Stand: 18.09.2018 22:26 Uhr  | Archiv

Chat-Protokoll: Künstliches Kniegelenk

Dr. Christian Sturm zu Gast bei Visite.
Dr. Christian Sturm hat Zuschauerfragen im Visite Chat beantwortet.

Immer mehr Menschen in Deutschland bekommen eine künstliches Kniegelenk, und das immer früher. Einer Studie zufolge ist die Zahl solcher Operationen um rund 20 Prozent gestiegen, in einigen Regionen ist diese Zahl sogar noch deutlich höher. Gerade für junge Patienten besteht die Gefahr, dass das künstliche Kniegelenk später ausgetauscht werden muss, denn solche Prothesen halten nicht ewig. Was steckt hinter den steigenden Zahlen? Und wann macht ein künstliches Kniegelenk wirklich Sinn?

Der Orthopäde Dr. Christian Sturm von der Medizinischen Hochschule Hannover hat im Visite Chat Fragen zum Thema künstliches Kniegelenk beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen.

Berthold: Wächst der Knorpel nach, wenn die Belastung abgestellt wird?

Dr. Christian Sturm: Knorpel wächst leider nicht nach. Es kann sich aber ein Ersatz aus Bindegewebe bilden, sodass die Oberfläche wieder glatter wird. Durch eine gute Zentrierung des Gelenkes und eine muskuläre Stabilität kann auch der Druck reduziert werden.

Newby: 38 Jahre alt, Gonarthrose dritten Grades, Jägerhutpatella, X-Beine. Treppenstufen steigen kaum möglich. Starke Schmerzen dabei. Orthopäde rät erst zur Achskorrektur. Betreibe Kraft- und Ausdauersport zwei- bis dreimal die Woche. Was würden Sie raten?

Sturm: Versuch der Stabilisierung durch muskuläre Kräftigung und das genannte propriozeptive Training versuchen. Wenn die Achse sehr stark abweicht, kann eine Achskorrektur aber eine sinnvolle Maßnahme sein.

Anett B.: Habe Arthrose unter der Kniescheibe. Ist eine OP da möglich? Erfolgsquote? Bin 53 Jahre alt.

Sturm: Auch dafür gibt es eine Ersatzoperation, wo die Knorpelfläche der Kniescheibe ersetzt wird.

Selina: Darf man mit einem künstlichen Knie wieder knien?

Sturm: Ja.

Sybille: Ich habe seit elf und 13 Jahren auf beiden Seiten Endoprothesen. Ich bin heute 55 Jahre alt, die Entscheidung damals habe ich nicht bereut. Aber mein Orthopäde meint jetzt, ein Austausch ist bald nötig. Woran merke ich, dass ein Austausch wirklich notwendig ist?

Sturm: Wenn die Belastungsschmerzen wieder zunehmen, so wie es damals der Fall war, bevor Sie die Prothesen bekommen haben, deutet dies auf eine Lockerung der Prothesen hin. Dann sollte durch spezielle Bildgebung geklärt werden, ob die Prothesen noch fest sind, zum Beispiel durch eine Szintigrafie, wenn das Röntgenbild nicht aussagekräftig genug ist.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 18.09.2018 | 20:15 Uhr

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