Stand: 21.02.2017 23:15 Uhr  | Archiv

Chat-Protokoll zum Thema Magensäureblocker

Dr. Ulrich Rosien im Interview
Dr. Ulrich Rosien hat im Chat Zuschauerfragen beantwortet.

Viele Menschen nehmen sogenannte Protonenpumpenhemmer (Magensäureblocker) für den Magen. Doch inzwischen weiß man mehr über mögliche Nebenwirkungen. Neben dem schon länger bekannten Osteoporoserisiko und dem Risiko für chronische Nierenerkrankungen besteht die Gefahr, dass die Mittel die Sensibilität des Magens erhöhen statt ihn zu beruhigen.

Der Gastroenterologe Dr. Ulrich Rosien hat Fragen zum Thema im Visite Chat beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen.

Conny: Seit Anfang Januar (bis voraussichtlich Ende März) nehme ich begleitend zur Chemotherapie (Brustkrebs) präventiv täglich eine Omeprazol ein. Stehen Prävention und Risiken in einem vernünftigen Verhältnis zueinander?

Dr. Ulrich Rosien: Es kann bei einer Chemotherapie sinnvoll sein, das zu kombinieren. Sie sollten mit Ihrem Arzt darüber sprechen, ob die Medikamente, die Sie bekommen, tatsächlich das Risiko einer Magenblutung erhöhen. Ist das der Fall, können Sie die Magensäureblocker auch nehmen.

Michael: Ich verspüre mehrmals in der Woche einen sauren Geschmack im Mundraum und eine pelzige Zunge. Unter dem Brustbein oder im Halsbereich verspüre ich kein Brennen. Liegt hier auch eine Form des Sodbrennens vor? Kann man dies zum Beispiel mit Säure-Teststäbchen im Mundraum eruieren? Ist auch in dieser Situation eine Behandlung mit PPI angezeigt?

Rosien: Ein Zusammenhang mit der Magensäure ist nicht anzunehmen. Viel eher kann in Ihrem Fall ein Vitamin- oder Eisenmangel vorliegen. Eine Säuretestung im Mund ist nicht sinnvoll, ebenso keine Behandlung mit PPI.

Unbekannt: Ich vertrage Pantoprazol und Nexium Mups nicht. Welche alternativen Medikamente kommen für die Behandlung einer Entzündung der Speiseröhre in Frage?

Rosien: Bei einer seltenen Unverträglichkeit gegenüber allen PPI (es gibt ja noch weitere PPI, die Sie ausprobieren können) kann man auf andere Medikamente ausweichen (zum Beispiel Ranitidin). Bei milder Symptomatik empfehle ich die in der Sendung genannten Verhaltensmaßnahmen: schiefe Ebene, Gewichtsreduktion, letzte Mahlzeit zwei Stunden vor dem Hinlegen, keine beengende Kleidung, individuelle Auslöser wie zum Beispiel Kaffee, Zitrusfrüchte, Süßigkeiten oder Alkohol weglassen.

Nele: Ich habe seit einigen Jahren starke Osteoporose und nehme auch Omeprazol gegen Magenschmerzen. Verursacht Omeprazol Osteoporose?

Rosien: Omeprazol und andere PPI machen zwar keine Osteoporose, führen aber vermehrt zu Knochenbrüchen. Wenn also eine Osteoporose vorliegt, sollte eine Behandlung mit PPI nur mit gesicherter Begründung erfolgen. Allgemeine Magenschmerzen (ohne Magengeschwüre) gehören nicht dazu.

Unbekannt: Aufgrund eines Schlaganfalls vor 15 Jahren soll ich ASS 100 oder Clopidogrel nehmen. Beide Medikamente versuchen schlimme Magenschmerzen, sodass ich Säureblocker nehmen muss. Gibt es eine Alternative zur Blutverdünnung?

Rosien: Ich würde mit beidem weitermachen, da beide Medikamentengruppen in Ihrem Fall begründet sind und Sie in der Abwägung von Nutzen und Risiken profitieren. Was Sie machen können: Faktoren, die die Magenschmerzen Ihrer eigenen Erfahrung nach verschlechtern, weglassen.

Unbekannt: Meine Frage zu den Protonenpumpenhemmern: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, an Demenz zu erkranken, wenn man das Medikament aufgrund einer Refluxerkrankung schon über viele Jahre einnimmt? Es gibt aussagekräftige Studien, dass die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch ist - dies zu wissen, bereitet mir sehr großes Unbehagen.

Rosien: Die bisherigen Erkenntnisse zu PPI und Demenz ergeben sich ausschließlich aus der Betrachtung großer Patientengruppen außerhalb von wissenschaftlichen Studien. Eine dieser Studien stammt aus Deutschland und sieht eine Risikozunahme um 20 Prozent. Es gibt eine zweite Studie aus Deutschland, die eine Risikoreduktion um drei Prozent sieht. Es gibt also bislang nur einen Hinweis auf einen möglichen Zusammenhang, der aber gar kein ursächlicher sein muss. Ein Beispiel: Im letzten Jahrhundert war der vermehrte Umsatz von Cola vergesellschaftet mit einem Rückgang der Magenkrebs-Häufigkeit. Der Zusammenhang ist aber der Gebrauch eines Kühlschranks und nicht die schützende Wirkung der Cola.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 21.02.2017 | 20:15 Uhr

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