Stand: 09.03.2021 10:39 Uhr

Chat-Protokoll: Bluthochdruck, Schambeinentzündung, Hypermobilität

Dr. Melanie Hümmelgen © NDR Foto: Frederik Brandt
Melanie Hümmelgen leitet die kardiologische Abteilung des Reha-Centrums Hamburg.

Bewegung als Medizin: Wie kann ich selbst vorbeugen oder meine Erkrankung lindern? Was kann ich etwa bei Bluthochdruck oder Überbeweglichkeit der Gelenke tun? Welche Übungen gibt es, um eine Schambeinentzündung zu lindern? Um diese Themen ging es am Montag, den 8. März 2021, in Folge 13 der Bewegungs-Docs.

Nach der Sendung hat Dr. Melanie Hümmelgen Fragen im Chat beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen.

Christine: Ich möchte wissen, ob viermal 40 Minuten Ausdauertraining besser ist als zweimal 80 Minuten.

Dr. Melanie Hümmelgen: Prinzipiell empfehlen wir mindestens 150 Minuten Ausdauersport pro Woche. Für das Herzkreislauftraining gerade zur Therapie des Bluthochdrucks empfehle ich gern viermal 40 Minuten, da ich hier bessere Effekte sehe und vor allem Überbelastungen der Gelenke vermieden werden können.

Melanie K.: Ich habe eine Symphysenlockerung durch zwei Schwangerschaften und Geburten innerhalb von zwei Jahren. Kann ich durch Übungen meine Schmerzen loswerden? 

Hümmelgen: Gerade nach Schwangerschaften und Geburten können unsere Übungen aus der Sendung gut helfen. Ich empfehle Ihnen, dies aber gemeinsam mit einer Physiotherapeutin zu starten.

Unbekannt: Kann ich statt Rudern auch Radfahren als Ausdauertraining nutzen? 

Hümmelgen: Ja, Radfahren ist ein wunderbarer Ausdauersport, den Sie auch sehr gut steuern und anpassen können an Ihre individuelle Fitness.

MichaelH: Aus welchem Grund ist das Rudergerät nicht für jeden Bluthochdruckpatienten geeignet?

Hümmelgen: Wichtig ist beim Rudern, dass keine schweren Blutdruckspitzen auftreten - und dass die großen Gefäße im Bauch oder Brustkorb nicht erweitert sind. Dann wäre Rudern nicht das richtige Training, sondern zum Beispiel Nordic Walking besser. 

Orchidee: Inwieweit ist Rudern ein Kraftsport? Oder handelt es sich dabei um eine reine Ausdauersportart? Kann man mit Rudern klassische Kraftübungen ersetzen? Wenn ja, welche? 

Hümmelgen: Das ist eine sehr gute Frage: Rudern ist sowohl ein Ausdauersport als auch ein Kraftraining, das ich für unseren Patienten gerade aufgrund seines Alters ideal fand. Denn gerade ab 50 müssen wir unbedingt darauf achten, Muskulatur zu bewahren oder noch besser - wenn es gelingt - aufzubauen.

Unbekannt: Diese Sendung zeigt immer neue Übungen, mit denen auch ältere Menschen beweglich werden ohne Medikamente. Danke dafür.

Hümmelgen: Vielen herzlichen Dank. Ihre Rückmeldung motiviert uns, weiterzumachen.

Ulrike: Ich bin Dialysepatientin, nachdem mir vor gut einem Jahr die Transplantatniere entfernt wurde, entwickele ich jetzt einen Hochdruck. Obwohl ich viermal pro Woche eine Stunde Rad fahre und nach der Dialyse walke. Ich brauche immer mehr Medikamente. Haben Sie noch einen Tipp für mich?

Hümmelgen: Gerade nierenkranke Patienten und hier besonders Dialysepatienten leiden häufig unter Bluthochdruck, der nur schwer behandelbar ist. Ausdauersport ist auf jeden Fall das Richtige für Sie. Sie sollten weiter aktiv bleiben. Vielleicht probieren Sie auch noch mal Tai Chi oder QiGong.

Mike: Ich (männlich, 49) leide seit einigen Jahren ebenfalls unter Bluthochdruck, mit Medikamenten beherrschbar. An fehlender Bewegung liegt es nicht (Triathlet, derzeit Mountainbike), Ernährung und Gewicht sind in Ordnung, jedoch zum Teil stressiger Beruf. Nach zwei Tagen ohne Tablette (versuchsweise) ist der Blutdruck wieder hoch. Was könnte man tun? Geht es nur über autogenes Training und ähnliches?

Hümmelgen: Als Triathlet haben Sie natürlich bereits ein Top-Ausdauerpensum. Ich empfehle Ihnen in der Tat, mal andere Dinge zusätzlich noch auszuprobieren: Yoga, Tai Chin, Qi Gong und autogenes Training setzen einen anderen Fokus und können oft helfen. Wichtig ist natürlich, dass andere spezifische Ursachen des Bluthochdrucks ausgeschlossen sind. Bleiben Sie dran! 

Heike: Ist zügiges Spazierengehen als Ausdauersport zu bewerten? Ich bin 70 Jahre alt und gehe regelmäßig spazieren, meistens circa eine Stunde oder länger. Trotzdem habe ich Bluthochdruck, besonders der diastolische Wert ist oft zu hoch. 

Hümmelgen: Zügiges Spazierengehen ist auch sehr zu empfehlen und hat positive Effekte. Oft ist es aber nicht ausreichend intensiv. Die Übergänge zum Nordic Walking sind aber ja fließend - in Tempo und mit den Stöcken. Hier erreichen Sie oft mehr. Aber klar ist: Jeder Schritt zählt, um unserem Ziel von 10.000 Schritten am Tag näher zu kommen. Bleiben Sie aktiv.

Sabine: Wie hoch darf der Blutdruck beim Training gehen? Ab wann würde es gefährlich?

Hümmelgen: Diese Frage wird mir oft gestellt, ist aber leider pauschal nicht zu beantworten. Denn hierfür müsste ich wissen, ob Vorerkrankungen vorliegen und welche Sportart Sie betreiben. Der maximale Blutdruck ist immer ein individuell festzulegender Wert, den Sie mit Ihrer Ärztin oder Arzt festlegen sollten. Je nachdem, ob Sie spezifische Erkrankungen haben.

Dieses Thema im Programm:

Die Bewegungs-Docs | 08.03.2021 | 21:00 Uhr

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