb Zentimeter groß. Wie groß darf der Konten werden, bevor man operiert?

Kußmann: Vor einer eventuellen OP sollte man den Knoten auf jeden Fall punktieren und das Calcitonin im Blut messen. Wenn das Punktionsergebnis unauffällig ist und das Calictonin normal ist, kann man den Knoten in Ruhe beobachten.

nori: Sind kalte Knoten gefährlich? Ich habe gelesen, dass kalte Knoten gefährlicher sind als heiße? Was kann man machen, damit keine OP notwendig werden?

Kußmann: Stimmt, kalte Knoten sind gefährlicher. Wenn die Knoten eine Größe von einem Zentimeter überschritten haben, sollte man sie punktieren. Und wenn sich dort auffällige Befunde zeigen, auch operieren.

Mira: Ich habe am 8. April die Schilddrüsen-OP. Mir würde gesagt, ich habe einen verkalkten, unbegrenzten Knoten. Der Verdacht besteht, dass ich deswegen Krebs habe. Die ganze Schilddrüse wird rausgenommen, weil ich viele kalte Knoten habe. Würden Sie es auch raten, die ganze Schilddrüse rausnehmen?

Kußmann: Das ist aus der Ferne schwer zu beurteilen. Dazu müsste man das gesamte Ultraschallbild sehen.

HG M: Ist es möglich, durch Diagnostik (Biopsie) vor einer Entfernung sicher zu bestimmen, ob es sich um einen Karzinom handelt?

Kußmann: Ja, schon mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit, von sicher mehr als 80 Prozent.

Manuela: Ich hatte ein Schwannom auf einem Schilddrüsenlappen, der entfernt wurde. Kommt sowas häufiger vor?

Kußmann: Sehr selten.

Susanne: Vor neun Jahren wurde meine Schilddrüse wegen Krebsverdacht fast ganz entfernt. Seitdem nehme ich Thyroxin. Muss ich die Restschilddrüse noch sonografisch kontrollieren lassen? Und wenn ja, wie häufig?

Kußmann: Wenn der Ultraschallbefund derzeit unauffällig ist, sollten Zwei-Jahresabstände ausreichend sein.

martina: Bei mir wurden Knoten in der Schilddrüse diagnostiziert, und einer davon hat sich zur Zyste entwickelt. Bisher wurde die Flüssigkeit per Kanüle "herausgezogen". Aber mein Internist meint, dass man vielleicht doch mal operieren sollte. Gibt es noch mehr Möglichkeiten?

Kußmann: Nein, leider nicht. Der Versuch, eine solche Zyste zu veröden, erscheint mir zu gefährlich.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 29.03.2016 | 20:15 Uhr

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