Stand: 26.10.2016 12:29 Uhr  | Archiv

Chat-Protokoll zum Thema "grauer Star"

Priv. Doz. Dr. med. Andrea Hassenstein, Fachärztin für Augenheilkunde am Universitäts-Augenklinik Hamburg Eppendorf © Hassenstein, Universitäts-Augenklinik Hamburg Eppendorf
Dr. med. Andrea Hassenstein hat Fragen zum Thema grauer Star im Chat beantwortet.

Der graue Star (Katarakt), also die Trübung der Augenlinse, ist eine der häufigsten Augenerkrankungen im Alter. Die einzige erfolgversprechende Therapie ist die Operation. Pro Jahr werden in Deutschland rund 600.000 solcher Kataraktoperationen durchgeführt. In 95 Prozent der Fälle ist das Sehvermögen anschließend wiederhergestellt, in den restlichen Fällen zumindest teilweise. Die Auswahl der Kunstlinsen, die die eigene eingetrübte Linse ersetzen sollen, wird dabei immer größer. Der Patient muss sich vor dem Eingriff für eine Einstärkenlinse, die im Alltag in der Regel durch eine Brille ergänzt werden muss, oder eine Multifokallinse entscheiden, die eine Brille meist ganz ersetzt, dafür aber andere Nachteile hat.

Dr. Andrea Hassenstein, Expertin für Augenheilkunde, hat Fragen zum Thema beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen.

Ursula: Ich trage bifokale Kontaktlinsen. Vor fünf Jahren wurde ein Glaukom diagnostiziert. Anfang kommenden Jahres soll ich wegen des grauen Stars operiert werden. Welche Nachteile können entstehen, wenn künstliche bifokale Linsen eingesetzt werden?

Dr. med. Andrea Hassenstein: Beim Glaukom sollte man keine bi-/multifokalen Linsen einsetzen. Diese können nur bei gesunden Augen eingesetzt werden.

Gini: Mein grauer Star wurde durch neue Linsen behoben. Rechts wurde eine Linse eingesetzt, mit der ich (wie gewünscht) in der Ferne gut sehen kann. Links habe ich aber eine Linse erhalten, mit der ich in der Ferne nicht so gut, wohl aber im näheren Bereich gut sehen kann. Mich stört das "ungleiche" Sehen, insbesondere beim Autofahren. Gibt es eine Korrekturmöglichkeit für das linke Auge (zum Beispiel Nachlasern)?

Hassenstein: Es gibt Korrekturmöglichkeiten durch Lasern oder durch eine zweite Kunstlinse - praktisch zum Gleichschalten beider Augen.

Alex: Welchen Vorteil hat die Operation mit dem Femtosekundenlaser gegenüber der konventionellen Methode?

Hassenstein: Vor allem hornhautkranke Patienten haben durch den Femto-Laser einen Vorteil. Es gibt aber keinen Nachteil durch die konventionelle Methode.

Grauer 50er: Wie viel Prozent der Sehfähigkeit können mit Multifokallinsen wiedergewonnen werden? Gibt es Nachteile der Multifokallinsen, zum Beispiel nachts?

Hassenstein: Das, was Sie mit dem Sehzentrum schaffen. Nachteile: mögliche Blendempfindlichkeit nachts.

Frau S. aus Hamburg: Nach dem Einsetzen von bifokalen Linsen zeigt sich beim Betrachten von Dingen mit scharfen Konturen (besonders Schrift) ein zusätzliches Schattenbild. Gibt es außer dem vorgeschlagenen Austausch gegen eine monofokale Linse noch andere Möglichkeiten, diesen Effekt zu verringern?

Hassenstein: Eventuell wäre eine Laserbehandlung eine Alternative.

Alex: Ich (68 Jahre) bin seit meiner Jugend kurzsichtig (-7,5). Mit Brille und Kontaktlinsen sehe ich recht gut. Mein Arzt stellte jedoch fortgeschrittenen grauen Star fest und drängt mich zur OP. Es bestünde die Gefahr, dass der Kapselsack platzen könnte. Auf den einschlägigen Info-Seiten - auch von Uni-Kliniken - heißt es stets, das Risiko steige nicht, wenn die OP hinausgezögert werde. Ich bin ratlos - und möchte eigentlich noch warten.

Hassenstein: Der Zeitpunkt der OP wird durch Sie bestimmt. Kurzsichtigkeit stellt grundsätzlich kein erhöhtes Risiko dar.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 25.10.2016 | 20:15 Uhr

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