Stand: 24.04.2018 22:51 Uhr  | Archiv

Chat-Protokoll: Herz-TÜV

Die Kardiologin Prof. Renate Schnabel im Studiogespräch.
Die Kardiologin Prof. Dr. Renate Bonin-Schnabel hat im Visite Chat Fragen zum Thema beantwortet.

Bei Patienten, die unter Vorhofflimmern leiden, kommt das Herz immer mal wieder aus dem Tritt. Wenn sich der Vorhof dabei vorübergehend nicht bewegt, fließt das Blut langsam und kann gerinnen. Läuft dann alles wieder rund, können solche Blutgerinnsel über Arterien in den Körper gespült werden. Gelangen sie ins Gehirn, kommt es zum Schlaganfall. Um Vorhofflimmern frühzeitig zu erkennen und die Gefahr eines Schlaganfalls zu senken, fordern Experten ein Screening mit Pulsmessen und EKG für alle Menschen ab 65 Jahren.

Die Kardiologin Prof. Dr. Renate Bonin-Schnabel hat im Visite Chat Fragen zum Thema Herz-TÜV beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen.

Camper: Hatte vor neun Jahren eine erfolgreiche Katheterablation. Jetzt ist das Vorhofflimmern wieder da. Mein Kardiologe sagt, ich sei ein Grenzfall. Bisorolol wurde wieder abgesetzt. Bin voll belastbar auf dem Ergometer (200 Watt, 65 Jahre alt). Was raten Sie?

Prof. Dr. Renate Bonin-Schnabel: Die Entscheidung zur Ablation ist eine individuelle, die Therapie bisher eher symptomatisch. Wenn das Vorhofflimmern nicht im Alltag beeinträchtigt, ist man eher zurückhaltend mit einer Katheteruntersuchung.

Zwiebel: Kann Vorhofflimmern durch Extrasystolen ausgelöst werden?

Bonin-Schnabel: Ja, Vorhofflimmern kann auch durch Extrasystolen ausgelöst werden.

Nicci75: Im Ruhezustand fängt das Herz an zu rasen und mir wird schwarz und schummrig wie Watte im Kopf. Ist das gefährlich?

Bonin-Schnabel: Die Symptome deuten auf eine möglicherweise ernsthafte Rhythmusstörung hin.

Cardio: Bei mir wurde beim Check-up einmalig eine absolute Arrhythmie aufgezeichnet. Diese wurde durch mehrmalige EKGs, Pulstastung durch den Arzt und einem Langzeit-EKG nicht wiederholt. Muss ich mir Sorgen machen oder kann es sich auch um ein einmaliges Ereignis handeln? Leide u.a. unter Hypertonie, Sinustachykardie und Asthma. Beim Blutdruckmessen zeigt das Gerät immer wieder Rhythmusstörungen an. Wie verlässlich sind diese Messungen?

Bonin-Schnabel: Eventuell tritt die Rhythmusstörung doch häufiger auf (Anzeige Blutdruckmessgerät). Ein erneutes Langzeit-EKG kann vielleicht das oft anfallsweise auftretende Vorhofflimmern finden.

Imke: Wird man für die Studie immer per Zufall ausgewählt oder kann man sich auch selbst dafür bereitstellen?

Bonin-Schnabel: Für die Hamburg City Health Study wird man zufällig ausgewählt. Leider kann man sich nicht freiwillig melden.

JKM23: Ich bin 37, weiblich und bemerke schon seit Jahren hin und wieder "Herzstolpern" und Pulsaussetzer. Eine Untersuchung beim Hausarzt hat nichts ergeben. Was kann ich tun?

Bonin-Schnabel: Bei anfallsweisen Herzrhythmusstörungen helfen zur Diagnose wiederholte Langzeit-EKGs. Zusätzlich gibt es mittlerweile auch einfach zu bedienende Geräte, die den Herzrhythmus bei Bedarf oder bei Symptomen aufzeichnen, teilweise sogar integriert in Smartphone-Apps. Diese können den Verdacht auf Herzrhythmusstörungen erhärten.

Sabrina: Wenn man einen zu schnellen Puls und einen Herzkatheter mit EPU hatte, hat man mehr Risiko?

Bonin-Schnabel: Wenn einmal Vorhofflimmern vorgelegen hat, besteht ein hohes Risiko für erneutes Vorhofflimmern, selbst nach Katheterablation.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 24.04.2018 | 20:15 Uhr

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