Stand: 28.03.2018 11:05 Uhr  | Archiv

Chat-Protokoll: Rheumabehandlung

Der Internist Dr. Hans-Georg Pott
Der Internist Hans-Georg Pott hat Fragen zum Thema Rheumabehandlung beantwortet.

Eine Operation, die Entfernung und Glättung der entzündeten Gelenkhaut, galt noch vor zehn Jahren als wirksamstes Mittel gegen die quälenden Schmerzen und Versteifungen, die eine rheumatische Gelenkerkrankung mit sich bringt. Gentechnisch hergestellte Medikamente, Biologicals, die in Kombination mit den etablierten Rheumamitteln gegeben werden, bewirken inzwischen, dass die Erkrankung häufig deutlich weniger aggressiv verläuft. Wirken diese Medikamente aber nicht ausreichend oder werden sie zu spät eingesetzt und kommt es deshalb zu einer Zerstörung des Gelenks, kann in Einzelfällen nur noch das Einsetzen eines künstlichen Gelenks helfen.

Der Internist Dr. Hans-Georg Pott hat Fragen zum Thema Rheumabehandlung im Visite Chat beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen.

Karin: Nach Einsatz einer Knieprothese keine Besserung der Schmerzen. Rheumapatient seit 20 Jahren.

Dr. Hans-Georg Pott: Auch nach einer Knieprothese können Reizzustände des Kniegelenkes auftreten. Eine erneute Vorstellung beim Operateur zur Nachuntersuchung würde ich empfehlen.

Zahnfee: Ich leide an chronischer Polyarthritis. In meiner Familie kommt Osteoporose vor. Ist das für mich von Bedeutung? Sollte ich eine Knochendichtemessung machen lassen?

Pott: Bei familiären Osteoporose-Risiko würde ich eine Knochendichtemessung empfehlen.

Salzburg: Beschwerden ohne Rheumafaktor im Blut - ist das auch möglich?

Pott: Ja, auf jeden Fall. Circa 80 Prozent der entzündlichen rheumatischen Erkrankungen haben anfangs keinen Rheumafaktor im Blut. Eine rheumatologische Untersuchung wird im Verdachtsfall empfohlen.

Tina: Dürfen bei Zustand nach Lungentuberkulose (1976) bei aktuell rheumatoider Arthritis und Polymyalgia rheumatica Biologika verabreicht werden oder sind diese kontraindiziert?

Pott: Es muss vorher geklärt werden, ob noch ein positiver Tuberkulose-Antikörper-Test (Quantiferon-Test) vorliegt. Falls ja, können Biologika nur nach einer Vorbehandlung eingesetzt werden.

B.Ruth: Ist das Medikament "Otezla" (Ampremilast) auch ein Biologikum?

Pott: Es ist nicht direkt ein Biologikum, wird aber in diese Gruppe von Medikamenten eingeordnet und wird zur Behandlung der Psoriasis-Arthritis eingesetzt.

SilWi: Ich (44) habe seit einiger Zeit am rechten Zeigefingergrundgelenk Schmerzen. Leichter Stoß mit dem Finger tut tierisch weh. Ist das ein Zeichen für Rheuma?

Pott: Es könnte ein Hinweis auf eine Arthritis sein. Insbesondere wenn kein Zustand nach Verletzung vorliegt.

Rheumali: Kann man durch Rheuma auch Sehnenscheidenentzündungen bekommen? Reduziere gerade Kortison und heute wurde eine Sehnenscheidenentzündung im Handgelenk festgestellt. Habe eine axiale Spondyloarthritis!

Pott: Bei Spondyloarthritis können Sehnenscheidenentzündungen im Krankheitsverlauf häufiger vorkommen, die eventuell durch die Kortison-Reduzierung begünstigt sein könnten.

Karina-sh: Ich habe nach acht Wochen nach der TEP noch Schmerzen und nehme zweimal täglich Oxicodon 5 mg.

Pott: Das muss durch eine Nachuntersuchung beim Operateur geklärt werden.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 27.03.2018 | 20:15 Uhr

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