Stand: 09.08.2019 11:58 Uhr

Bluthochdruck mit Kathetereingriff behandeln

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Bei einer Nierendenervation werden Nervenfasern in der Nierenarterie durch Erhitzen verödet.

Jeder vierte Deutsche leidet an Bluthochdruck. Nach Definition der Weltgesundheitsorganisation gilt ein systolischer Blutdruck von mehr als 140 Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) und ein diastolischer Blutdruck von mehr als 90 mmHg als Bluthochdruck. Der Blutdruck wird durch komplexe Mechanismen reguliert. Dabei wirken Blutgefäße, biochemische Botenstoffe (Hormone) und das Nervensystem zusammen. Die Mechanismen sind bis heute nur unvollständig geklärt. Sicher ist, dass insbesondere Erbanlagen und der persönliche Lebensstil mit Faktoren wie Bewegungsmangel, ungesunder Ernährung, Übergewicht und Stress entscheidend zur Entstehung von hohem Blutdruck beitragen.

Eine Bluthochdruck Messung.

Bluthochdruck mit Kathetereingriff behandeln

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Bluthochdruck lässt sich mit einer Operation an der Niere behandeln. Dabei werden die Nerven der Niere verödet. Doch die Nierendenervation hilft nicht allen Betroffenen.

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Bluthochdruck bleibt meist lange unerkannt

Da Bluthochdruck zunächst keine Beschwerden verursacht, bleibt er oft unerkannt. Bis zu 50 Prozent der Betroffenen wissen nicht, dass sie an hohem Blutdruck leiden. Das Gefährliche daran ist, dass mit einem dauerhaft erhöhten Blutdruck das Risiko für Schäden an lebenswichtigen Organen steigt. Die Folgeschäden wie die koronare Herzkrankheit, Herzinfarkte sowie Nierenfunktionsstörungen und Schlaganfälle sind für einen Großteil der Todesfälle in Deutschland verantwortlich. Das wichtigste Ziel bei der Behandlung von Bluthochdruck ist deshalb die dauerhafte Senkung des Blutdrucks auf normale Werte.

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Bei einer Nierendenervation die Nerven der Niere verödet. Wann der Eingriff bei Bluthochdruck sinnvoll ist, erklärt Kardiologe Prof. Joachim Weil. Video (03:38 min)

Zur Behandlung des arteriellen Hypertonus (Überdrucks) stehen verschiedene Medikamentengruppen zur Verfügung. In Verbindung mit Änderungen des Lebensstils gelingt es damit in den meisten Fällen, den Blutdruck effektiv zu senken und das Risiko der Komplikationen deutlich zu reduzieren. In einigen Fällen lässt sich ein hartnäckiger Bluthochdruck mit den herkömmlichen Therapieansätzen nicht erfolgreich behandeln. Seit fünf Jahren steht mit der sogenannten renalen Denervation ein operativer Behandlungsansatz zur Verfügung, der aber aufgrund einer Studie mit methodischen Schwächen vorübergehend in Misskredit geriet und deshalb nur noch in speziellen Zentren durchgeführt wird.

Wie die Nierendenervation funktioniert

Bei dem Eingriff geht es um die Nervenachse zwischen Niere und Gehirn. Sie ist für die Regulierung des Blutdrucks zuständig. Werden die Nerven ausgeschaltet, kann der Blutdruck sinken. Der Aufwand der Operation ist relativ gering: Ein spezieller Katheter wird über die Leistenarterie bis in die Nierenarterie eingeführt. Durch Hitzeeinwirkung (Ablation) werden dann Nervenenden in der Gefäßwand der Nierenarterie verödet. Der Eingriff dauert etwa 40 bis 60 Minuten. Erste Studien waren vielversprechend: Bis zu zwei Drittel der mit der Methode behandelten Patienten reagierten mit einer Blutdrucksenkung. Die Wirkung setzte dabei allerdings nicht unmittelbar, sondern in der Regel erst nach drei bis sechs Monaten ein.

Dafür hält der Effekt in der Regel dauerhaft an, wenn die Krankheit nicht weiter voranschreitet. Vor allem für Betroffene, die ihre Blutdruckmedikamente nicht vertragen oder die ein hohes Herzinfarktrisiko haben, für Diabetiker und nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall gilt der Kathetereingriff als sinnvolle Option. Mittlerweile wurden mehr als 5.000 Eingriffe durchgeführt und das Verfahren gilt als sehr sicher

Studie sorgte für schweren Rückschlag

Vier Jahre nach Einführung der Nierenarterienverödung veröffentlichten amerikanische Forscher eine Studie, nach der die Methode den Blutdruck nicht besser senkte als eine Placebo-Therapie. Aufgrund dieser enttäuschenden Daten übernehmen die Krankenkassen die Kosten von etwa 5.000 Euro für den Eingriff seitdem nur noch auf Sonderantrag, obwohl das Verfahren im Leistungskatalog der Krankenkassen steht. Inzwischen ist aber bekannt geworden, dass die US-Studie gewisse Schwächen hatte. Und weitere Untersuchungen haben gezeigt, dass die Denervation bei etwa 70 Prozent der Eingriffe gut funktioniert, bei 30 Prozent nicht. Warum das so ist, ist noch nicht geklärt - eventuell liegt in diesen Fällen die Ursache des Bluthochdrucks woanders oder der Nerv ist bei der Verödung nicht richtig getroffen worden. Heute gibt es deutschlandweit fünf spezialisierte Zentren, die über besonders große Erfahrung mit dieser Technik verfügen und daher die besten Chancen haben, geeignete Patienten gegenüber ihrer Krankenkasse zu unterstützen.

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Experten zum Thema

Prof. Dr. Joachim Weil, Chefarzt
Medizinische Klinik II - Kardiologie und Angiologie
Herz- und Gefäßzentrum
Sana Kliniken Lübeck
Kronsforder Allee 71-73
23560 Lübeck
(0451) 585 16 81
www.sana-luebeck.de

Prof. Dr. Ulrich Wenzel, Geschäftsführender Oberarzt
III. Medizinische Klinik und Poliklinik
Zentrum für Innere Medizin
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
(040) 741 05 39 08
www.uke.de

Weitere Informationen
Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL - Deutsche Hypertonie Gesellschaft
Berliner Straße 46
69120 Heidelberg
(06221) 58 85 55 (Mo-Fr, 9-17 Uhr)
www.hochdruckliga.de

Deutsche Herzstiftung e. V.
Bockenheimer Landstraße 94-96, 60323 Frankfurt am Main
(069) 95 51 28-0
www.herzstiftung.de

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Visite | 13.08.2019 | 20:15 Uhr

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