Stand: 23.01.2018 22:18 Uhr  | Archiv

Chat-Protokoll: Gutartige Prostatavergrößerung

Der Kieler Urologe Professor Peter Braun.
Prof. Dr. Peter Martin Braun hat im Online-Chat Fragen beantwortet.

Anders als vor einer Operation wegen Prostatakrebs machen sich vor einem Eingriff wegen einer gutartig vergrößerten Prostata wenige Männer Sorgen um mögliche Folgen wie Inkontinenz und Impotenz. Aber auch dieser Eingriff kann zumindest vorübergehend solche Auswirkungen haben. Was kann man dann tun? Wann muss eine gutartige Prostatavergrößerung überhaupt operiert werden?

Ihre Fragen zum Thema gutartige Prostatavergrößerung hat der Urologe Prof. Dr. Peter Martin Braun aus Kiel im Chat beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen:

Peter: Ich habe eine gutartig vergrößerte Prostata. Innerhalb der letzten eineinhalb Jahren hatte ich drei Blasenentzündungen. Ob die Prostata tatsächlich dafür verantwortlich ist, weiß ich nicht. Ist ein operativer Eingriff erforderlich?

Prof. Dr. Peter Martin Braun: Sie brauchen eine urologische Abklärung, ob zum Beispiel Resturin da ist, der für die Blasenentzündung verantwortlich ist. Gegebenenfalls kann dann zunächst mit Medikamenten versucht werden, den Restharn zu reduzieren, was dann häufig jahrzehntelang funktioniert, ohne dass operiert werden muss.

81825: Funktioniert die Embolisation? Risiken und Nebenwirkungen?

Braun: Embolisation ist ein neues Verfahren, bei dem die Durchblutung der Prostata gezielt reduziert wird, und dadurch kommt es zum Schrumpfen der Prostata - im Gegensatz zur Operation allerdings in allen Bereichen der Prostata und nicht nur in den Bereichen, die verantwortlich sind für die Symptome der gutartigen Vergrößerung der Prostata.

Herr Becker: Mein Vater ist 91 Jahre. Seit Jahren wird er wegen einer Prostatavergrößerung behandelt. Nun sprach sein Urologe von OP. Muss er jetzt davon ausgehen, dass Krebs entstanden ist? Und operiert man einen Patienten in seinem Alter noch?

Braun: Nein, vermutlich liegt eine Blasenentleerungsstörung vor. Das heißt, die Blase entleert sich nur unzureichend und die Alternative zu einer operativen Verkleinerung der Prostata wäre eine Dauerkatheterversorgung. Dies möchte der Urologe vermutlich vermeiden.

Hellemut: Was sagen Sie zu Sägepalme und Lycopin, die ich seit 20 Jahren nehme? Werde ich um einen OP-Eingriff herumkommen?

Braun: Die Lycopine spielen eine Rolle, um der Entstehung eines Prostatakrebses vorzubeugen. Die Sägepalmenextrakte sind zur Verbesserung der Symptome einer gutartigen Vergrößerung der Prostata einzusetzen. Wenn Sie keine Symptome haben und keine Anzeichen für eine bösartige Veränderung, gibt es keinen Grund, an eine Operation zu denken.

Holgar: Ab wie viel Milliliter Restharn ist eine Gefahr für die Niere gegeben?

Braun: 250 Milliliter und mehr.

Marielu: Wie wird Restharn außer beim Arzt erkannt? Kann man das zu Hause erkennen und wie?

Braun: In der Regel nur durch Ultraschall, der nach dem Wasserlassen gemacht wird.

Tommy: Wie ist das Verhalten bei einer Blasenhalsverengung und einer geplanten Einkerbung? Muss man hier mit denselben Nebenwirkungen rechnen?

Braun: Ja, man muss mit einem Samenerguss in die Blase rechnen.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 23.01.2018 | 20:15 Uhr

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