Stand: 25.02.2015 08:47 Uhr  | Archiv

"Über 90 Prozent der COPD-Patienten sind Raucher"

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Zunächst im Studio, dann im Chat: Dr. Christoph Petermann.

Sie ist weltweit eine der häufigsten Todesursachen, aber kaum einer kennt ihren Namen: die COPD. Dahinter steckt eine chronische obstruktive Bronchitis. Die Betroffenen bekommen immer schlechter Luft. Heilung ist nicht möglich, aber in speziellen Fällen kann mit verschiedenen Eingriffen geholfen werden.

Dr. Christoph Petermann, Oberarzt an der Asklepios Klinik Harburg, hat Ihre Fragen im Chat beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen:

Unbekannt: Bleiben Ventile nach der Operation in der Lunge oder werden diese wieder entfernt nach positivem Verlauf der Erkrankung?

Dr. Christoph Petermann: Die Ventile bleiben, können aber bei selten möglichen Komplikationen problemlos entfernt werden.

Unbekannt: Prof. Wolfgang Petro aus Bad Reichenhall sagt, dass Kortison hochwirksam bei Asthma ist, aber der Nutzen bei COPD nie sicher nachgewiesen wurde. Können Sie das bestätigen?

Petermann: Bei sogenannten Entzündungsschüben - Exacerbationen - ist eine einwöchige Behandlung mit Kortison sinnvoll, eine Dauerbehandlung sollte mit Kortisontabletten möglichst vermieden werden. Inhalative Kortisonsprays sind nur bei sehr wenigen COPD-Patienten als Dauertherapie sinnvoll, eine bedeutende internationale Studie (Prof. Magnussen, WISDEM-Studie) konnte gerade eindrucksvoll zeigen, dass inhalative Kortisonsprays viel zu häufig verordnet werden und ohne Nachteile abgesetzt werden können.

maifred: Ich nehme seit circa zehn Jahren Symbicort 320/9. Die letzte Zeit habe ich den Eindruck, dass es nicht mehr so wirkt wie vorher. Welche Alternativen gibt es?

Petermann: Die Frage ist, ob auch Sie nicht auf den Kortikoid-Anteil dieses Kombinationsmedikamentes verzichten könnten. Sprechen Sie mit Ihrem Lungenfacharzt, ob nicht ein Medikament aus einem sogenannten langwirksamen Anticholinergikum und einem Beta-2-Mimetikum bei Ihnen sinnvoller ist.

Markus S.: Bekommen nur Raucher eine COPD? Kann man in Stufe eins oder zwei noch mit einer Linderung rechnen?

Petermann: Über 90 Prozent der COPD-Patienten sind Raucher. Feinstaub, Umweltbelastungen und genetische Faktoren machen bei der COPD nur einen geringen Anteil aus. Zum zweiten Teil der Frage: Gerade die niedrigeren Stufen der COPD (eins und zwei) lassen durch eine Kombination von Medikamenten, physikalischer Therapie, guter Ernährung im wahrsten Sinne des Wortes viel Luft nach oben.

Dieses Thema im Programm:

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