Stand: 30.11.2015 12:12 Uhr  | Archiv

Kalzium: Starke Knochen ohne Tabletten

von Sonja Pölig, Verena von Ondarza

Viele ältere Menschen nehmen täglich Kalziumtabletten, um sich vor brüchigen Knochen oder gar Knochenschwund (Osteoporose) zu schützen. Doch die gesundheitliche Unbedenklichkeit von Kalziumpräparaten ist bei vielen Medizinern umstritten: Die Knochendichte verändere sich kaum, der Schutz vor Knochenbrüchen sei nicht belegt. Neuen Studien zufolge kann zu viel Kalzium bei regelmäßiger Einnahme langfristig das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen erhöhen.

So teuer sind Kalziumtabletten

Kalziumtabletten: Überdosierung möglich

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Erwachsenen eine tägliche Höchstmenge von rund 1.000 Milligramm Kalzium. Die von Markt eingekauften Präparate liefern bereits 400 bis 1.200 Milligramm Kalzium pro Tag. Zusammen mit dem Kalzium im Essen werden somit häufig deutlich mehr als die empfohlenen 1.000 Milligramm Kalzium pro Tag aufgenommen - mit möglichen Folgen für die Gesundheit.

Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall steigt

Kalzium kann sich bei dauerhafter Einnahme in hoher Dosierung in den Gefäßen ablagern und damit das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen wie Herzinfarkte und Schlaganfall erhöhen, wie Ernährungsmediziner Dr. Matthias Riedl erklärt. Außerdem steige das Risiko für Nierensteine und Verstopfung.

Sport und Milchprodukte für starke Knochen

Wer seinen Knochen etwas Gutes tun möchte, sollte Sport treiben und kalziumreiche Lebensmittel zu sich nehmen, rät Riedl. Regelmäßiger Sport könne die Stabilität der Knochensubstanz um bis zu 50 Prozent erhöhen. Besonders viel Kalzium steckt in Milchprodukten: Bereits ein Glas Milch und zwei Scheiben Emmentaler-Käse decken den Tagesbedarf eines Erwachsenen. Wichtig: kalziumreiche Lebensmittel nicht auf einmal, sondern über den Tag verteilt essen.

Kritik an Werbung für Kalziumtabletten

Einige Hersteller werben mit den vermeintlichen gesundheitlichen Vorzügen von Kalziumpräparaten. Das kritisieren Experten: Erstens bestehe in der Regel kein Kalziummangel. Außerdem sei die Dosierung der Präparate zu hoch. Verbraucherschützer Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg kritisiert zusätzlich die Werbung für "starke Knochen" auf einem Kalziumpräparat, weil es dafür keine Wirkungsnachweise gebe. Welche gesundheitlichen Aussagen zulässig sind, schreibt die EU in der sogenannten Health-Claim-Verordnung vor.

Das sagen die Hersteller

  • Kneipp

    "Sich im Ergebnis teilweise widersprechende Interventionsstudien sind im Bereich der Knochengesundheit durchaus nichts ungewöhnliches. Osteoporoseprophylaxe ist ein äußerst komplexes, multifaktorielles Geschehen. Es ist zudem von einer Vielzahl von inter- und intraindividuellen Faktoren abhängig. Dabei ist unbestritten:  auch unter Einbeziehung von Nutzen - Risikobetrachtungen ist eine adäquate Gesamtcalciumzufuhr notwendig um die Knochengesundheit sicherzustellen."

  • Abtei

    "Nach den General Principles on Flexibility of Wording for Health Claims (...) besteht Einigkeit darin, dass die nach Art. 13 Abs. 3 HCVO genehmigten generischen gesundheitsbezogenen Angaben nicht wörtlich übernommen werden müssen. (...) Vielmehr ist nach dieser Leitlinie eine Verwendung gleichbedeutender Angaben zulässig. (...) Im Hinblick auf die Produktbezeichnung Abtei Knochenstark liegt eine Verwendung als Handelsmarke vor, die bereits vor dem 01.01.2005 bestand. Insoweit verweisen wir auf Art. 28 Abs. 2 HCVO, wonach dieses Produkt nach der dortigen Übergangsfrist noch bis zum 19.01.2022 in den Verkehr gebracht werden darf."

  • Hexa

    Der Hersteller von Calcium Sandoz, rät vor der Einnahme zu einer "ärztlichen Untersuchung".

  • Calcimagon

    Auch der Hersteller von Calcimagon empfiehlt die Absprache mit einem Arzt.

  • Calcigen D

    Eine "adäquate Gesamtcalciumzufuhr" sei notwendig, um die Knochengesundheit sicherzustellen.

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Dieses Thema im Programm:

Markt | 30.11.2015 | 20:15 Uhr

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