Stand: 25.01.2017 07:59 Uhr  | Archiv

Chat-Protokoll zum Thema Cholesterin

Prof. Sebastian Schmidt im Studio.
Prof. Dr. Sebastian Schmid hat Fragen zum Thema Cholesterin beantwortet.

Sind die Cholesterinwerte dauerhaft zu hoch, können sie zu einer Arteriosklerose und dann wiederum zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall führen. Oft werden diese Werte vererbt: Zu hohes Cholesterin gehört in Deutschland zu den häufigsten genetischen Stoffwechselerkrankungen.

Der Endokrinologe Prof. Dr. Sebastian Schmid hat Fragen zum Thema im Visite Chat beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen.

Snoopy: Ich nehme aufgrund größerer Nebenwirkungen (zum Beispiel Muskelkrämpfe und Magenprobleme) von Atorvastatin 20 mg (schon alle Statine und Nicht-Statine durchprobiert) nur alle zwei bis drei Tage eine Tablette. Reicht das auch? Ist doch besser, als gar keine zu nehmen, oder? Wert LDL liegt bei 220, HDL bei 48 trotz vegetarischer Ernährung.

Prof. Dr. Sebastian Schmid: Solche Nebenwirkungen kommen bei einer Statintherapie durchaus vor und oftmals hilft ein Umstellen der Therapie auf ein anderes Statin oder die Hinzunahme eines zweiten Wirkstoffes, zum Beispiel Ezetimib. Hilfreich kann auch eine niedrigere Dosierung sein, da wir wissen, dass die Nebenwirkungen dosisabhängig sind. Ziel sollte es dennoch sein, das LDL-Cholesterin zuverlässig und dauerhaft zu senken.

Klaus: Ist es problematisch, wenn auf einer Seite der Eltern die Onkel am Herzinfarkt gestorben sind? Beide Eltern sind aber nicht betroffen.

Schmid: Das muss an sich noch nicht problematisch sein. Dennoch kann man sicherlich den Fettstoffwechsel einmal untersuchen.

Erika: Besteht die Möglichkeit, einen leicht erhöhten LDL-Wert durch Nahrungsergänzung in Form von Aminosäuren zu senken?

Schmid: Eine Ernährungsmodifikation ist immer die Basis jeglicher Stoffwechseltherapie. Dabei sollte insbesondere die Aufnahme tierischer Fette verringert werden. Auch zeigen Nahrungsmittel wie beispielsweise Hafer einen cholesterinsenkenden Effekt. Eine Nahrungsergänzung durch "Aminosäuren" wird derzeit nicht empfohlen.

Unbekannt: Unser Hausarzt hat meiner Mutter und mir erhöhte Blutfettwerte diagnostiziert, jedoch keine Maßnahmen angeordnet. Sollte man die Blutfettwerte in regelmäßigen Abständen kontrollieren lassen? Sollte das ein Hausarzt tun oder ein Spezialist?

Schmid: Das kommt auf die Höhe der Blutfettwerte und gleichzeitig vorhandene Risikofaktoren an. Prinzipiell kann der Hausarzt den Fettstoffwechsel gut untersuchen und wird das im Falle eines Problems auch regelmäßig tun.

Iris: Mein Vater hat einen LP(a)-Wert von über 120, daher habe ich mich (weiblich, 35, 160 cm, 48 kg, Nichtraucher, keine Diabetes, etc.) kürzlich auch testen lassen. Mein Lp(a) lag bei 80. Die sonstigen Cholesterinwerte sind eher niedrig. Sollte ich Cholesterinsenker nehmen und mich den Nebenwirkungen aussetzen?

Schmid: Der Lp(a)-Wert ist bei Ihrem Vater und auch bei Ihnen erhöht. Hier würde ich die Vorstellung in einer Lipidsprechstunde empfehlen.

Irmsche: Ich habe einen LDL-Wert von 315. Ich bin nur leicht übergewichtig. Meine Mutter hat auch hohe Werte. Meine Ärztin sagt, dies muss noch nicht behandelt werden, da die Tabletten so starke Nebenwirkungen haben. Was soll ich tun? Endokrinologe?

Schmid: Ein LDL-Wert von 315 ist zu hoch und sollte in Abhängigkeit von Ihrem weiteren Risikoprofil (Rauchen, Diabetes, Übergewicht) behandelt werden.

Unbekannt: Tochter, 30 Jahre, hat Eisenspeicherkrankheit und zu hohes Lipoprotein. Großvater mit 52 am Herzinfarkt gestorben, Onkel mit 56 am Herzinfarkt verstorben. Was tun?

Schmid: Die Tatsache, dass in Ihrer Familie gehäuft Herzinfarkte in frühem Lebensalter vorgekommen sind und wohl eine Störung im Fettstoffwechsel vorliegt, sollte dazu führen, sich in einer Spezialsprechstunde für Fettstoffwechselstörungen vorzustellen.

Rosi: Ich habe einen Cholesterinwert von 263-270. Eltern und drei Geschwister hatten bereits einen Herzinfarkt. Muss ich mir bei dem Wert Gedanken machen? Ich bin 53 Jahre und in den Wechseljahren. Ich gehe jährlich zur Kontrolle.

Schmid: Es liegt wohl eine familiäre Vorbelastung vor und wenn das LDL-Cholesterin bei 270 ist, ist das etwas, das man behandeln sollte.

Dieses Thema im Programm:

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