Sendedatum: 17.11.2015 20:15 Uhr  - Visite  | Archiv

Chat-Protokoll zum Thema "Blutverdünner"

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Experte von der Medizinischen Hochschule Hannover: Prof. Andreas Tiede.

Sie gehören zu den wichtigsten Arzneimitteln der modernen Medizin, denn sie können Schlaganfälle, Lungenembolien und Herzinfarkte verhindern: Medikamente, die die Gerinnung des Blutes hemmen und dadurch die Entstehung von lebensbedrohlichen Blutgerinnseln stoppen. Durch die Einführung neuer Wirkstoffe, haben sich neue Möglichkeiten der Behandlung eröffnet. Für wen sind die Blutverdünner der neuesten Generation geeignet, wer sollte bei den bewährten alten Mitteln bleiben?

Prof. Andreas Tiede, Hämatologe an der Medizinischen Hochschule Hannover, hat Ihre Fragen im Chat beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen:

tomhb: Ich habe eine künstliche Herzklappe und muss daher lebenslang Marcumar nehmen. Außerdem habe ich Arthrose im Knie. Nehmen Salben wie Mobilat Einfluss auf den INR-Wert - wenn Sie über längeren Zeitraum genommen wird. Kann ich Akupunktur bekommen oder kann es Probleme wegen der Blutverdünnung geben?

Prof. Andreas Tiede: Salben beeinflussen den INR-Wert nicht, weil nur wenig Wirkstoff in das Blutgefäßsystem aufgenommen wird. Akupunktur ist meistens auch kein Problem. Nur falls Sie wirklich Blutungen nach einer Anwendung beobachten, muss die Therapie mit dem Therapeuten angepasst werden.

roland: Für welchen der neueren Antikoagulantien gibt es inzwischen ein erprobtes Gegenmittel bei starken Blutungen?

Tiede: Diese Tage wird ein Gegenmittel gegen Pradaxa (Dabigatran) auf den Markt gebracht. Das ist das erste. Gegenmittel gegen die anderen neuen Medikamente (zum Beispiel Xarelto oder Eliquis) sind noch in Studien.

Tiffi: Wie eben in der Sendung gezeigt, gibt es verschiedene neue Gerinnungshemmer. Was ist der Unterschied zwischen Pradaxa, Eliquis und Co.?

Tiede: Pradaxa (Dabigatran) hemmt das Gerinnungs-Protein "Thrombin". Xarelto (Rivaroxaban) und Eliquis (Apixaban) hemmen den Faktor Xa. Das ist sehr ähnlich. Die Wirksamkeit ist die gleiche. Unterschiedlich ist vor allem die Ausscheidung aus dem Körper (bei Pradaxa ist die Niere sehr wichtig) und das Gegenmittel.

John: Was ist bei einer Operation? Ist bei den neuen Mitteln auch eine Umstellung auf Heparin erforderlich?

Tiede: Man setzt die neuen für einen bis vier Tage (je nach OP-Größe und Nierenfunktion) vorher ab, kein Heparin als Ersatz. Nach der OP kann man entweder direkt mit dem neuen Gerinnungshemmer weitermachen oder für ein paar Tage erst einmal nur eine Thrombose-Prophylaxe mit einem Heparin machen. Beides ist möglich. Bei großen, gefährlichen Operationen ist es eher Heparin.

Dirk Jaeger: Gibt es Hinweise, ob und in welchem Umfang blutverdünnende Medikamente das Immunsystem beeinflussen?

Tiede: Wenig. Für den Blutverdünner Heparin gibt es einige Informationen zur Beeinflussung des Immunsystems, die man aber nicht verallgemeinern kann. Bei Krebserkrankungen hat sich in Tierversuchen gezeigt, dass eine Blutverdünnung die Bildung von Metastasen reduzieren kann.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 17.11.2015 | 20:15 Uhr

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